Niemetz hofft auf Hilfe aus Kolumbien

16.05.2013 | 18:15 |  EVA STEINDORFER (Die Presse)

Der Österreicher Robert Kern soll Investoren aus Südamerika an der Hand haben. Ob die Rettung des Schwedenbombenherstellers wirklich gelingt, zeigt sich am Dienstag.

Drucken Versenden
 
AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Er ist der große Unbekannte. Nach dem Ausstieg von Sanierer Erhard Grossnigg zauberte Niemetz am Donnerstag einen neuen Investor aus dem Hut. Nur wollten Eigentümerin Ursula Niemetz und Geschäftsführer Steve Batchelor den versammelten Gläubigervertretern partout nicht verraten, wer dieser Investor sein soll, außer, dass es sich um einen Südamerikaner – mutmaßlich aus Kolumbien – handeln soll.

Mehr zum Thema:

Großes Rätselraten also bei den Gläubigerschützern, auch Masseverwalter Stephan Riel weiß nichts Genaues über den neuen Joker von Niemetz. Jedenfalls haben die Gläubiger am Dienstag die von Niemetz angebotene, außerordentlich hohe Quote von 95 Prozent akzeptiert. Demnach müssen vier Mio. Euro bis Dienstag, dem 21.Mai, auf dem Konto des Masseverwalters sein, sonst ist die Sache geplatzt und es wird verkauft.

Zweifacher Konkurs

„Die Presse“ erfuhr von einem Insider, wer der Kontaktmann für den ominösen neuen Investor ist. Einem Mail an die Niemetz-GmbH zufolge, das der „Presse“ vorliegt, handelt es sich dabei um Robert Kern, der unter den Firmennamen Kero Classic Columbia und Kero Classic Handels GmbH auftritt. Allerdings: Laut Firmenbuch gibt es die Kero Classic Handels GmbH nicht mehr.

Denn sie wurde liquidiert, und zwar nicht einmal, sondern gleich zweimal. Gegründet wurde die Firma mit dem Standort Mitterberghütten in Salzburg im Jahr 1992, liquidiert 1998. Nochmals tritt die Firma unter dem exakt gleichen Namen 2002 in Erscheinung. Endgültig gelöscht wurde sie aus dem Firmenbuch nach neuerlichem Konkurs am 10.Februar 2012. Ob Kern inzwischen jedoch in Südamerika Geldgeber aufgetrieben hat, ist nicht bekannt. Mit einer neuen Firma ist er hierzulande im Firmenbuch allerdings nicht registriert.

Die Finanzspritze aus Kolumbien soll jedenfalls, so versicherte das Niemetz-Management den versammelten Gläubigervertretern am Donnerstag, ausreichen, um die mit 95 Prozent hohen Forderungen der Gläubiger (Lieferanten, Dienstnehmer, deren Löhne noch nicht bezahlt wurden, Krankenkassen und das Finanzamt) zu bedienen. Die Gläubiger haben das Angebot akzeptiert. Dass aber auch diese an der Glaubwürdigkeit des neuen Investors zweifeln, zeigt sich daran, dass einen Tag nach Fristende, am 22.Mai, ein Gläubigerausschuss anberaumt wurde. Sollte die Sanierung platzen, soll dann möglichst zügig eine Entscheidung über den Verkauf von Niemetz gefällt werden.

Niemetz: Überlebenskampf der Schwedenbomben

Alle 12 Bilder der Galerie »

Interfood chancenreichster Bieter

Die Quote für die Gläubiger ist innerhalb kurzer Zeit von den anfänglich gebotenen 20 Prozent deutlich in die Höhe geschossen. Grund dafür ist, dass laufend neue, immer bessere Kaufangebote eintrudelten. Gläubigerschützer Gerhard Weinhofer von der Creditreform sieht unter den Bietern einen klaren Favoriten: die Interfood Lebensmittelgroßhandel GmbH mit Firmensitz in Hall in Tirol. Interfood soll 4,2 Mio. Euro geboten haben, was 96 Prozent der Verbindlichkeiten abdecken würde. Für diesen Bieter spricht, dass die Produktion in Österreich und damit die Arbeitsplätze aller Voraussicht nach gesichert wären.

Das ist beim zweiten aussichtsreichen Bieter, dem rumänischen Unternehmen Heidi Chocolate (das zum Imperium von Meinl gehört), nicht so sicher. Heidi Chocolate hat mit 4,3 Mio. Euro das derzeit beste Angebot auf den Tisch gelegt. Auch Manner hat ein verbindliches Angebot gemacht, zählt aber derzeit nicht zu den Favoriten. Das Angebot soll zu niedrig gewesen sein. Kommenden Dienstag wird sich spätestens zeigen, ob der „kolumbianische Deal“ für Niemetz hält und die 66 Arbeitsplätze des Unternehmens in Österreich erhalten bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2013)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

24 Kommentare
gs271
17.05.2013 14:39
1

96%

Bedeutet zwar komplette Enteignung der eigentümer (alles über 100% geht an Eigentümer), aber zumindest kann das Unternehmen so weiterleben...

sayswho
17.05.2013 13:49
3

Kolumbien? Schweden-Bomben mit dem weißen Pulverl gefüllt zum Export produzieren?


Aurel2
17.05.2013 10:51
1

Wie tief fallen die Schmarotzergenerationen

noch!

dudu1312
17.05.2013 08:26
4

Neue Füllung?

Ist das weiße Zeug jetzt drinnen oder oben drauf?

cybercondor
17.05.2013 04:23
7

Kolumbien ... Gibt es da dann auch "Schneebälle"?



Mariposa
17.05.2013 01:14
4

mich würde es nicht wundern....

wenn das eh ein Österreicher(ehemaliger?) ist, der sich aus besonderen Umständen heraus, entschlossen hat, nach Südamerika Wahlfahrten zu gehen!
PS: auf solche Gedanken kommt man nur, wenn sich die jetzigen Besitzer soooooo herumziehen und nicht sagen wollen(noch nicht?) um wen es sich handelt! Aber mich gehts eigentlich eh nix an....ich frage immer nur im Lebensmittelgeschäft, wenn ich vor dem LEEREN Schwedenbombenregal stehe, die Angestellten...HABEN SIE KEINE SCHWEDENBOMBEN MEHR, Nein sagens dann meistens, die sind momentan aus.....dann lache ich noch kurz die Dickmanns an und die Dickmanns lachen zurück und ich denken mir dann, du kannst lachen was du wilst, dich will ich nicht und kaufe mir dann zu Fleiss einen Apfel.......ja, so bin ich!

Antworten sigurd Eckbertstein
17.05.2013 10:43
0

Re: mich würde es nicht wundern....

jaja aber von Zuwanderern DEUTSCH verlangen :)

W A L L

Antworten Mariposa
17.05.2013 01:17
1

natürlich...

....Wallfahrten! Wahlfahrten war er/sie früher!

Hansi47au
17.05.2013 00:43
5

Hilfe aus Kolumbien

Das eroeffnet ja Perspektiven - mit gewissen weissen Pulver koennte man da ganz schoen Aufregung in die Schwedenbomben bringen....es wird ja wohl nicht ein Geldwaescherei sein, oder ? Kolumbien ist ja nicht gerade wegen seiner serioesen Investoren verschrien...

insigma
16.05.2013 22:33
10

das weisse zeug oben drauf

... und die kassa stimmt wieder ;-)

retired
16.05.2013 22:11
9

wieso ist der scheich al jaber nicht flüssig?


Antworten satyricon
17.05.2013 05:53
6

Re: wieso ist der scheich al jaber nicht flüssig?

er ist eher der rittersport typ, quadratisch praktisch

Wahnsinnigerv.Ölberg
16.05.2013 21:45
11

Pablo Escobar lebt...

...und verlegt die Schwedenbombenproduktion nach Kolumbien. Das Koks wird in die Bomben gefüllt und nach Europa exportiert.
Oder Al-Fonso Jaber-One, frischgebackener kolumbianischer Staatsbürger mit arabischen Wurzeln, vertragstreuer Geschäftsmann, schlägt zu.

tierischer durchfall
16.05.2013 20:28
12

ich erwarte ja noch ein Angebot vom Al Jaber

Und schlussendlich sind alle überrascht, dass kein Geld fließt.

cc912
16.05.2013 20:25
9

irgendwo müssen die ja auch ihre drogengelder investieren

wie ein mexikaner bei der telekom in österreich kein problem

El Barato
16.05.2013 20:10
8

Aus Kolumbien, soso

Somit ist zumindest die Sorte mit den weißen Streuseln gesichert. Schwedenbombe "Export"?

Freie-Meinung
16.05.2013 19:38
3

Auweia.

Hilfe aus Kolumbien? Dann könnten die "Schwedenbomben" bald eine ganz andere Wirkung entfalten.... ;-)

Antworten CalaTorta
16.05.2013 19:42
8

Re: Auweia.

der Streusel kann dann geschnupft werden

Antworten Antworten cybercondor
17.05.2013 04:28
1

Re: Re: Auweia.

Der H.C. hat schon die neuen "Streuselbomben" geordert.

Antworten Antworten Antworten der_Skeptiker
17.05.2013 18:16
1

Re: Re: Re: Auweia.

Eigentlich neigen doch wohl eher die Linken zu einer liberalen Drogenpolitik

Der Intellektuelle
16.05.2013 18:52
7

Bei 95 % Quote ...

... müsste Niemetz Produkte und Knowhow mit grandiosen Zukunftschancen haben. Das wird wohl eher nicht der Fall sein.

Kann mir daher nicht vorstellen, dass ein seriöser Investor zu solchen Konditionen einsteigt.

Antworten gs271
17.05.2013 14:52
0

% der Schulden als Bezahlung

ist für die Banken relevant, und für insolvenzverwalter aber als investor nicht.

Da denkst du einfach: wie viel steck ich hinein, wann wird das unternehmen wieder profit machen, und wieviel wird es dann wert sein?

Also

2011 gabs Umsatz von 7mEuro und 700.000 Euro Verlust.

Aus den Zahlen finde ich dann 4 Millionen schon optimistisch..

Das wäre ein kluger Preis, wenn das Unternehmen in den nächsten Jahren garantiert auf einen stabilen Gewinn von 400.000 kommt.. in einer Insolvenzsitation sollte der Preis eigentlich super billig sein, ansonsten lohnt es sich überhaupt nicht..

In Österreich ist das aber irgendwie nicht der Fall, auch bei Versteigerungen gibt es überhaupt keinen Risikoabschlag und am freien Markt bessere Gelegenheiten.

Eine 50-60% Quote ist schon eher angemessen, wieso sollte sich das wer antun in einer Welt mit Millionen Unternehmen und Gelegenheiten in die man investieren kann?

Reinhard FUCHS
16.05.2013 18:41
9

Versteh ich nicht. Gibt doch jede Menge pol. Schaumschläger in diesem Land für billige Füllungen !!


wmaurer
16.05.2013 18:33
5

Al Jaber läßt grüßen


und der Rest des Berichtes hat Copyright by Münchhausen.

Umfrage

  • Sind Sie für eine Obergrenze für Barzahlungen?
  • Ja, es verhindert Kriminalität
  • Nein, es ist eine Einschränkung meiner wirtschaftlichen Freiheit
  • Weiß nicht
AnmeldenAnmelden