Treichl: "Europa muss über Selbstbehalt entscheiden"

Das Thema Einlagensicherung sei ein sehr ernstes und sehr wichtiges "und völlig ungeeignet für populistische Statements" so der Erste-Chef.

PK ERSTE GROUP BANK AG: TREICHL
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APA/HERBERT PFARRHOFER

Seit voriger Woche wird wieder heftig über Selbstbehalte bei der Einlagensicherung debattiert. Zypern, so der Chef der börsenotierten Erste Group, Andreas Treichl, am Montagabend im Internet-Chat seines Hauses, zeige deutlich, dass das Thema Einlagensicherung ein sehr ernstes und sehr wichtiges sei, "und völlig ungeeignet für populistische Statements. Man darf den Menschen nicht vorgaukeln, dass bis zu 100.000 Euro alles abgesichert ist und dann entscheiden irgendwelche Politiker, dass das nicht so ist."

Damit, so Treichl, gehe das letzte Vertrauen in das europäische System verloren. "Ob Selbstbehalt oder nicht ist eine Frage, die ausschließlich auf europäischer Ebene entschieden werden kann."

Doppeltes Netz bei Erste Bank

Bei der Erste Bank in Österreich haben die Einlagen laut Treichl ein doppeltes Sicherheitsnetz, weil Erste und Sparkassen im Haftungsverbund wechselseitig für die Sparguthaben einstünden, auch über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus.

Die Frage, ob es irgend wann ein ähnliches Szenario wie Zypern geben könnte, hänge von der Politik und deren Entscheidungen ab. "Ich hoffe, dass dieses Schlamassel aber eine Lehre war, mit dem Vertrauen der Sparer nicht nochmals zu spielen."

Auf die Erste Group habe die Krise in Zypern keine Auswirkungen, "da wir dort nicht engagiert sind", sagte Treichl. "Die Handhabung der Krise hat jedoch sicherlich nicht zur Stärkung des Vertrauens in europäische Banken und politische Institutionen beigetragen."

Geschäftsmodell hängt davon nicht ab

"Unser Geschäftsmodell hängt nicht vom Bankgeheimnis ab", sagte der Chef der börsenotierten Erste Group, zum Thema der stunde. Als letztes EU-Land hat am Montag auch Österreich Gesprächsbereitschaft bei der Lockerung seines Bankgeheimnisses signalisiert, nach Lesart der SP-Spitze namentlich beim Bankgeheimnis für Ausländer.

Für Treichl ist das Bankgeheimnis eine gesellschaftspolitische Frage. Hier gehe es darum zu entscheiden, inwieweit der Staat in die Privatsphäre der Menschen eindringen kann oder soll. Sollte der Verdacht eines Rechtsbruchs bestehen - "Steuer oder sonstwas" - dann gebe es jetzt schon ausreichende Möglichkeiten, das Bankgeheimnis aufzuheben.

Erste Bank zwischen Deutschland und Russland

Erste-Chef Treichl sieht seine Gruppe mittel- bis langfristig als "die führende Bank zwischen Deutschland und Russland". Das sagte er Montagabend im Internet-Chat seines Hauses. "Ich glaube, dass unsere Position in den nächsten 10 Jahren stärker wird, weil wir eine klare Strategie haben, die wir nicht ändern müssen."

Aus Ungarn wird sich die Erste nicht zurückziehen. Ungarn sei ein Kernmarkt. "Wir glauben an die langfristige Perspektive für das Land und werden in diesem Land auch noch sein, wenn das politische Umfeld wieder ein anderes ist", sagte Treichl. In Ungarn werde es v.a. durch die hohe Steuerbelastung noch etwas länger dauern, bekräftigte Treichl. Die rumänische Bank BCR solle heuer wieder in die Gewinnzone zurück kehren. Ob er in Rumänien an Assets der Bank of Cyprus Romania und Marfin Bank Romania interessiert wäre, wurde bloß allgemein beantwortet. Sollten sich interessante Möglichkeiten ergeben, werde man prüfen, ob sie ins Geschäftsmodell der Ersten passten. In der BCR werden heuer weitere rund 800 Jobs abgebaut. In Ungarn sollen die größten Rationalisierungen bereits 2012 passiert sein. In der tschechischen Ceska Sporitelna werden heuer 600 Stellen gestrichen.

(APA)

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