Spar: Der geheimnisvolle Handelskonzern

03.05.2013 | 18:15 |  Von Hanna Kordik (Die Presse)

In wenigen Tagen startet ein Prozess gegen den Handelskonzern Spar - weil er seine Konzernbilanzen nicht veröffentlicht. Gibt's da etwas zu verstecken?

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Konkurrenz ist oft nicht willkommen. Christian Guzy und Martin Klein wird das durchaus klar gewesen sein, als sie im Jahre 2003 Österreichs zweitgrößtes Shoppingcenter auf die grüne Wiese bauten. Die Shoppingcity Seiersberg ist auch wirklich ein Prachtstück geworden, zumal verkehrsgünstig optimal gelegen: im Großraum Graz, quasi an der Schnittstelle von Südautobahn und Pyhrnautobahn. Ein Selbstläufer, wie man so schön sagt. Aber das freut halt nicht jeden.

Jedenfalls hat sich die Shoppingcity in den zehn Jahren ihres Bestehens mit einer ganzen Reihe von Klagen herumschlagen müssen. Mal ging es um angeblich verletzte Raumordnungsbestimmungen, mal um die Parkplätze, mal um die Nutzung einer Rampe.

Wer wehrt sich da so massiv gegen Seiersberg? Einige der Klagen wurden vom Konkurrenten Citypark eingebracht. Für andere Klagen zeichneten wiederum diverse Vereine und Aktionsgemeinschaften verantwortlich. Wer hinter diesen steht, ist nicht klar. Aber es gibt da so Vermutungen.

Tatsache ist, dass die Stimmung zwischen der Shoppingcity Seiersberg und dem Handelskonzern Spar von Anfang an einigermaßen frostig war. Das liegt vermutlich daran, dass es in dem Einkaufszentrum keinen „Spar“, sondern einen „Merkur“ gibt. Ob das der Grund für die zahlreichen Klagen ist? Im Falle der geheimnisvollen Vereine und Aktionsgemeinschaften lässt sich das nicht klären. Doch bei den juristischen Feldzügen des Konkurrenten Citypark ist der Hintergrund eindeutig: Citypark gehört der Familie Poppmeier – und Fritz Poppmeier sitzt immerhin im Spar-Vorstand. Mehr noch: Seine Familie hält auch Anteile am Handelskonzern.

Halten wir also fest: Die Shoppingcity Seiersberg und der Spar-Konzern sind nicht die besten Freunde. Und daran werden die jüngsten Ereignisse eher wenig ändern.

Seiersberg hat nämlich vor Kurzem den Spieß umgedreht – und den Spar-Konzern geklagt. Der erste Termin vor dem Landesgericht Salzburg naht in Riesenschritten: Am 13. Mai ist es so weit.

Das wird spannend. Denn was dem Spar-Konzern vorgeworfen wird, geht weit über Streitfragen à la Parkplatz- oder Rampenbenützung hinaus. Vielmehr wird dem Lebensmittelhändler vorgeworfen, es mit der Veröffentlichungspflicht von Konzernbilanzen nicht sehr genau zu nehmen.

Dass Kapitalgesellschaften ihren Konzernabschluss beim Firmenbuchgericht einreichen und somit veröffentlichen müssen, ist im Unternehmensgesetzbuch (UGB) geregelt. In der Klage wird angeführt: Zwar sei etwa der Jahresabschluss der „Spar Österreichische Warenhandels-AG“ eingereicht worden – das ist jenes Unternehmen, das das traditionelle Handelsgeschäft in Österreich abwickelt. Nicht veröffentlicht werden allerdings die Bilanzen der Konzernmütter „Holdag Beteiligungsges.m.b.H“ sowie der „Spar Holding AG“. Der konsolidierte Konzernabschluss, in dem das Mutterunternehmen und alle Tochterunternehmen einbezogen sind, bleibt also ein Geheimnis.

Die Shoppingcity Seiersberg sieht darin einen Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb: „Die Beklagten tun dies, um ihre tatsächliche schlechte wirtschaftliche Lage sowohl ihren Kunden als auch ihren Lieferanten gegenüber zu verschleiern.“ Der Spar-Konzern könne damit still und heimlich Geld von einer Tochter zur anderen (etwa Einkaufszentrenbetreibern oder Liegenschaftsfirmen) transferieren. „Die Publizität dieses Umstandes soll verhindert werden.“

Der Vorwurf wiegt natürlich schwer – doch ist da etwas dran? Spar-Sprecherin Nicole Berkmann sagt dazu lediglich: „Spar hat im vergangenen Jahr das beste Ergebnis der Firmengeschichte geschrieben.“ Ansonsten wolle sie zum laufenden Verfahren nichts sagen.

Damit bleiben die Fragen der „Presse“ leider unbeantwortet. Zum Beispiel jene nach der veröffentlichten Bilanz der „Spar Österreichische Warenhandels AG“. Dort findet sich unter „Forderungen an verbundene Unternehmen“ ein recht hoher Betrag: 858 Millionen Euro waren es im Jahre 2011. Ein Jahr davor waren es sogar 934 Millionen Euro. Welche Unternehmen des Konzerns haben das Geld erhalten? Und wieso? Das bleibt unbeantwortet – und mangels veröffentlichtem Konzernabschluss ist das auch nicht zu eruieren.

Es ist jedenfalls jede Menge Geld. Zum Vergleich: Das Spar-Eigenkapital betrug im Jahre 2011 728 Millionen Euro.

vergrößern

Auch Anleger tappen Im Dunklen. Spar begibt regelmäßig Anleihen – im vergangenen Jahr wurden dem Vernehmen nach solcherart rund 200 Millionen Euro aufgenommen. Die Informationen vonseiten des Emittenten sind freilich recht dürftig, weil die Kapitalmarktprospekte nach dem sehr toleranten luxemburgischen Recht veröffentlicht werden.

Die Klagebeantwortung vonseiten des Spar-Konzerns liefert jedenfalls ebenfalls wenig befriedigende Antworten. Darin wird lediglich argumentiert, dass es zwischen der Shoppingcity Seiersberg und den Spar-Holdinggesellschaften kein Wettbewerbsverhältnis gebe. Die Klage wegen unlauteren Wettbewerbs gehe also ins Leere: Es sei „nicht zu sehen, auf welche Weise unser geschäftliches Handeln (...) den Absatz der klagenden Partei beeinträchtigen hätte können.“ Und zur Veröffentlichung des Konzernabschlusses sei man „im Übrigen gar nicht verpflichtet“.

Außerdem wird dem Kläger „schikanöse und rechtsmissbräuchliche Prozessführung“ vorgeworfen. Vor allem der Vorwurf, Spar versuche wirtschaftliche Probleme zu verschleiern, sei rufschädigend. Man behalte sich eine Klage deswegen vor.

Wofür freilich die Geschäftszahlen veröffentlicht werden müssten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

41 Kommentare
 
12

Die Preise und Qualität

sind in allen Supermärkten letztklassig!

Vorwiegend durch werbung überteuerter industrischrott von ein paar multis wird da verkauft

Rasierklingen 15-20 € !
tomatensosse mit Basilikum, Oliven 1.50-2.00€
div. joghurt mit fruchtimitaten
etc.
Etc.
statt basisprodukten wird mit chemie aufgepeppeltes junkfood zum doppelten dreifachen preis verkauft! und die haendler foerdern das auch noch!

in jedem tuerkenladen gbts brot, gemüse und oliven, etc. Wesentlich guenstiger als im billa oder spar!

echte Apothekerpreise und minderwertige qualität!

Direktvertrieb wird die zukunft sein, zusammen mit lagermöglichkeiten und sparsamen kühlschränken werden sich die multis und die finanz! schön anschaun.

Für mich persönlich ist REWE und Nestle um einiges geheimnisvoller.

Komisch dass solch pillepalle-Ereignisse wie der Pferdefleischskandal, dann einfach unterm Teppich verschwinden.

Der spar-kundenservice ist in wien - im gegensatz zu graz

im allgemeinen unter jeder kritik!

14

Blödsinn

Rewe will keine Konkurrenz und hat sich zum Monopolisten hochgekauft, weil unsere Wettbewerbsbehörde schläft.

Wieder eine Behörde die nur kostet und nichts bringt.

Re: Blödsinn

Zwillingsschwester der FMA.

Preise

an den Regalen und am Kassenzettel, immer regelmäßig überprüfen. Ist oft nicht identisch. System oder nicht.Zufall oder nicht.

Re: Preise

stimmt!
ist mir in Salzburg - Lehen auch schon passiert. Ist aber nicht die Regel.
Die Reaktion war dann aber typisch Salzburgisch. So beamtenmaessig!
Waere in Deutschland in einem aehnlich gelagerten Fall unvorstellbar.

Re: Re: Preise

Ich hab Ihnen ein gegeben... Verhalten wie dieses hat mich vor Jahren bewogen wegzugehen. Und ich hab's nie bereut.

Re: Re: Re: Preise

Dann haetten sie positiv klicken muessen!

Re: Re: Preise

Dieser Minus Klick!
Typisch Salzburg!

Da war irgendwer nicht dabei!
Kennt den Zusammenhang nicht!
Kann ihn nicht beurteilen!

Aber sofort negativ klicken!
Typisches Salzburger Beamtenweib! Natuerlich auch ein eventueller Beamtenmann!

artikel mit vagen vermutungen

Hier versucht man einen Konzern, der für viele tausende Arbeitsplätze in Österreich sorgt, zu misskreditieren.

Re: artikel mit vagen vermutungen

ja, wie der bayerische Wurstfabrikant, der sorgt auch für viele Arbeitsplätze, also lassen wir ihn in Ruhe.

LUXEMBURG, ist das nicht diese Steueroase in der Hand des ehemaligen Eurogruppenchefs?

Ja, wenn du die Firmengarage benutzt, musst du Steuern für den Sachbezug blechen. Aber für SPAR, da gelten andere Ungesetze.

Re: artikel mit vagen vermutungen

Bist du von der Wirtschaftskammer? Dein Gedanke weitergedacht heisst - wenn ein Unternehmen für viele Arbeitsplätze verantwortlich ist, dann sind alle Gesetze ausser Kraft gesetzt?

Nein, ich gebe Ihnen vollkommen recht;

natürlich muss gerade bei großen Konzernen geschaut werden, dass die Gesetze eingehalten werden. Aber dieser Artikel ist mir ein bisschen zu tendenziös, allein die Überschrift hat meines Erachtens wenig mit Qualitätsjournalismus zu tun. Nur meine Meinung. Lg

Re: Nein, ich gebe Ihnen vollkommen recht;

Ein Konzernabschluss enthält wesentliche Informationen für alle mit dem Konzern verbundene Personen (Anleger,Lieferanten, Gläubiger etc.). Es ist keine Kleinigkeit, diesen nicht zu veröffentlichen. Man fragt sich schon, was dieses Unternehmen zu verbergen hat. Ganz davon abgesehen, dass ein Konzern gesetzlich dazu verpflichtet ist, einen Konzernabschluss zu veröffentlichen. Daher ist es gerechtfertigt, kritisch gegenüber Spar zu sein.

Re: Re: Nein, ich gebe Ihnen vollkommen recht;

Nur Aktiengesellschaften müssen einen Konzernabschluss veröffentlichen, eine GmbH nicht (und die HOLDAG ist eine GmbH und KEINE AG)!

Schreiberlinge

Shoppingcity pisst Spar an - und die Presse dokumentiert das Geschäft. Pfui
Wollen halt wahrscheinlich wieder eine ganzseitige Anzeige haben

SPAR ist halt ein Vorzeigeunternehmen...

...da wollen sich viele daran reiben.

Weite Wege spärlich besetzte Kassen….

Im Wiener Donauzentrum hat er sich 2x eingenistet. Weite Wege spärlich besetzte Kassen. Der Stau ist vorprogrammiert. Die Kassiererinnen zur Hälfte relativ unfreundlich. Ich erinnere mich noch an die wunderbare DELIKATE. Ein Wirt und seine gschmackige Hausmannskost waren hervorragend frequentiert. Auch die sonst im Kreis angesiedelten Geschäfte waren meistens gut besucht. Diese Gastfreundliche Lieblichkeit wurde so mir dir nix geschliffen, um für einem neuen SPAR Platz zu machen. Der mich übrigens erst 1x anlockte. Die Kassendamen nicht die liebenswürdigsten. Die Waren teilweise zu bedrohlichen Sackgassen hochgestapelt. Mit der DELIKATA wurde ein Kundenfreundliches Biotop in seiner angenehm reduzierten Vielfalt (less is more/Weniger ist mehr) (…)- und gedankenlos ausgelöscht.

Re: Weite Wege spärlich besetzte Kassen….

Die Freundlichkeit der Kassiererinnen hat aber mit dem veröffentlichen einer Konzernbilanz wenig bis gar nichts zu tun.

Wenn ihnen das Ambiente/ Angebot/ was auch immer ned passt Könnens ja wo anders hingehen...

Als Unternehmer müssen sie aber mal davon ausgehen können das ihr gegenüber liquide ist und darum muss derjenige eine Unternehmensbilanz veröffentlichen.

Re: Re: Weite Wege spärlich besetzte Kassen….

Darauf muss ich Ihnen etwas burschikos antworten: Sie haben es scheinbar nicht geschnallt, ich kaufe bei der Konkurrenz ein.

diese konstruktionen

Dieses Holdinggeflecht dient nur dazum um millionen zu verstecken gauner nicht zu finden....niemand ist schuld wenns kracht oder wenn millionen fehlen...

derartige konstruktionen sollte man verbieten, dadurch gehen millionen an steuergelder verloren, die der allgemeinheit zugute kommen

sozial ist spar auf keinen fall

Re: diese konstruktionen

Warum muss ein Unternehmen "sozial" sein? Was verstehen Sie darunter? Ein Unternehmen hat das Recht Gewinne zu machen, und verdammt noch mal , es kann damit machen was es will! Die Millionen an Steuergeldern, die verloren gehen, die verpulvert der Staat schon selbst!

Re: diese konstruktionen

Eine Holding ansich ist ja nichts Schlechtes, die dient primär einfach nur dazu, Unternehmens- oder Gesellschaftsanteile in einer Hand zu bündeln.

Ginge das nicht, müsste man alles in einem einzigen Unternehmen drinnen haben, was für die interne Verwaltung und auch für die Rechnungslegung eine Erschwerung wäre. Ebenso kann man dann auch nicht mehr so einfach Unternehmensteile verkaufen, weil sie bspw. defizitär sind.

spar

erpresst politiker, ams wegen der vielen beschäftigten, ja teilzeitbeschäftigten... und zahlt wenig, kündigt schnell und die ak schaut weg...

Spar

Also jetzt beginnt der Kampf der Giganten,zuerst wurde der Kleinhandel umgebracht ,jetzt geht's ums eingemachte wer bleibt von den großen Lebensmittelkonzernen übrig? Ist es Spar,Hofer,Billa,

 
12
AnmeldenAnmelden