Standard & Poor's warnt vor einer Immobilienblase

18.04.2013 | 17:53 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Steigen in Österreich die Preise für Wohnungen und Häuser weiterhin so stark, droht laut Angaben der Agentur Standard & Poor's eine Blase mit negativen Folgen für die Banken.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Immobilien sind in Österreich so gefragt wie schon lange nicht mehr. Die Zinsen für Kredite befinden sich auf einem niedrigen Niveau. Gleichzeitig steigen die Preise für Wohnungen und Häuser. Nun warnt erstmals die US-Ratingagentur Standard & Poor's vor einer Immobilienblase. Die Agentur veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht über die österreichischen Banken. Darin wird vor allem auf die vielen faulen Kredite in Osteuropa hingewiesen. Doch Standard & Poor's sieht auch einige Risken im Inland. Genannt werden neben den vielen Fremdwährungskrediten auch die gestiegenen Immobilienpreise.

Mehr zum Thema:

Den stärksten Anstieg habe es im Vorjahr mit 14 Prozent in Wien gegeben. Doch auch 2010 und 2011 verzeichnete man ein Plus von jeweils acht Prozent. Außerhalb von Wien sei das Wachstum mit elf Prozent im Vorjahr nicht so stark gewesen. Hält dieser Boom in den nächsten Jahren an, könnte eine Blase entstehen, sagte Anna Lozmann, Analystin von Standard & Poor's, vor Journalisten in Wien. Dann müssten die Banken mit steigenden Kreditausfällen rechnen. Allerdings sei die Situation nicht mit Spanien vergleichbar. Denn in Österreich sei die Nachfrage nach Immobilien nicht kreditgetrieben, sondern viele Investoren schichten ihr Vermögen um – wie beispielsweise von Spareinlagen in Immobilien.

 

Banken brauchen mehr Geld

Wie andere Agenturen stuft Standard & Poor's den Ausblick für Österreichs Banken mit Negativ ein. Allerdings sei das Ratingniveau „recht hoch“, so Lozmann: „Wir reden noch immer über weltweit gesehen exzellente Ratings in der A-Kategorie.“

Erste Bank, Bank Austria und Raiffeisen Zentralbank haben seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 mehr Eigenkapital aufgebaut. Doch sie schneiden immer noch schlechter ab als Institute in anderen westeuropäischen Ländern, kritisiert Standard & Poor's.

Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Osteuropa und den vielen faulen Krediten in der Region hätten Österreichs Banken in nächster Zeit nur wenig Möglichkeiten, dort so viel Geld zu verdienen, um ihr Kapital aus eigener Kraft aufzustocken. Von den drei Großbanken ist laut Standard & Poor's die Raiffeisen Zentralbank am schlechtesten kapitalisiert, gefolgt von der Erste Bank. Auf Platz eins liegt die Bank Austria.

Zur Verbesserung der Kapitalquoten bieten sich laut Standard & Poor's zwei Lösungen an: Die Institute fahren ihr Geschäftsvolumen deutlich zurück, was sie nach derzeitigem Stand aber nicht planen. Oder sie holen sich Geld von außen – wie beispielsweise von der Börse. Doch auch das ist nicht einfach. So versucht Raiffeisen seit Längerem, den Kapitalmarkt anzuzapfen. Allerdings ist der Aktienkurs der Raiffeisen Bank International (RBI) immer noch viel zu niedrig, um eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Wesentlich besser geht es der Bank Austria, die demnächst vom italienischen Mutterkonzern UniCredit einen Zuschuss erhalten wird. Die Details dazu sollen bis Ende Juni feststehen.

Laut „Presse“-Informationen geht es um ein Volumen in Milliardenhöhe. Bereits vor drei Jahren überwiesen die Italiener zwei Milliarden Euro nach Wien.

 

Neue Staatshilfe für KA Finanz?

Die Bank Austria ist die einzige Großbank, die keine Staatshilfe beantragt hat. Raiffeisen schuldet dem Bund 1,75 Milliarden Euro, bei der Erste Group sind es 1,2 Milliarden Euro. Angesichts der Erklärungen der Ratingagenturen, dass die Banken mehr Geld brauchen, ist nicht mit einer raschen Rückzahlung der Staatshilfe zu rechnen. Nur die Bawag will heuer einen Teil ihrer Schulden beim Bund tilgen. Dabei geht es um 50 Millionen Euro von 550 Millionen Euro.

Bei der KA Finanz, der Bad Bank der Kommunalkredit, dürfte der Staat noch einmal zum Handkuss kommen. „Es besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Bank weitere Staatsunterstützung braucht, und wir rechnen auch damit“, sagte Lozmann. Auf einen Betrag wollte sie sich nicht festlegen. Zur Rettung der KA Finanz investierte der Steuerzahler schon Milliarden. Keine Angaben machte Standard & Poor's zur Hypo Alpe Adria, denn diese wird von der US-Agentur nicht analysiert. Wie berichtet, will die EU-Kommission die Hypo noch heuer schließen. Dies würde Österreich 4,4 Milliarden Euro kosten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2013)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

24 Kommentare
Kattsche
25.04.2013 16:51
0

.

Wenn ich mir die Preise aktuell anschaue, dann wird mir ganz schlecht. Die einzige richtige Möglichkeit sind ja wohl Genossenschaftswohnungen.. Alles andere ist viel zu teuer und zum Teil einfach noch schlecht renoviert oder saniert.. Mich wundert die Prognose überhaupt nicht!

guenther27
21.04.2013 22:04
0

zitat

"Die Bank Austria ist die einzige Großbank, die keine Staatshilfe beantragt hat" - na scheint ja doch auch so zu gehen...

alexmalex
21.04.2013 21:01
0

surprise surprise..

Dass die Immobllienpreise auf Höhenflug sind ist ja nicht gerade die große Überraschung. Wenn da nicht bald was gemacht wird wird S&P Recht behalten. Die Bank Austria steht am besten da und hat keine Staatshilfe bekommen. Da können die Menschen so viel über Banken schimpfen wie sie wollen, zumindest wissen die was sie tun.

punktegeier
19.04.2013 20:35
0

ich bin entsetzt!

negative folgen für die banken! ich dachte risk managment ist eine der entscheidenden kernkompetenzen einer bank (na ja). ich sehe hier ein viel größeres und entscheidendes risiko für die bürger "Denn in Österreich sei die Nachfrage nach Immobilien nicht kreditgetrieben, sondern viele Investoren schichten ihr Vermögen um – wie beispielsweise von Spareinlagen in Immobilien". ich glaube hier besteht bereits eine blase. wenn privatvermögen sinnlos investiert wird, ist das volkswirtschaftlich kein problem? stellen sie sich vor das zinsniveau steigt um nur 2% (3,4...). wie schaut dann die werthaltigkeit der investition aus? diese blase wird durch ein nicht zur wirtschaftleistung des landes passendes zinsniveau aufgepumpt. das ist eine der folgen der financial repression. danke euroland! danke politik!

sepp4
19.04.2013 17:04
2

Die

Banken schulden dem Staat Geld ,trotzdem werden Bonis etc. ausbezahlt.Danke Frau Fekter!

Napilut
19.04.2013 10:51
3

sub prime

Hätten sie doch auch bei der sub-prime-Krise gewarnt und dem junk kein AAA verpasst. Wo sollen Private denn ihr Geld anlegen, nachdem Banken (und nicht erst seit Zypern) keinen sicheren Hafen bieten.

Antworten insigma
19.04.2013 11:59
1

Re: sub prime

naja, es macht ja wohl einen unterschied, ob man geld hat und in immobilien investiert, oder ob man sich mit dem jetzt billigen geld bis an die halskrause verschuldet und das fixe gnack-brechen kommen wird, sobald die zinsen wieder steigen.

gabs ja vor kurzem zu hauf andernorts und man könnte was lernen draus...

Hayekian
19.04.2013 08:59
3

Fiskalsozialismus

Bei der europäischen Niedrigzinspolitik kaum verwunderlich...

Antworten Aurel2
19.04.2013 10:39
0

Re: Fiskalsozialismus

Aber die Banker dürfen sich jetzt auf S&P rausreden bei ihren "Beratungen".

eurasia
19.04.2013 07:46
0

lach mit kaputt

es gibt auch eine semmelblase meine herrn beim s

Aurel2
19.04.2013 00:59
0

gut, dass die S&P das sagen!


Peter Niveus
18.04.2013 21:58
6

"EU-Kommission will die Hypo noch heuer schließen"

Die Hypo gehört zu 100 % den Österreichern.

Und wenn die EU will das wir sie schließen, dann soll sie uns fragen.

Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler Milliarden in eine bankrotte Bank steckt und nach der Sanierung wird die Bank billig (auf Zuruf Dritter) verschärbelt.

Antworten Sunlaw
19.04.2013 00:27
6

Re: "EU-Kommission will die Hypo noch heuer schließen"

Bedanken sie sich bei der FPÖFPK oder wie die noch so alles heißen wollen.

Ohne die RIEßEN Haftungen dank dieser Politiker in Kärnten, blieb dem Staat Österreich nichts anderes übrig als die Bank zu retten. Sonst wäre der Staat Öst. hopps gegangen.

Wenn aber in der EU ein Staat einem Unternehmen Geld leiht, dann ist das nur legal wenn "Spielregeln" eingehalten werden. Sinn ist es, dass nicht ein Staat Unternehmen durchfüttert und die dann in den anderen EU Länderen deren Unternehmen ruinieren, weil sie dank Subventionen zu billig anbieten können. Subventionen, hier in Form von Staatshilfen, sind "Wettbewerbsverzerrend".

Die EU ist da zuständig. Nocheinmal: Bedanken sie sich bei der nächsten Wahl!

Antworten Antworten dulter
19.04.2013 07:11
7

Re: Re: "EU-Kommission will die Hypo noch heuer schließen"

so a Schwachsinn ... bei einer Bank, die im Eigentum des Freistaates Bayern steht, wird die Haftung nie fällig ... das war alles eine faule Party vom dicken Pröll, als gefallen für seine CDU Spezis aus Bayern ... und nur deshalb haben wir Steuerzahler für diese Bank zu bezahlen. aber wenn die Vorstellungskraft nur bis zur eigenen Nasenspitze reicht, dann hat man halt ein sehr eingeschränktes Weltbild und vor allem immer fleißig die Kronenzeitung lesen und ORF schaun, dann passts schon wieder!!!

Antworten Antworten Antworten Sunlaw
19.04.2013 18:22
0

Re: Re: Re: "EU-Kommission will die Hypo noch heuer schließen"

Tief Luft holen und noch einmal informieren warum die Hypo schlussendlich in Österreichischer Hand ist.

LeFonque
18.04.2013 21:55
2

ha

ich hoffe sehr, das das nur eine Bläser ist die bald platzt. dann kann auch ich mit endlich eine größere Wohnung kaufen. Zeit wirds das es "plopp" macht...

Novak Herbert
18.04.2013 20:03
8

Wenn 8000€

pro m2 in 1.Bezirk gezahlt wird, wieviel Miete kann man pro m2 verlangen? wenn solche Preis noch keine Blase ist, wann ist eine Blase?

Antworten DER AHNUNGSLOSE
18.04.2013 22:35
7

Re: Wenn 8000€

entschuldigung wenn ich korrigiere...
bis zu 15.000,-- EUR...

ist ein dickes blaserl.
andererseits bezahlen das meist russen und andere die schwarzgeld anlegen wollen. spielt keine rolle was die wohnung kostet. hauptsache schwarzgeld reinwaschen...

warum will die regierung sonst an dem bankgeheimnis festhalten...???
genau. schwarzgeld. tja...

Antworten kanel
18.04.2013 21:04
2

Re: Wenn 8000€

Ich darf auf die Schweiz verweisen. Dort sind die Preise für uns Ösilandler galaktisch hoch. Da sind wir dagegen hier im Diskontland der Immobilien.

Antworten Antworten seefahrer-horst
19.04.2013 13:17
3

Re: Re: Wenn 8000€

auch für die Schweizer waren die Preise für Immobilien immer schon zu hoch. Die Mehrheit, also ausser den absoluten Top-Verdienern oder denen die ein Häuschen irgendwo am Dorf geerbt haben wohnt zur Miete.

Antworten Antworten Novak Herbert
19.04.2013 08:32
9

Re: Re: Wenn 8000€

In der Schweiz verdient eine Putzfrau, eh Entschuldigung, eine Raumpflegerin um 2500€ im Monat, das ist ein Gehalt bei uns für frische Hochschulabsolventen. Sie verwechseln, Wien ist kein schweizer Kanton.

Mores
18.04.2013 19:31
9

Immoblase ist tatsächlich vorhanden,

spätestens wenn die Zinsen wieder steigen, wird es einen lauten Krach machen!

Antworten anyway
20.04.2013 10:01
0

Re: Immoblase ist tatsächlich vorhanden,

wenn die zinsen steigen sollten, hat man einen chf-kredit?

Antworten Antworten Mores
22.04.2013 17:06
0

Re: Re: Immoblase ist tatsächlich vorhanden,

hängt von der dann vorherrschenden zinslandschaft in der ch ab!

Umfrage

AnmeldenAnmelden