Krejci: „GmbH-Reform öffnet Tore weit zum Missbrauch“

22.04.2013 | 18:11 |  BENEDIKT KOMMENDA (Die Presse)

Der renommierte Gesellschaftsrechtler Heinz Krejci kritisiert die geplante Herabsetzung des Stammkapitals im Gesetzesentwurf scharf.

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Wien. Das Mindeststammkapital zur Gründung von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) soll von 35.000 auf 10.000 Euro gesenkt werden, und davon müsste nur die Hälfte eingezahlt werden: Das ist, neben einer Herabsetzung der Steuern und Gebühren für die GmbH-Gründung, das zentrale Anliegen einer von Justizministerin Beatrix Karl geplanten GmbH-Reform. Heinz Krejci, auch nach seiner Emeritierung an der Uni Wien einer der renommiertesten Gesellschaftsrechtler Österreichs, schlägt Alarm: Die Reform werde der Wirtschaft nicht, wie von ihren Proponenten beabsichtigt, nützen, sondern schaden. Denn, so Krejci: Sie schmälere auf gravierende Weise den gesellschaftsrechtlichen Gläubigerschutz.

 

Zutrittsschwelle mit Warnfunktion

Das Mindeststammkapital sei eine Marktzutritts- und Seriositätsschwelle, „die wagemutige Mittellose davon abhalten soll, ihr ureigenstes Geschäftsrisiko vorweg auf jene abzuwälzen, die sich gutgläubig auf Geschäfte einlassen, die von einer mittellosen Gesellschaft bei geringster Irritierung nicht erfüllt werden können“, schreibt Krejci in einer Stellungnahme zum Entwurf. Zugleich habe das Mindeststammkapital eine „Warnfunktion, die den Gründern vor Augen führen soll, dass der Aufbau und Betrieb eines Unternehmens Geld kosten“. Das Ministerium meint, dass 35.000 Euro gerade für solche Gesellschaften zu viel seien, deren Zweck keine so große Kapitalausstattung erfordere – wie Dienstleistungsunternehmen.

Doch abgesehen davon, dass selbst kleine Unternehmen ein Minimum an Infrastruktur benötigen, gilt es meist auch, eine längere Aufbauphase zu überwinden. „Diese Durststrecke ist in der Regel mit 5000 Euro nicht zu finanzieren“, warnt Krejci. Überhaupt kein Verständnis hat er für das Argument, die Zahl der GmbH-Gründungen könnte mit der Absenkung des Stammkapitals erhöht werden: Die Vermehrung der Gesellschaften könne ja kein Selbstzweck sein.

 

„Noch mehr Gläubiger werden bluten“

Die Wirtschaft profitiere nur, wenn mehr Personen als bisher unternehmerisch tätig würden und damit erfolgreich wären. Doch niemand hindere sie daran, ihr Glück als Einzelunternehmer zu versuchen, die allerdings auch persönlich für ihr Risiko haften. Krejci befürchtet, dass es künftig zu noch mehr GmbH-Insolvenzen kommen werde. „Am Ende werden noch mehr Gläubiger als bisher bluten.“ Der Experte findet es „befremdlich“, wenn gerade in einer Zeit, in der die Sensibilität gegenüber fragwürdigen Verhaltensweisen im Wirtschaftsleben stark zunimmt, der Gesetzgeber „die Tore zum Missbrauch der Rechtsform der GmbH weit öffnet“. Deshalb hat auch der Anwalt und Gesellschaftsrechtsexperte Hanns F. Hügel die Reform als einen „beispiellosen Schildbürgerstreich“ kritisiert: Sie werde vor allem die Gründung von Betrugs-GmbHs fördern.

Zurück zu Krejci: Wenn eine Senkung des Stammkapitals unausweichlich wäre, dann sollte man – nach deutschem Vorbild – an 25.000 Euro denken. Könnten diese nicht gleich aufgebracht werden, wäre eine Pflicht zum Ansparen aus Gewinnrücklagen denkbar. Zustimmung findet der Entwurf bei Krejci nur mit seiner zweiten Stoßrichtung: der Senkung von Tarifen, Gebühren und Steuern und der Streichung der Pflichtbekanntmachung in der „Wiener Zeitung“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2013)

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41 Kommentare
 
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Höhe der Stammeinlage

Seriös wären die ursprünglichen 500k Schillinge ergänzt um die Inflation für große GmbHs ... :)

Wenn der Herr schon über der Notwendigkeit argumentiert - Der Jungunternhehmer hätte sich bewusst zu sein, dass die Felgeljahre vorbei wären und der Ernst des Unternehmertums beginne.

Nur der Gauner hat Bargeld:) und eine kleine GesmbH.

In dem Typ GesmbH klein, verringert sich das Risiko. Nimmt man eine Arbeitsgesellschaft aus Beraten, hat wie schon zuvor erwähnt der Kunde ein Stabileres Umfeld für die Erbringung einer Leistung und heute wollen die meisten Kunden eine GesmbH damit sie selbige verklagen können zumindest theoretisch ... da schlagt wieder etwas der streng liberale Kern des sozialistisch anmutenden Neoliberalismus durch.

Ich täte im Moment kaum ein Unternehmen gründen, in Europa. Ich würde ein Fremdsprache lernen und das weite suchen. Wir zahlen mit einer Regionalwährung von Goldman Sachs, das ist schon sehr ungewöhnlich ... wir haben eine Zentralbank die offensichtlich nicht die Kompetenzen einer Zentralbank hat, das 'Geld'wesen überwacht die Banken defakto beaufsichtigt - wozu man die Bankenaufsicht noch zur EZB verlegt ist mir ein Rätsel - den Bock zum Gärtner machen in der Hoffnung, dass er weniger stinkt.

In so einem Umfeld muss enorm viel über Cash Flow arbeiten. Somit wird Einlagenhöhe/Stammkapital nicht so wesentlich sein. Selbst wenn es weg ist - so ist der Schaden, außer für die Lieferanten. Aber die müssen an sich in 30 Tagen bezahlt sein ...

Haftung & Co

Man kann sich in Europa in jedem Land zu den dort geltenden Konditionen entschulden ...

Die 25k EUR ist die Deutsche große Ges... die diskutieren um 1 EUR Risikokapital. Das ist eine vernünftige Diskussion, je nach Branche.

Wir leben ja nicht mehr in der Zeit von großem Wachstum wie in den 60ern in dem ein Einzelunternehmer noch konnte sich auf sein Geschick verlassen. Es gibt viele 'Gauner' in der Wirtschaft. Man stirbt nicht aufgrund seines Unvermögens ... grad junge Leut ...

Was ist zu beachten
a) Umsatzsteuer nach vereinbarten Entgelten
b) Gewinn sollte an sich die Mindest Kö überschreiten
c) Man gründet kein Unternehmen ohne bestehendes Business.

Es gibt andere Argumente. Eine kleine GesmbH ist schnell gegründet.

Für mich ist allein das 'Branding' interessant - das ist ein Argument und wenn ein Einzelunternehmer Verbund eine gewisses gemeinschaftliches Interesse hat, kann eine kostengünstige Gesellschaft in die investiert wird kann durchaus sinnvoll sein.

Die Gesellschaft besteht ja länger in der Regel als mögliche Erkenntnisse bei der Zusammenarbeit. Erbringer der Leistung ist dann klar. 'Kooperationen' sind für die Kunden nicht zwingend zum Vorteil und derjenige der die Leistung verrechnet (die kommen ja selten getrennt, das will keiner mehr) wäre dann der Dumme... so hat er zumindest wenn die Leistung erbracht ist die Rechnung in der stabileren Einheit... usw. usw...

40k EUR sind für viele zuviel zu beginnen und zu wenig zum richtigen Wirtschaften.

Re: Haftung & Co

Sorry, schlampig formuliert - die Steuer sollte die Mindest Kö überschreiten, denn bei Kö = Gewinn, zumeist = Umsatz mehr oder weniger, das hat keinen Sinn. Sorry.

Naja, der Teufel an der Wand

Ich bin froh, dass es das Instrument gibt. Man braucht eine Haftungsbegrenzung.

Man kann auch mit 40k keine Durststrecke überwinden. Man bekommt eh keinen Kredit auf auf 5000 EUR eingelegtes Kapital.

Die GesmbH ist zu groß. Was unterscheidet eine Voestalpine Stahl GesmbH von einer 3 Mann Beratergesellschaft - einiges. Es wertet die traditionelle Ges. irgendwo auf.

Es gibt viele Mittelständer die von sich auf andere schließen. Da schwebt oft die Hoffnung mit, wenn man bei einer GesmbH bestellt gleich 300 Leute gleichzeitig auf ein Problem stürzen:).

Etwas überskizziert, obwohl es in der Praxis vermutlich genau einer bleibt der maßgeblich überarbeitet ist. Das hat schon etwas damit zu tun, dass genau die Unternehmen die hier beschreiben werde, kreditfinanziert und GesmbH - leichte Beute für die öffentliche Hand sind.

In die meisten GesmbH Verträge steht drinnen, wir haben uns lieb und Vertrag kommt vom vertragen. Für das reicht die Entlohnung für den Notar ... Wir arbeiten nicht für die Lohnsummensteuer, mindest Kö usw.. Das Wohl der öffentlichen Hand ist nicht gleichzusetzen mit dem Wohl der Gemeinschaft.

Bei Arbeitsgesellschaften hat man ja keine großartigen Ungleichheiten zu kompensieren im Vertrag, das ist eher eine Frage der Praxis. Da ist dann eine einfachere Regelung im Gesellschaftsvertrag sinnvoll.

Eine GesnbR mit Haftungsbeschränkung wäre ähnlich. Wer fallt um was um. Im angedachten Fall. Keiner um gar nichts.

Die Missbräuche die gibt es heute auch.

Re: Naja, der Teufel an der Wand

Eine große GmbH hat aber auch eine größere Stammeinlage da bei Unterfinanzierung ein Durchgriff auf die Gesellschafter möglich ist.

Und eine reine Innengesellschaft wie die GesbR mit beschränkter Haftung kann ja wohl keine Lösung sein?

Wir werden wohl wie in Deutschland die 1€ UG bekommen.

Naja, der Teufel an der Wand

Die GesbR war eher gemeint von der Art - eine 'Errichtungsgesellschaft' mit Haftungsbeschränkung. Das war etwas leger formuliert, allein bezogen auf den Zweck. Im positiven Sinne ist eine kleine Ges. so etwas wie eine ARGE.

Die Vorteile gegenüber einer ARGE liegen eher, dass man mit dem Konstrukt Einzelunternehmer und GesmbH die Kooperativen Elemente in einen klar definierten Rahmen bringt. Risiko kann man besser poolen. Das funktioniert, das kann ich bestätigen.

Korrekterweise sollte man die Einlage üfr eine große Ges. auf 200k bis 500k anheben. Dann steht das eingelegte Kapital wieder in Proportion zu früher.

Sie haben recht - es wird so etwas kommen wie eine Inc. War eh schon Zeit. Es werden viele Unternehmen sterben und andere wachsen. Bequem ist allein der Long Run und Preise erhöhen ... oder wie die öffentliche Hand Kredite aufnehmen und sich auf Kosten der Bevölkerung in Wahrheit ein konstant schönes Leben machen.

Klar gefällt das den Gemeinden bspw. nicht. Aber die werden damit leben müssen, dass sie ein Gebühr für die Verwaltung bekommen und ansonsten eher ruhig ihrem Tagwerk nachgehen. Die Kritik an der kleinen GesmbH kommt stark aus dem Eck. Die wollen ja wieder ein Gegenfinanzierung usw ... Was nehmen sich selbige um alles an ...

Ja, das wir ein Paradies für Kriminelle!

Da wird schnell mal eine GmbH gegründet, abkassiert, und dann auch wieder geschlossen. Ein herrliches Konstrukt, dass dann auch den Honorarschreibern (Strasser, Scheuchs, Langtaler, etc.) ein Abkassieren ohne eigene Haftung ermöglich. Die Papiere (Rechnungen) zur ordentlichen Darstellung kann man ja einfach besorgen.

Es hat irgendwie den Anschein, dass eine korrupte Regierung deren vielen korrupten Parteibonzen - Bonzerl eine billigere Spielwiese verschaffen wollte. Passt doch herrlich zum, sehr mutmaßlichen, korrupten Inseratenkanzler, auch zum, sehr mutmaßlichen, amtsmissbrauuchenden Vizekanzler.

Die Menschen der Realwirtschaft, welche die eigene Existenz auf eigener Leistung aufgebaut haben, die sollten langsam aufhören auf offene Rechnung zu liefern. Geschäfte mit der Kotzstaatlichkeit sind doch ethisch prinzipiell bedenklich, Geschäfte mit solchen GmbHs auch.

Österreich wird von, sehr mutmaßlich, Kriminellen regiert und schafft Gesetze zum Schutz von kommenden, natürlich auch mutmaßlichen, Kriminellen.

Re: Ja, das wir ein Paradies für Kriminelle!

Was ist denn das für ein Schwachsinn?

Re: Re: Ja, das wir ein Paradies für Kriminelle!

Schwachsinn?

Bei einem jährlichen direkten Korruptionsschaden von 3.000 bis 6.000 Mio. Euro (Schätzung TI, vorwiegen im Dunstkreis der öff. Hand).

Bei einer Masse an Insolvenzen, wo die Eigentümer nach der Insolvenz mehr Vermögen haben also vor der Unternehmensgründung?

Bei einem Vereinsrecht, welches dann zusätzlich ein Paradies für Korrupte ist und von de Parteien so geschaffen wurde wie auch heftig verwendet wird.

Alles geschaffenes Recht, welches zum sauberen Wirtschaften für die Gesellschaft nicht benötigt wird. Es liegt doch auf der Hand wer diese Gesetze braucht, wer von den Gesetzes profitiert und wer die Verlierer in diesem grausamen Spiel sind.

Nur weil Sie es nicht erkennen können / wollen, so ist es kein Schwachsinn.

Beeindruckend war ihr sachlicher Beitrag, samt produktiven Argumenten, welcher Sie selber ins rechte Licht gerückt hat.

Schuster -> Leisten

Juristen und ihre monokausale und bivariate Sicht der Welt, die bekanntermaßen an den Außengrenzen Österreichs endet.

Die rechtliche Ausgestaltung der Interaktion von Unternehmen untereinander einerseits und der Gesellschaft andererseits ist ein (wichtiger) Teilprozeß - aber wie der Name schon sagt: TEILprozeß. In das System, das zu Konkurs oder massiven Gewinnen führt, spielen noch viele, wesentlich bedeutsamere Teilprozesse und Faktoren hinein. Wie man aus der beschränkten Teilsicht ein Urteil über das Gesamtsystem ableitet, ist mir schleierhaft. Schlimmer ist allerdings, daß man ihm auch noch zuhört und seinen Äußerungen Bedeutung beimißt.
Die IT stellt auch wichtige Teilprozesse bereit (ohne Datenaustausch kein Unternehmen), aber niemand käme auf die Idee, den Informatiker zu dem Thema zu befragen.

Wenn der Herr mir ein Modell vorlegt, in dem er die Eintrittswahrscheinlichkeiten und Mechanismen aufzeigt und berechnet hat, glaube ich ihm vielleicht. So mal auf den ersten Blick... sollte stochastisch sein, Wiener Prozeß, Driftraten und Varianzen müßte man definieren, etc.
Mir fehlt das tiefgehende Interesse, um das in einem Zeitungskommentar zu tun, Fakt ist aber: Mit zwei Variablen läßt sich das nicht erklären. Schon gar nicht mit "Na, weil's im Gesetz so steht und darum immer scho so woar!"

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Re: Schuster -> Leisten

schön brav sein, nicht " bla bla bla " sagen,das tut man nicht.

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Re: Schuster -> Leisten

Es wäre ja noch schöner, eunen Juristen zu einem Rechtsthema zu befragen. Da negmeb wir doch lieber einen "Mathematiker", denn der hat ja so viel mit Empirie zu tun...

Komisch dass überall auf der Welt wunderbar funktioniert und ohne viel bla bla, nur in Österreich natürlich nicht... diese Urängste der Österreicher... Uiii... jemand könnte zahlungsunfähig sein... uii... ich bleibe auf meine Rechnungen sitzen... uii... uii... uii...

Es gibt ganze Vereine die den Leuten das nötige Kleingeld einzahlen, damit sie eine GmbH gründen können, und das Geld wird nachher wieder zurückgezahlt, und es bleibt meistens bei 0 wieder, aber auf dem Papier hat man schon eine GmbH ohne viel bla bla!
Diese gängigste Praxis gibt es nicht nur in Österreich, sondern in vielen Ländern, wo die Bürokratie und die Phantasie des Gesetzgebers in Bereiche eindringt, die eigentlich wurscht sein sollten! Solange die Leute ihre Steuer abliefern, sollte der Rest doch egal sein! Das meiste ist sowieso auf OPM aufgebaut, also WAS soll bitte die künstliche Aufregung hier? Ich kann mit €500,- meine GmbH in Bratislava schon haben und mit einem Pfund schon sogar meine Ltd in London haben, für eine LLC in Delaware brauche ich nicht einmal $500,- also bitte WAS SOLL DIE DISKUSSION HIER? Schon wieder so eine Typische Hosensch*isser Diskussion! Viel Aufregung um nix!

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Re: Komisch dass überall auf der Welt wunderbar funktioniert und ohne viel bla bla, nur in Österreich natürlich nicht... diese Urängste der Österreicher... Uiii... jemand könnte zahlungsunfähig sein... uii... ich bleibe auf meine Rechnungen sitzen... uii... uii... uii...

Sie vergessen nur eines: eine britische Limited und eine LLC bekommen halt schwerer Kredit von den Lieferanten, die Banken verlangen so oder so persönliche Haftungen. Für ein Pfund bekommen Sie im übrigen keine Limited, auch bei der gibt es Gründungskosten und laufende Kosten für die Jahresabschlüsse.

Re: Komisch dass überall auf der Welt wunderbar funktioniert und ohne viel bla bla, nur in Österreich natürlich nicht... diese Urängste der Österreicher... Uiii... jemand könnte zahlungsunfähig sein... uii... ich bleibe auf meine Rechnungen sitzen... uii... uii... uii...

Wenn das Geld unmittelbar nach der Gründung zurückgezahlt werden müsste, so haftet der Geschäftsführer auf Grund der fälschlich abgegebenen Paragraph 10- Erklärung.
Im Fall der 1Mann - GmbH haftet der Geschäftsführergesellschafter daher erst wieder unmittelbar.
Abgesehen davon droht hier auch eine Haftstrafe von 1 Jahr, siehe 122 (2) GmbHG.
Es ist daher schon ein Unterschied, ob man unmittelbar für 1,10000 oder 35000 Euro haftet.


Re: Re: Komisch dass überall auf der Welt wunderbar funktioniert und ohne viel bla bla, nur in Österreich natürlich nicht... diese Urängste der Österreicher... Uiii... jemand könnte zahlungsunfähig sein... uii... ich bleibe auf meine Rechnungen sitzen... uii... uii... uii...

es ist doch wurscht!

nun...

Wenn man sich die 17500 nicht leisten kann, so wird man halt als e.u. oder Personengesellschaft agieren müssen.
Ich verstehe da das Problem nicht.
Und wer vor einer unbeschränkten Haftung sich fürchtet, sollte sein Projekt lieber 2 mal überlegen.
Ich finde, dass die Schuldenfreiheit der Gesellschafter jedenfalls 35000 € wert sein sollte.

An der Praxis vorbei

Der brilliante Theoretiker Krejci schreibt hier leider an der Praxis vorbei.

Wie schon öfter erwähnt wurde: Banken lassen sich sowieso von Gesellschaftern/etc. Sicherheiten bestellen, das ist "Warnfunktion" genug.

Krejci übersieht, dass viele, viele GmbHs als Transaktionsvehikel gegründet werden. Und nein, das hat nichts mit dubiosen Geschäften und bösen, bösen Spekulanten zu tun, da geht es um folgendes: es ist viel einfacher, im Rahmen einer Transaktion Geschäftsanteile einer GmbH zu verschieben, als die assets (die tatsächlichen Gegenstände). Will jemand als Finanzinvestor einen Betrieb übernehmen, ist es viel einfacher, die Geschäftsanteile an der GmbH, die den Betrieb führt, zu kaufen, anstatt den gesamten Betrieb "realiter" überzuführen. Bei letzterem muss man tausend Dinge berücksichtigen, insbesondere Vertragsverhältnisse und da die Arbeitsverträge.

Eine GmbH erlaubt auch eine einfache und simple Strukturierung unter Beteiligung einer Vielzahl von Investoren.
A will 20%, B will 30% und C will 50% an einem Unternehmen? Kein Problem, wenn das Ding in einer GmbH steckt. Einfach Geschäftsanteile in dem jeweiligen Prozentbetrag übertragen. Ohne GmbH quasi ein Ding der Unmöglichkeit, man müsste Miteigentum an allen Vermögensgegenständen begründen....praktisch absurd. Exakt dafür macht auch die Gründung von 1-Personen-GmbHs Sinn.

Lange Rede kurzer Sinn: in Transaktionsvehikeln ist das hohe Stammkapital einfach "versunken" - niemand braucht es, niemandem nützt es.

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Re: An der Praxis vorbei

Letztendlich zahlen Sie bei diesen Transaktionen aber so viel Rechts- und Beratungskosten, dass das einzuzahlende Stammkapital kaum ins Gewicht fällt.

Re: Re: An der Praxis vorbei

Wenn man nicht gerade bei Schönherr oder Freshfields anheuert, sind Rechtsberatungskosten keineswegs so hoch, dass die 17.500 keine Rolle spielen würden.

Und wenn man eine ganze Reihe von GmbHs braucht - etwa weil es mehrere Investorengruppen gibt - dann summiert sich das schnell auf.

Selbst wenn man NICHT meiner Meinung ist, ändert das nichts daran, dass hier zu 99% Leute über Themen schwadronieren, von denen sie absolut keine Ahnung haben.

Warum diskutieren wir nicht in derselben Weise die, wasweißich, neuesten chirurgischen Eingriffsmöglichkeiten bei Gehirnoperationen? Schon komisch, da akzeptiert jeder, dass er keinen blanken Schimmer von der Thematik hat und überlässt das den Spezialisten.

bei uns ist jeder renommiert,

wenn er hundertjährigen gschichtln fröhnt. tatsache ist, dass wir das land mit den wenigsten firmenneugründungen in europa sind, dass dafür die behördlichen hürden für neugründer undurchschaubar bleiben, dass der sogenannte führerschein für die gründung von den subkörpern der kammern gesteuert und kassiert wird, dass dort "experten", die kaum was weiterbringen, dann die neugründer teuer beraten dürfen (werbung, edv) und dass das dann endlos in ausgaben an die zwangsinstitutionen ausartet. scheitert jemand, sei es als jungunternehmer oder als gestandener unternehmer in österreich, hat er nur eins: die häme aller. der krejci mag ja einmal hell auf der platte gewesen sein, aber im zeitalter der offenen daten, braucht sich kaum jemand vor dem kleinen neugründer fürchten: der ist von a-z so durchleuchtet, dass er weder geld noch ware bekommt, wenn er nicht ein ordentliches bankmuster aufweist. und scheitert er, dann hat er sein existenzrecht verwirkt - das ist der bisherige österreichische weg. und wer was anderes behauptet, ist und bleibt eben eins, ein typischer österreichischer raunzer.

Wieso in Österreich anders?

Eine doch etwas beschränkte Sichtweise. In praktisch allen EU-Staaten ist es wesentlich leichter und billiger, eine der GmbH entsprechende Kapitalgesellschaft zu gründen. Abgesehen von den damit einhergehenden Wettbewerbsnachteilen für Österreich(er) gehe ich davon aus, dass das Stammkapital eine absolut untergeordnete Rolle im täglichen Geschäft oder langfristigen Finanzierungsbedarf spielt. Geschäftspartner wie Banken lassen sich im Fall schon entsprechende andere Sicherheiten geben.

Re: Wieso in Österreich anders?

Man sieht ja, wie in den PIIGS die Geschäfte blühen? Hat Deutschland auch GmbHs mit einem Stammkapital von € 10.000,-. Und wenn der Unterschied von € 10.000,- zu € 35.000,- so ein Wettbewerbsnachteil ist, dann sollte man sich vielleicht die Geschäftseröffnung überlegen?

Wofür 1-Personen-GmbH?

Eine GmbH macht nur Sinn, wenn man die Haftungsabgrenzung auch nutzen kann, dafür muß man aber unabhängig von Banken sein, also selbst das volle notwendige Kapital für das Geschäft bereitstellen und das ist normalerweise erheblich mehr als 17500€. Ansonsten unterscheidet sich die GmbH nicht von einer Personengesellschaft, weil für alles und nichts eine persönliche Haftung des GF oder Vorauskasse verlangt wird. Die Buchhaltungspflichten sind umfangreicher und die Formalien sind ein Extraaufwand, was den notwendigen Anwalt und Steuerberater teurer macht.
Allein 1 Mtarbeiter mit 1500€ Monatsgehalt kostet 27000€ im Jahr. Und kommt noch vieles aus der laufenden Tätigkeit dazu (der soll ja nicht nur herumsitzen). Mit 5000€ oder 17500€ ist man da hoffnungslos verloren. Die politische Diskussion geht eben völlig am Thema vorbei.

Politiker

sind wirklich schauderhaft ahnungslos. Bierzeltpolitik ist das.

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Re: Politiker

Diese Wünsche stammen nicht aus der Politik.

 
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