Spanischer Mutterkonzern warnt vor Alpine-Konkurs

17.05.2013 | 15:19 |  Von Hanna Kordik (Die Presse)

Die österreichische Botschaft in Madrid berichtet nach Wien: Der spanische FCC-Konzern, Eigentümer des Bauunternehmens Alpine, schickt kein Geld mehr nach Österreich. Selbst wenn das den Konkurs bedeutet.

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Wien. Der Baukonzern Alpine wankt bedrohlich, berichtete die "Presse" am Donnerstag. Von Österreichs zweitgrößtem Baukonzern gab es dazu gestern prompt ein Dementi. Via Austria Presseagentur teile Alpine-Sprecher Johannes Gfrerer mit: "Die Restrukturierungsvereinbarung ist aufrecht und hat eine Laufzeit bis Ende 2015, deshalb ist die Diskussion jetzt nicht nachvollziehbar." Der spanische Mutterkonzern FCC habe sich bisher an alle Abmachungen gehalten und werde auch weiterhin dazu stehen. Es gebe keine anderen Signale.

Bis auf eines - und das in Form eines Aktenvermerks. Ein Aktenvermerk aus der österreichischen Botschaft in Madrid, adressiert an das Wiener Finanzministerium. Und das dreiseitige Schriftstück hat es in sich.
Darin wird von einem Gespräch berichtet, das am vergangenen Montag, dem 13. Mai, in Madrid stattfand. Zitat: "Am 13. Mai fand im Kabinett des spanischen Außenministeriums eine Besprechung statt, zu welcher der designierte spanische Botschafter in Österreich, Alberto Carnero (...) eingeladen hatte. Die sehr kurzfristig ausgesprochene Einladung war mit einem dringenden Gesprächsbedarf seitens der Firma FCC (...) begründet worden."

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FCC-Spitze vertreten

Gesprächsteilnehmer waren, so der Aktenvermerk, alle, die in der FCC Rang und Namen haben: Esther Koplowitz, Miteigentümerin des Konzerns, FCC-Präsident Fernando Moreno Garcia, dessen Vize sowie ein FCC-Jurist. Und was die zu berichten hatten, sind für die Alpine mit insgesamt 15.000 Mitarbeitern (7500 davon in Österreich) keine guten Nachrichten: "2013 musste festgestellt werden, dass bei der Alpine ein zusätzlicher (...) Bedarf an Zufuhr frischen Geldes besteht. Dieser wurde mit 46 Mio. im Monat Mai sowie mit 150 Mio. zusätzlich für das restliche Jahr 2013 beziffert. Insgesamt werden 300 Mio. benötigt, von denen 150 Mio. allerdings aus Immobilien- und anderen Verkäufen erlöst werden sollen".

Und dann erfolgt im Aktenvermerk der Knalleffekt: "FCC, die bereits mehr als 700 Mio. in die Alpine gesteckt und solcherart tausende österr. Arbeitsplätze gesichert und österr. Anleihegläubiger vor Verlusten bewahrt habe, sei nicht bereit bzw. auch nicht imstande, für diese weiteren 150 Mio. aufzukommen."

Vielmehr solle ein „neues Kreditvolumen in der angesprochenen Größenordnung mit einem mittelfristigen Zahlungsziel" eingeräumt werden. Zusätzlicher Hinweis im Aktenvermerk: Es sei damit zu rechnen, „dass die betroffenen österr. Banken im Zusammenhang mit dem Zustandekommen des neuen Kreditvolumens für die FCC neuerlich an das BMF herantreten werden." BMF - das ist das Bundesministerium für Finanzen. Und das „Herantreten" will heißen: Die Republik soll diesfalls weitere Haftungen übernehmen.

Weitere Haftungen?

Eine haarige Angelegenheit: Die Republik haftet bereits für 150 Mio. Euro. Weitere Haftungen sind also mehr als fraglich. Allerdings: Die FCC meint es offenbar ernst: "Unter den gegebenen Umständen könne sogar ein Konkurs der Alpine (...) nicht länger ausgeschlossen werden", zitiert der Aktenvermerk die Aussagen der FCC-Vertreter.

Dabei hatte die Zukunft der Alpine vor zweieinhalb Monaten noch relativ rosig ausgesehen. Wohl hatte der Konzern damals mit horrenden Zahlen geschockt: Zum Jahreswechsel war bekannt geworden, dass die Alpine massive Probleme mit dem Geschäft in Osteuropa hat. Für das Jahr 2012 hatte Alpine Verluste in Höhe von rund 300 Mio. Euro geschrieben, die Bankverbindlichkeiten betrugen etwa 650 Mio. Euro.

Doch nach mehrmaligen Krisensitzungen mit den Gläubigerbanken kam es Anfang März schließlich - quasi in letzter Minute - zu einer Einigung: Die Banken stimmten einem 30prozentigen Schuldenschnitt zu. Dafür erklärte sich der spanische Mutterkonzern bereit, 150 Mio. Euro an Eigenkapital zuzuschießen. Weitere rund 200 Mio. Euro sollten durch den Verkauf von drei Alpine-Tochtergesellschaften lukriert werden.

Doch bei Letzterem spießt es sich offenbar. Unter diesem enormen Zeitdruck ist es schwierig, Gesellschaften zu einem guten Preis zu verkaufen - zumal die von der FCC veranschlagten Verkaufserlöse generell sehr hoch angesetzt worden waren. Es gebe ein "Spannungsverhältnis zwischen Tempo und Wert", räumte gestern auch Alpine-Sprecher Gfrerer ein.

"Ernst der Lage unterstreichen"

Offenbar ist dadurch weiterer Geldbedarf gegeben - den die FCC nicht decken will beziehungsweise kann. Schlussfolgerung im Aktenvermerk der österreichischen Botschaft: „Die sehr hochrangige Präsenz der Firma FCC" bei dem am Montag stattgefundenen Gespräch in Madrid solle wohl "den Ernst der Lage unterstreichen."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2013)

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122 Kommentare
 
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Geld weg, Arbeitsplätze weg...

No bravo!

Man sollte sich mal ansehen, welche illustre Persönlichkeiten mit diesem Konzern zu tun hatten, lukrativ beraten und vermittelt hatten, und wie die Alpine just dort gelandet ist.....

Oder würde ein Journalist, der da stöbert, bald an der Ecke als Zeitungsverkäufer stöbern können?

0 0

bäm

und aus ist!

Steuergelder,

Steuergelder,Steuergelder.
Für uns bleibt nichts.
Toll was?

aha das lauft ueber die botschaften

und regierungen. ich dachte wir haben eine privatwirtschaft oder kommt man langsam drauf dass es ja nur staatsbetriebe und planwirtschaft gibt. das ist jetzt aber nicht der spanische konErn der ueber 5 ecken von der eu und dem esm ueber die banken gerettet wurde oder?

1 2

Der

Staat hat diesen Betrieb Steuergeld geliehen, wieder ein voiltreffer unserer Finanzministerin!

Re: Der

Und die Banken haben der Alpine bereits 150 Mio geschenkt, auch wieder Geld der Bürger bzw. Steuerzahler.

Alpine = Auffanglager für gestrandete Politiker aller Farben


Re: Alpine = Auffanglager für gestrandete Politiker aller Farben

die Bauindustrie, die dadurch Vorteile hat.

1 0

Zum Jahreswechsel war bekannt geworden, dass die Alpine massive Probleme mit dem Geschäft in Osteuropa hat.

seltsam, denn auch Banken haben die selben Probleme und lassen sich auch immer gern mittels Steuergelder helfen, obwohl dazwischen immer wieder von Gewinnen berichtet wird ???

Wahrscheinlich war die Osterweiterung und so auch das Engament im Osten doch nicht so super wie uns ja heute sogar die Politik noch erklärt ???

Ausserdem: wohin man an Österreich grossbaustellen sieht, liest man die Namen Porr, Strabag und man rate ..... ;-)
Zudem ersparen sich solche Konzerne ja bekanntlich dank Gruppenbesteuerung imens viel an Geld, also WOHIN versickert es ?!!!

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ach ja, die "Presse", Wirtschaftstexte lesen und verstehen

jetzt denken Sie nochmals nach und dann berichten Sie bitte ordentlich,Frau Kordik

Ins Ausland verscherbelt

So geht es nun einmal wenn man Firmen an das Ausland verscherbelt. Hat der Betrieb plus der Mutterkonzern Probleme, dann schlägt es 13.
Das Hemd ist näher als der Rock.

2 2

da springt doch sicher gerne der steurzahler ein

der haslauer verhandelt sicher schon der ist ja besonders großzügig mit unserem geld

3 1

Ferrero - Waldner

An sich stehe ich den schwarzen nahe, habe Ihnen auch immer geholfen
Aber diese Frau war das beste Argument, das für Heinz Fischer gesprochen hat.

Gusenbauer war wenigstens so intelligent, sich beraten zu lassen, um von dieser dubiosen Firma die Finger zu lassen.
Der Frau Ferrero war es natürlich wichtiger, die Frau Präsidentin zu sein, wenigstens eines Aufsichtsrates.....

Vielleicht hat ÖVP noch die paar 1000 Bögen Briefmarken aus dem Wahlkampf, mit dem Bild von Ferrero Waldner ...


Re: Ferrero - Waldner

Ganz so intelligent war Gusenbauer auch nicht. Er war, wenn auch für kurze Zeit, ebenfalls im Aufsichtsrat...

da komm ich nicht ganz mit

gut, der Staat wirtschaftet nicht ganz so wie von mir gewünscht ABER
die Privaten versenken 100te Millionen Euro, z.B Banken, Enron, Alpine, Schlecker, Niedermayer, Maculan, usw.

Wieso gibts dann immer wieder Kommentare welche die Privatwirtschaft in den Himmel loben ???

Re: Wieso gibts dann immer wieder Kommentare welche die Privatwirtschaft in den Himmel loben ???

Weil in einer echten(!) Privatwirtschaft, welche aber spätestens mit Eingriffen der Politik endet, nicht konkurrenzfähige Firmen "sofort" vom Markt verschwinden.

Denn staatliche Hilfen, auch wenn es nur Garantien für Kredite sind, ermöglichen es solchen Firmen zu Dumpingpreisen weiter am Markt zu agieren, und damit auch normale Firmen (ohne staatliche Unterstützung) in den Abgrund zu treiben.

D.h. die, sagen wir mal "gut gemeinte Hilfe" seitens des Staates, birgt das extrem hohe Risiko, den Schaden eher zu vergrößern, als tatsächlich hilfreich zu sein.

2 0

Re: Re: Wieso gibts dann immer wieder Kommentare welche die Privatwirtschaft in den Himmel loben ???

Das sind VIELE WORTE für: Die Staatstypen verhindern, dass die freie Marktwirtschaft funktioniert indem sie politisch-ideologisch dreinpfuschen.

Danach meckern sie süffisant über ein weiteres Beispiel, dass der freie Markt "eben nicht sozial" funktioniert. Diese Banditen haben erreicht, was sie beabsichtigt haben - parteiübergreifend.

die Republik ist eine

Schande warum haften wir jetzt schon wieder für spanische Konzerne
langsam wird's zeit für einen Aufstand

Re: die Republik ist eine

Unser Bundeskanzler strebt ja eine Vergemeinschaftung aller Schulden in der EU an...

Die Spanier haben ja so recht

Die Spanier schicken kein Geld mehr nach Österreich. Dafür schicken aber der Taxifahrer und der Spindelegger unser Geld nach Spanien. Damit die span. Banken weiterhin Kredite an span. Firmen geben können, mit denen diese dann österr. Firmen aufkaufen. Unsere Kredite an Spanien werden dann später abgeschrieben. Aus europ. Solidarität. Wir sollten unser Geld nehmen und es besser den dann arbeitslos gewordenen Arbeitern der Alpine geben. Nehmen wir zB € 150 Mio an. Da könnten wir jedem Arbeiter € 20.000,- geben. Und das Geld bliebe in Österreich.

Wo ist der Staatsanwalt?

Wie kann eine so große Firma in so kurzer Zeit so abhausen? Das kann ja nur durch Bilanzmanipulation und Betrug in der Vergangenheit geschehen sein.

Re: Wo ist der Staatsanwalt?

Dann wird es spannend. Die Rolle von Herrn Schiefer als Gorbach Mann im Asfinag Aufsichtsrat bei der Vergabe der A5 an die Alpine. Von ihm durchgedrückte Änderungen der Ausschreibung zu Gunsten eines Konsortiums. Die Wege der Millionen an Schiefers rechte Freunde nach der Vergabe an das Alpine Konsortium. Nicht zu vergessen die ÖVP Zuwendungen. Warum heißt der CEO der Alpine Arnold Schiefer( FPÖ/BZÖ) und die Präsidentin des Aufsichtsrates Ferrero-Waldner (ÖVP). Waren sie doch traut vereint in einer Regierung, welche die A5 als PPP Projekt erfunden hat, welches die Alpine "gewonnen" hat. Inkasso in Schwarz/Blau, wie auch bei anderen Projekten.

Re: Wo ist der Staatsanwalt?

Dann wird es spannend. Die Rolle von Herrn Schiefer als Gorbach Mann im Asfinag Aufsichtsrat bei der Vergabe der A5 an die Alpine. Von ihm durchgedrückte Änderungen der Ausschreibung zu Gunsten eines Konsortiums. Die Wege der Millionen an Schiefers rechte Freunde nach der Vergabe an das Alpine Konsortium. Nicht zu vergessen die ÖVP Zuwendungen. Warum heißt der CEO der Alpine Arnold Schiefer( FPÖ/BZÖ) und die Präsidentin des Aufsichtsrates Ferrero-Waldner (ÖVP). Waren sie doch traut vereint in einer Regierung, welche die A5 als PPP Projekt erfunden hat, welches die Alpine "gewonnen" hat. Inkasso in Schwarz/Blau, wie auch bei anderen Projekten.

14 0

wo ein Gusenbauer werkt...

bleibt kein Auge trocken.

Re: wo ein Gusenbauer werkt...

Sogar Leser von Österreich und heute wissen das Gusenbauer bei der Strabag werkt. Der hat nach der zweiten Aufsichtsratsitzung in der Alpine das Weite gesucht. Im Gegensatz zu den spanischen " Topmanagern" dürfte er Bilanzen lesen können.

3 0

Re: wo ein Gusenbauer werkt...

Gusenbauer war so intelligent zu gehen.

Ferrero-Waldner war so…

 
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