Treichl: "Europa muss über Selbstbehalt entscheiden"

08.04.2013 | 20:12 |   (DiePresse.com)

Das Thema Einlagensicherung sei ein sehr ernstes und sehr wichtiges "und völlig ungeeignet für populistische Statements" so der Erste-Chef.

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Seit voriger Woche wird wieder heftig über Selbstbehalte bei der Einlagensicherung debattiert. Zypern, so der Chef der börsenotierten Erste Group, Andreas Treichl, am Montagabend im Internet-Chat seines Hauses, zeige deutlich, dass das Thema Einlagensicherung ein sehr ernstes und sehr wichtiges sei, "und völlig ungeeignet für populistische Statements. Man darf den Menschen nicht vorgaukeln, dass bis zu 100.000 Euro alles abgesichert ist und dann entscheiden irgendwelche Politiker, dass das nicht so ist."

Damit, so Treichl, gehe das letzte Vertrauen in das europäische System verloren. "Ob Selbstbehalt oder nicht ist eine Frage, die ausschließlich auf europäischer Ebene entschieden werden kann."

Doppeltes Netz bei Erste Bank

Bei der Erste Bank in Österreich haben die Einlagen laut Treichl ein doppeltes Sicherheitsnetz, weil Erste und Sparkassen im Haftungsverbund wechselseitig für die Sparguthaben einstünden, auch über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus.

Die Frage, ob es irgend wann ein ähnliches Szenario wie Zypern geben könnte, hänge von der Politik und deren Entscheidungen ab. "Ich hoffe, dass dieses Schlamassel aber eine Lehre war, mit dem Vertrauen der Sparer nicht nochmals zu spielen."

Auf die Erste Group habe die Krise in Zypern keine Auswirkungen, "da wir dort nicht engagiert sind", sagte Treichl. "Die Handhabung der Krise hat jedoch sicherlich nicht zur Stärkung des Vertrauens in europäische Banken und politische Institutionen beigetragen."

Geschäftsmodell hängt davon nicht ab

"Unser Geschäftsmodell hängt nicht vom Bankgeheimnis ab", sagte der Chef der börsenotierten Erste Group, zum Thema der stunde. Als letztes EU-Land hat am Montag auch Österreich Gesprächsbereitschaft bei der Lockerung seines Bankgeheimnisses signalisiert, nach Lesart der SP-Spitze namentlich beim Bankgeheimnis für Ausländer.

Für Treichl ist das Bankgeheimnis eine gesellschaftspolitische Frage. Hier gehe es darum zu entscheiden, inwieweit der Staat in die Privatsphäre der Menschen eindringen kann oder soll. Sollte der Verdacht eines Rechtsbruchs bestehen - "Steuer oder sonstwas" - dann gebe es jetzt schon ausreichende Möglichkeiten, das Bankgeheimnis aufzuheben.

Erste Bank zwischen Deutschland und Russland

Erste-Chef Treichl sieht seine Gruppe mittel- bis langfristig als "die führende Bank zwischen Deutschland und Russland". Das sagte er Montagabend im Internet-Chat seines Hauses. "Ich glaube, dass unsere Position in den nächsten 10 Jahren stärker wird, weil wir eine klare Strategie haben, die wir nicht ändern müssen."

Aus Ungarn wird sich die Erste nicht zurückziehen. Ungarn sei ein Kernmarkt. "Wir glauben an die langfristige Perspektive für das Land und werden in diesem Land auch noch sein, wenn das politische Umfeld wieder ein anderes ist", sagte Treichl. In Ungarn werde es v.a. durch die hohe Steuerbelastung noch etwas länger dauern, bekräftigte Treichl. Die rumänische Bank BCR solle heuer wieder in die Gewinnzone zurück kehren. Ob er in Rumänien an Assets der Bank of Cyprus Romania und Marfin Bank Romania interessiert wäre, wurde bloß allgemein beantwortet. Sollten sich interessante Möglichkeiten ergeben, werde man prüfen, ob sie ins Geschäftsmodell der Ersten passten. In der BCR werden heuer weitere rund 800 Jobs abgebaut. In Ungarn sollen die größten Rationalisierungen bereits 2012 passiert sein. In der tschechischen Ceska Sporitelna werden heuer 600 Stellen gestrichen.

(APA)

 
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36 Kommentare
 
12
Lisa L
10.04.2013 07:35
3

Regeln für Banker

Was wir brauchen sind Selbstbehalte der Bankeigentümer und ein Haftungs- und Strafrecht für Banker. Einer der eine Bank mit Luftgeschäften ruiniert sollte aus der Branche abgezogen werden weil er das Volk gefährdet!

superjo1
09.04.2013 20:01
0

Es gibt sowieso keinen Rechts-Anspruch(Einlagesicherung) auf das Geld am Österreichischen Konto §93

Sie haben der Bank mit Ihren Einlagen einen Kredit gegeben und wenn die Bank Pleite geht, ist Ihr Geld futsch! Wenn die Bank Ihnen einen Kredit gewährt, wird das nur über Sicherheiten (Sachwerte) abgeschlossen! Wenn die Bank Pleite geht, ist das Geld auch futsch aber die Bank hat ja noch Ihre Sicherheiten!

§ 93. (1) Kreditinstitute, die sicherungspflichtige Einlagen gemäß Abs. 2 entgegennehmen oder sicherungspflichtige Wertpapierdienstleistungen gemäß Abs. 2a durchführen, haben der Sicherungseinrichtung im Rahmen ihres Fachverbandes anzugehören. Gehört ein solches Kreditinstitut der Sicherungseinrichtung nicht an, so erlischt seine Berechtigung (Konzession) zur Entgegennahme sicherungspflichtiger Einlagen gemäß Abs. 2 und zur Durchführung sicherungspflichtiger Wertpapierdienstleistungen gemäß Abs. 2a; § 7 Abs. 2 ist anzuwenden.

http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10004827

Mafiajaeger
09.04.2013 17:00
12

Herr Treichl

und wie schauts mit der beteiling der eigentümer aus?

und zuallererst was halten Sie von einer Haftung der Bankmanager?

In guten Zeiten abkassieren, Boni einstreichen und bei Sturm die Segel streichen - sehr billig für eine angebliche Führungskraft.

vegetation
09.04.2013 16:48
6

Niete

diese besserwissende Niete soll endlich mal den Mund halte - goschert reden, jeden als Trottel hinstellen und selbst ein Bankrotteur ohne diese Trotteln sein

Der Schärdinger
09.04.2013 13:49
6

Der Schärdinger

Das europäische System, abkassieren einer gewissen selbsternanntenOberschicht.
Die dafür sind, nennt man glühende Europäer!
Die anderen Europäer, bei denen eins und eins zwei ist und nicht vier und fünf werden als ewig gestrig hingestellt.
Für dieses System haben wir gestimmt, Danke!

Austrian Economist
09.04.2013 12:56
13

Wer nimmt einen Bankchef ernst...

...der eine rumänische Pleitebank zu 5 Mal (!!!) Buchwert kauft?

Antworten Seismograph
09.04.2013 15:23
7

es war im ersten Augenblick klar,

dass damals ein Einfältiger über den Tisch gezogen wurde.

Aber so dumm ist dieser Treichl gar nicht. Er klebt trotz dieses Debakels immer noch auf seinem Sessel, er kassiert immer noch ein überhöhtes Einkommen und die Kunden und Steuerzahler zahlen und haften für ihn.

Antworten Antworten Oberst Redl
09.04.2013 16:34
1

Es gilt der Grundsatz

Wissen ist Macht!

Ulmu
09.04.2013 12:25
11

Das Thema Selbstbehalt erübrigt sich bei den Sparkassen

Da sich die Zinsen bei den Sparkassen im Zehntel-Prozentbereich bewegen können sie so viel Selbstbehalt einführen wie sie wollen. Zu diesen Konditionen lass ich mein Geld gleich daheim. Jederzeit verfügbar und Null-Risiko Herr Treichl!

Antworten stefania
09.04.2013 18:31
0

Re: Das Thema Selbstbehalt erübrigt sich bei den Sparkassen

Heissa, dann machen sie eben auf "bargeldlos".

buhbuh
09.04.2013 12:20
5

endlich wissen wir, warum der Mensch so viel Geld erhält, wir wären ja dumm gestorben


master_of_disaster
09.04.2013 11:57
7

Den Regierungen und den Bangstern wäre...

ein "Selbstbehalt" von Sparern und Anlegern in der Höhe von 100 Prozent und mehr gerade recht...

sisterle
09.04.2013 11:56
9

Passt eh seine Aussage

Er will unser Geld für sich selbst behalten

cerberus
09.04.2013 11:46
14

Die Sparer werden jahrelang durch lächerliche Verzinsung ihrer Guthaben enteignet

und da traut sich dieser arrogante Banker das Wort Selbstbehalt in den Mund zu nehmen.
Wohlgemerkt - vom Sparer - und nicht von den jeweiligen Vorstandsdirektoren, die ja eine etwaige Zahlungsunfähigkein ihr geführten Bank zu verantworten haben.
Schäbig und präpotent - wie von diesem Herrn seit längerem gewohnt..

derpradler
09.04.2013 09:58
16

daher,

nehmt Euer Geld und versteckt es vor den Banken!

sowas
09.04.2013 09:19
15

Da spricht ein wahrhaft "Berufener"

Da hören wir aus berufenem Munde - nicht die "Leistungsträger", nein, die Sparer sollen einen Selbstbehalt tragen. Die Leistungsträger kriegen dafür die Prämien, auch aus den Selbstbe halten, wie ich diesen "Herrn" einschätze.

iggi
09.04.2013 09:05
11

Tag fuer Tag,

Scheibchen fuer Scheibchen schreitet die Verarmung und Bevormundung des Buergers voran. Man beachte auch wie selbstverstaendlich es geworden ist, Verantwortung auf die EU abzuwaelzen (2. Absatz). Wozu noch ein oesterreichisches Parlament ?

Alekhin
09.04.2013 08:24
4

Schau mer mal

Wie der anscheinend ja unausweichliche Selbstbehalt ankommt. Ich sehe da weniger monetäre Entspannung als unnötige soziale Spannung, aber bitte.

Bricop
09.04.2013 08:10
0

Nordeuro!

dann kann man über alles reden.

Alles relativ
09.04.2013 07:00
20

Persönliche Banker-Haftung

wäre eine wirksamere Maßnahme gegen Luftgeschäfte.

Max B.
09.04.2013 02:30
23

selbstbehalt vor einlagensicherung - das kann doch unmöglich jemand ernst nehmen.

sie reden dabei von dem geld das die leute übers jahr sparen damit sie für den winter das heizöl zahlen können, die weihnachtsgeschenke und den schikurs für die kinder, und eine neue waschmaschine wenn die alte kaputt wird.
der selbstbehalt ist für diese leute alles was sie haben, und wenn sie es verlieren verlieren sie alles, und ihre existenz.
so kann man mit menschen nicht umgehen.

Mores
08.04.2013 23:15
35

Nichts gegen den Selbstbehalt, Kollege Treichl, aber das Vermögen der Vorstände, die einen Umfaller verursacht haben, wird auch eingezogen!

MfG

Antworten naserwas
09.04.2013 06:38
9

Re: Nichts gegen den Selbstbehalt, Kollege Treichl, aber das Vermögen der Vorstände, die einen Umfaller verursacht haben, wird auch eingezogen!

ja, damit wird der Selbstbehalt ausgeglichen!

Le Monde
08.04.2013 22:35
29

Erste-Chef Treichl: "Europa muss Selbstbehalt entscheiden"

Unglaublich, aber der Oberabkassierer, macht wieder einmal seinen Mund auf!

josephXY
08.04.2013 22:20
4

nur mal langsam

Treichl verdient einiges Lob für seine nachhaltige
Position zur Einlagensicherung.

Man sollte sich mal was anderes dabei vor Augen
halten:
Die Banken präsentierten sich bislang als die
Hühner die goldene Eier legen und von denen
jeder was hat.
Die Banken gaben sehr viel Geld für reichlich
problematische Werbung aus (man blättere nur
mal in älteren Zeitschriften und Zeitungen in
einem Archiv und sehe sich dabei diese Werbung an.)
Hinzu kam das viele Geld für die PR Arbeit und
das Heer gefälliger Journalisten die alles
nachplapperten und unters Volk brachten,
jeder noch so dummen Aussage grösstes
Gewicht verliehen.

Um diese ganze Wirkung reichlich fauler
Versprechungen und Werbung mal gründlich
aufzuheben bedarf es schon solcher Diskussionen die endlich mal bei allen ankommen, bis nach unten durchdringen.

Im Grunde genommen müssen alles dankbar
sein wenn ein Bankdirektor endlich mal den
Leuten einen kalten Guss verabracht. Und ein
kalter Guss ist da ohnehin noch viel zuwenig,
das bedarf schon mehr um die Leute mal
zu ernüchtern, die Illusionen auszutreiben.

Antworten buhbuh
09.04.2013 12:43
0

klar, man sollte ihm noch einen Orden umhängen


 
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