Spanischer Mutterkonzern warnt vor Alpine-Konkurs

Die österreichische Botschaft in Madrid berichtet nach Wien: Der spanische FCC-Konzern, Eigentümer des Bauunternehmens Alpine, schickt kein Geld mehr nach Österreich. Selbst wenn das den Konkurs bedeutet.

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Alpine – APA-FOTO: BARBARA GINDL

Wien. Der Baukonzern Alpine wankt bedrohlich, berichtete die "Presse" am Donnerstag. Von Österreichs zweitgrößtem Baukonzern gab es dazu gestern prompt ein Dementi. Via Austria Presseagentur teile Alpine-Sprecher Johannes Gfrerer mit: "Die Restrukturierungsvereinbarung ist aufrecht und hat eine Laufzeit bis Ende 2015, deshalb ist die Diskussion jetzt nicht nachvollziehbar." Der spanische Mutterkonzern FCC habe sich bisher an alle Abmachungen gehalten und werde auch weiterhin dazu stehen. Es gebe keine anderen Signale.

Bis auf eines - und das in Form eines Aktenvermerks. Ein Aktenvermerk aus der österreichischen Botschaft in Madrid, adressiert an das Wiener Finanzministerium. Und das dreiseitige Schriftstück hat es in sich.
Darin wird von einem Gespräch berichtet, das am vergangenen Montag, dem 13. Mai, in Madrid stattfand. Zitat: "Am 13. Mai fand im Kabinett des spanischen Außenministeriums eine Besprechung statt, zu welcher der designierte spanische Botschafter in Österreich, Alberto Carnero (...) eingeladen hatte. Die sehr kurzfristig ausgesprochene Einladung war mit einem dringenden Gesprächsbedarf seitens der Firma FCC (...) begründet worden."

FCC-Spitze vertreten

Gesprächsteilnehmer waren, so der Aktenvermerk, alle, die in der FCC Rang und Namen haben: Esther Koplowitz, Miteigentümerin des Konzerns, FCC-Präsident Fernando Moreno Garcia, dessen Vize sowie ein FCC-Jurist. Und was die zu berichten hatten, sind für die Alpine mit insgesamt 15.000 Mitarbeitern (7500 davon in Österreich) keine guten Nachrichten: "2013 musste festgestellt werden, dass bei der Alpine ein zusätzlicher (...) Bedarf an Zufuhr frischen Geldes besteht. Dieser wurde mit 46 Mio. im Monat Mai sowie mit 150 Mio. zusätzlich für das restliche Jahr 2013 beziffert. Insgesamt werden 300 Mio. benötigt, von denen 150 Mio. allerdings aus Immobilien- und anderen Verkäufen erlöst werden sollen".

Und dann erfolgt im Aktenvermerk der Knalleffekt: "FCC, die bereits mehr als 700 Mio. in die Alpine gesteckt und solcherart tausende österr. Arbeitsplätze gesichert und österr. Anleihegläubiger vor Verlusten bewahrt habe, sei nicht bereit bzw. auch nicht imstande, für diese weiteren 150 Mio. aufzukommen."

Vielmehr solle ein „neues Kreditvolumen in der angesprochenen Größenordnung mit einem mittelfristigen Zahlungsziel" eingeräumt werden. Zusätzlicher Hinweis im Aktenvermerk: Es sei damit zu rechnen, „dass die betroffenen österr. Banken im Zusammenhang mit dem Zustandekommen des neuen Kreditvolumens für die FCC neuerlich an das BMF herantreten werden." BMF - das ist das Bundesministerium für Finanzen. Und das „Herantreten" will heißen: Die Republik soll diesfalls weitere Haftungen übernehmen.

Weitere Haftungen?

Eine haarige Angelegenheit: Die Republik haftet bereits für 150 Mio. Euro. Weitere Haftungen sind also mehr als fraglich. Allerdings: Die FCC meint es offenbar ernst: "Unter den gegebenen Umständen könne sogar ein Konkurs der Alpine (...) nicht länger ausgeschlossen werden", zitiert der Aktenvermerk die Aussagen der FCC-Vertreter.

Dabei hatte die Zukunft der Alpine vor zweieinhalb Monaten noch relativ rosig ausgesehen. Wohl hatte der Konzern damals mit horrenden Zahlen geschockt: Zum Jahreswechsel war bekannt geworden, dass die Alpine massive Probleme mit dem Geschäft in Osteuropa hat. Für das Jahr 2012 hatte Alpine Verluste in Höhe von rund 300 Mio. Euro geschrieben, die Bankverbindlichkeiten betrugen etwa 650 Mio. Euro.

Doch nach mehrmaligen Krisensitzungen mit den Gläubigerbanken kam es Anfang März schließlich - quasi in letzter Minute - zu einer Einigung: Die Banken stimmten einem 30prozentigen Schuldenschnitt zu. Dafür erklärte sich der spanische Mutterkonzern bereit, 150 Mio. Euro an Eigenkapital zuzuschießen. Weitere rund 200 Mio. Euro sollten durch den Verkauf von drei Alpine-Tochtergesellschaften lukriert werden.

Doch bei Letzterem spießt es sich offenbar. Unter diesem enormen Zeitdruck ist es schwierig, Gesellschaften zu einem guten Preis zu verkaufen - zumal die von der FCC veranschlagten Verkaufserlöse generell sehr hoch angesetzt worden waren. Es gebe ein "Spannungsverhältnis zwischen Tempo und Wert", räumte gestern auch Alpine-Sprecher Gfrerer ein.

"Ernst der Lage unterstreichen"

Offenbar ist dadurch weiterer Geldbedarf gegeben - den die FCC nicht decken will beziehungsweise kann. Schlussfolgerung im Aktenvermerk der österreichischen Botschaft: „Die sehr hochrangige Präsenz der Firma FCC" bei dem am Montag stattgefundenen Gespräch in Madrid solle wohl "den Ernst der Lage unterstreichen."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2013)

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