Schieder will Selbstbehalt für "Ich-AGs" streichen

09.04.2013 | 10:14 |   (DiePresse.com)

Der SPÖ-Staatssekretär will Kleinstunternehmen entlasten. Der Selbstbehalt beim Arztbesuch soll fallen, Krankengeld soll es schon nach 7 Tagen geben.

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Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) fordert die Streichung des 20-Prozent-Selbstbehaltes bei einem Arztbesuch für Ein-Personen-Unternehmen (EPU). Leider würde dies die Wirtschaftskammer blockieren, weil sie offensichtlich die "Ich-AGs" nicht als klassische Unternehmen betrachtet. Was die Kammer zurückweist. Der Selbstbehalt gelte für alle Selbstständigen und habe sich bewährt, hieß es von der WKÖ.

Schieder betonte vor Journallisten, dass es für Ein-Personen-Unternehmen ohnehin schon sehr schwer sei über Wasser zu bleiben, sie würden deswegen oft gar nicht erst zum Arzt gehen weil sie sich die Kosten nicht leisten könnten. Was auch für die Volkswirtschaft schlecht sei, da Krankheiten nicht frühzeitig erkannt werden könnten. Außerdem würden sich die Selbstständigen den Selbstbehalt durch ihren Versicherungsbeitrag ohnehin selbst zahlen.

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Krankengeld nach sieben Tagen

"Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit, Unfall oder durch eine Schwangerschaft dürfen in Österreich für niemanden ein Grund sein, um seine Existenz fürchten zu müssen", betonte Schieder. Wichtig wäre es auch, das Krankengeld früher auszuzahlen. Jetzt erfolgt dies erst nach 43 Tagen, wünschenswert wäre nach sieben Tagen, so der Staatssekretär. Dies würde grob berechnet rund 40 Millionen Euro kosten.

Anlässlich es ersten EPU-Tages in Wien erinnerte Fritz Strobl vom Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband daran, dass in der Bundeshauptstadt bereits 60 Prozent der Firmen Ein-Personen-Unternehmen seien.

(APA)

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15 Kommentare

IM GEGENTEIL!

Unbedingt sollte so ein Selbstbehalt für Angestellte und Arbeiter – völlig losgelöst von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht etc. etc. – eingeführt werden. Das würde doch ganz rasch die Gesundheits- und Sozialeinrichtungen entlasten.

Brauche keine Almosen von der SPÖ!

Man merkt, dass der Wahltermin näher rückt.

Wieso schaft man nicht ein einheitliches System für alle Berufsgruppen (ASVG, SVA, Beamte etc.) und legt die Krankenkassen zusammen?
Die dadurch erzielten Einsparungen könnte man 1:1 an die Beitragszahler weiter geben.

falscher zugang

ob ich-ag oder betrieb mit 2 mitarbeitern ist eigentlich nicht die frage.

so manche ich-ag ist hochprofitabel (z.b.im beraterbusiness) und macher 3-mann-gewerbebetrieb kämpft ums überleben.

wenn, dann könnte nur das einkommen das entscheidungskriterium sein.

ganz abgesehen vom entstehenden bürokratieaufwand. wenn eine ich-ag wächst und ein mitarbeiter beschäftigt wird - in manchen branchen wird vielleicht nur in der saison und nachher wieder nicht - würde sich der selbstbehalt immer wieder ändern. wer überwacht und kontrolliert das dann?


Wahlzuckerl

Besser wäre es, dem e-card Betrug einen Riegel vorzuschieben!

Wirtschaftskammer

wieder einmal erweisen sie sich als reine Betonköpfe. Was soll diese Formulierung : "Weil es sich bewährt hat". Die gleiche Floskel stammt aus dem uralten "Herrenwitz" auf die Frage, warum Frauen seit Jahrhunderten unterdrückt werden. Und das Niveau dabei ist ähnlich unterirdisch.

die SPÖ auf Stimmenfang

Für mich als Kleinunternehmer wäre eine Abschaffung des Sebstbehaltes natürlich auch interessant - aber ich lasse mir nix vormachen:
es stehen Wahlen an und die SPÖ braucht stimmen.

Außerdem kann man bereits jetzt mit ein wenig Initiative den Selbstbehalt auf 10% drücken.
"Gesundenuntersuchung", Ziele vereinbaren (wie zB. das Rauchen reduzieren, Alkohol reduzieren, Gewichtsreduktion) und innerhalb 6 Monaten erreichen. FERTIG!

2

Sagen sie sowas nicht zu laut, ...

... sonst kommt der Selbstbehalt für alle und wird nur bei Zielsetzung und erfolgter Erfüllung gestrichen, natürlich nur zum Wohle der Volksgesundheit.

Re: die SPÖ auf Stimmenfang

Viele kleine Selbstständige haben sich zum Krüppel gearbeitet und können dadurch das 10%-Angebot nicht annehmen. Dieses 10%-Angebot ist nur für die Jüngeren interessant, nicht aber für jene, die Jahrzehnte lang geschuftet haben. Aber gerade die sind es, die man auspresst wie eine Zitrone, doch das ist für die Bonzen nur eine Nebensache.

ein erster Schritt!

für EPU und Kleinunternehmen gehört einiges geändert! Aber das wäre zumindest mal ein erster Schritt!

Re: ein erster Schritt!

ja, aber eben nicht nur für epu, sondern für alle kleinunternehmer!

mehr als der selbstbehalt drückt diese oft der enorme verwaltungsaufwand. eine steuerpauschalierung wäre wohl hilfreicher als eine selbstbehaltsabschaffung!

Re: ein erster Schritt!

z.B. auch die Anpassung der SV an das ASVG

Ich mag die SPÖ nicht, aber hier hat sie recht!!!!

Es reicht der WKÖ offenbar nicht uns Kleinstumternehmer mit unnötig hohen Gebühren für die Zwangsmitgliedschaft abzuzocken. Jetzt verhöhnt sie uns auch noch!

Re: Ich mag die SPÖ nicht, aber hier hat sie recht!!!!

Die WKO ist ein Abzockerverein und die SVA saugt die Kleinstunternehmer aus wie eine Spinne ihr Opfer im Netz. Noch härter trifft es kleine Selbstständige wenn sie in Pension sind, denn auch dann müssen sie noch trotz Minirente 20%-Selbstbehalt verkraften. Wie, das interessiert die WKO-und SVA- Bonzen nicht im Geringsten.

Re: Re: Ich mag die SPÖ nicht, aber hier hat sie recht!!!!

Was die Kammer zurückweist. Der Selbstbehalt gelte für alle Selbstständigen und habe sich bewährt, hieß es von der WKÖ.

Ja, für die Kammer. Und wenn ich in Pension bin, dann bin ich kein Selbstständiger mehr. Die Befreiung vom Selbstbehalt bei Einkommen und Pensionen unter 1.100 € wäre für Betroffene schon eine Erleichterung-

Re: Re: Re: Ich mag die SPÖ nicht, aber hier hat sie recht!!!!

ja, eine regelung nach dem einkommen wäre eventuell sinnvoll.

schieders kriterium ich-ag oder mitarbeiter hingegen ist unsinnig.
ich kenne genug ich-ags, die wesentlich besser verdienen als so mancher kleiner gewerbebetrieb mit mitarbeitern. ich-ags haben nämlich meist nur sehr geringe betriebskosten (oft nur ein büro in der wohnung und eben keine mitarbeiter samt den hohen lohnnebenkosten).

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