Kampf gegen Autos wirkt: Verkehr in Wien sinkt ständig

17.05.2013 | 18:28 |   (Die Presse)

Die rot-grüne Stadtregierung geht immer stärker gegen Autofahrer vor. Die steigen nun vermehrt auf öffentliche Verkehrsmittel um.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien/Stu. Die rot-grüne Rathauskoalition will den Autoverkehr in der Bundeshauptstadt bis 2015 um ein Drittel reduzieren. Als Kampfmaßnahme dafür setzt die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou auf Restriktionen. Nicht nur die massive Ausweitung von Tempo-30-Zonen soll Autofahrer in Wien einbremsen, sondern vor allem die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in Kombination mit einer massiven Erhöhung der Parkgebühren. Beides wurde bereits durchgeführt, beides zeigt Wirkung.

Mehr zum Thema:

 

Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung

So zeigt der neueste Modal-Split (eine Untersuchung, auf welches Verkehrsmittel die Wiener im Alltag setzen), dass der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Wege in Wien mit 27 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht hat, während die Wiener Linien jedes Jahr neue Passagier-Rekordzahlen feiern. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden noch 37 Prozent der Wege per Auto in Wien zurückgelegt. Und: Hier ist noch nicht die jüngste, nochmalige Erweiterung der Parkpickerlzonen berücksichtigt. Diese Daten sollen im Juni vorliegen. Bereits jetzt steht aber fest: Die neuerliche Ausweitung der Parkpickerlzonen hat (nicht nur) den motorisierten Pendlerverkehr gebremst (rund 70 Prozent kommen per Auto nach Wien). Die ÖBB-Passagierzahlen rund um Wien sind seit der Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung um sieben Prozent gestiegen – es steigen immer mehr Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland um.

Das zeigen auch die Zählstellen der Asfinag rund um Wien. Der Verkehr auf den Autobahnen im Ballungsraum Wien ist in den ersten drei Monaten zurückgegangen. Auf der Westautobahn bei Pressbaum (eine typische Pendlerstrecke) gab es den stärksten Rückgang: Hier waren im ersten Quartal um 9,2 Prozent weniger Pkw unterwegs als im ersten Quartal des Vorjahres. Anders formuliert: Pendler wissen nicht mehr, wo sie ihr Auto in Wien abstellen sollen und steigen notgedrungen auf die Bahn um.

Gerd Sammer (Institut für Verkehrswesen an der Universität für Bodenkultur) hält fest: „Die Parkraumbewirtschaftung ist sicher die effizienteste Maßnahme, um den Autoverkehr zu reduzieren.“ Das zeigen die Verkehrsdaten seit dem Jahr 2000. Nicht nur hat das Auto bei den Alltagswegen deutlich an Bedeutung verloren, auch verzichten immer mehr Wiener auf einen eigenen Pkw. Seit 2009 ist die Pkw-Dichte von 390,8 Autos pro 1000 Einwohner auf 389,6 gesunken. Damit ist Wien das Bundesland mit dem geringsten Autoanteil pro Kopf, während die Stadt 1970 noch an der Spitze lag. Das bedeutet: Etwa jeder dritte Wiener besitzt ein Auto. Und der wohnt oft am Stadtrand.

Der Grund: Die Außenbezirke sind derzeit das Zentrum der Wiener Bautätigkeit. Hier entstehen tausende Wohnungen mit großzügigen Flächen zum Parken ohne gebührenpflichtige Kurzparkzonen. Dazu kommt, dass die öffentlichen Verkehrsmittel am Stadtrand meist nicht effizient ausgebaut sind – Stichwort: lange Intervalle, schlechte Verbindungen. Daher sind Wiener am Stadtrand wenig motiviert, das Auto stehen zu lassen bzw. sind sogar auf das Auto angewiesen. Vor allem wenn es zum Einkaufen in ein nahe gelegenes Shoppingcenter oder die Fahrt ins Grüne nach Niederösterreich geht. Oder darum, die Kinder in die Schule oder den Kindergarten zu bringen.

Die Probleme des öffentlichen Verkehrs am Stadtrand führen dazu, dass dort der Autoverkehr steigt. Allerdings: Die Rückgänge im verkehrstechnisch gut erschlossenen innerstädtischen Bereich kompensieren das, womit sich (statistisch gesehen) für ganz Wien ein Minus beim Verkehrsaufkommen ergibt. Und dieser Trend, so Sammer, werde sich in Zukunft fortsetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

62 Kommentare
 
12

Gut so!

Ich finde es prinzipiell sehr gut, was die Verkehrsstadträtin da zuwege gebracht hat. Allerdings gehört in den Außenbezirken noch viel in den öffentlichen Verkehr und in Radwege investiert.
Ein großes Problem ist allerdings die Stadtplanung. Noch immer werden reine Bettenburgen auf die grüne Wiese hinbetoniert. Monofunktionale Stadtränder produzieren aber leider besonders viel Verkehr.
Beim Thema Verkehr muss immer auch die Raumplanung mitgedacht werden!

Weiter so!

Zeugt von gutem Leadership, dass sich die Stadtregierung nicht von einer sehr lauten aber kleinen Minderheit, die von einer mächtigen Lobby unterstützt wird, vor sich her treiben lässt, sondern das Wohlergehen der Gesamtbevölkerung der Stadt im Auge hat. Weiter so!

Sehr gut

Wien geht den richtigen Weg. Die Stadt wächst (um 20.000 Einwohner pro Jahr), der Autoverkehr muss reduziert werden, damit Wien eine der lebenswertesten Städte der Welt bleibt. Gute Arbeit!

Lebensqualität

An alle, die wegen der Lebensqualität jammern:
http://medienportal.univie.ac.at/uniview/forschung/detailansicht/artikel/wie-gerne-leben-sie-in-wien/

Die Forschung spricht eine andere Sprache und ich persönlich finde die Lebensqualität in Wien auch sehr gut, besonders dank den sehr guten Öffis, dem geringen Verbrechen und der weniger werdenden Autobelastung.

Sozialisten & Grünfaschisten

Für die fortwährende Bevormundung der Bürger, Ablehnung der Demokratie, Durchsetzung von ideologischen Absurditäten durch einen kleine Minderheit gegen den Willen der überwigenden Mehrheit der Bevölkerung, Verschwendung von Steuermillionen um Fahrradwege in der eigenen Parteifarbe bepinseln zu lassen, beginnender Größenwahn mit Ausgrenzung Andersdenkende und permanentem Autohass wird es im Herbst die "gesunde Watschen" geben: SPÖ&GrünnInen abwählen. Freie Fahrt für freie Bürger!

Rechte & Autofanatiker

Nachdem nur ein Drittel der Wiener ein Auto besitzt und die Mehrheit der Wiener rot/grün gewählt hat fragt sich wer in der Minderheit ist.

Lebensqualität

An alle, die hier jammern wegen sinkender Lebensqualität:
http://medienportal.univie.ac.at/uniview/forschung/detailansicht/artikel/wie-gerne-leben-sie-in-wien/
Die Forschung sagt was anderes - ständiger Trend der Lebenqualität nach oben seit 1995.
Meine persönliche Lebensqualität als Bewohner der Innenstadt steigt im übrigen auch gewaltig, wenn der Autoverkehr wenige wird.

Ich weiß nicht, was es zu jammern gibt - Günstige Öffis (im Europäischen Vergleich unter den absolut günstigsten) mit relativ guter Taktung, kaum Verbrechen und jetzt auch noch bessere Luft dank weniger Autoverkehr.
Jammern auf extrem hohem Niveau, unterstelle ich hier mal.

Ich hoffe, SPÖ und Grüne schaffen im Herbst eine Mehrheit. Österreich kann in vielen Bereichen frischen Wind und Aufgeschlossenheit brauchen.

Re: Lebensqualität

Sie meinen sicher die grüne faschistische Aufgeschlossenheit die besagt. Wir denken für euch und wissen was für euch gut ist.Denn individuelles denken und handeln werden wir euch weiterhin aberziehen.

Kampf gegen Autos wirkt: Verkehr in Wien sinkt ständig

Ist das so schlecht?
Die Luft wird besser, der Lärm weniger.
Die Autofahrer werden zu Fußgehern, was ihrer Gesundheit nützt.
Alles in allem eine positive Entwicklung, wenn nur auch die Öffis mitziehen würden, was Frequenz, Komfort und Preissenkung betrifft!

10

Dank

an unsere lieben Grünen! Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich im September!

Re: Dank

Richtig, die Gelegenheit wieder Grün zu wählen und damit Österreich die Chance zu bieten, endlich ins 21. Jahrhundert vorzustoßen.

Re: Re: Dank

Was wollen Sie noch.
Wir sind doch schon im 21. Jahrhundert angekommen mit dem Islam,dem zu Fuß gehen, Pedalrittern wie 1960 in Peking und den Grünen.

Die Grünen

Ich hoffe die Partei bekommt bei der Na. Wahl unter 10% Stimmenanteil

Re: Die Grünen

Ich werde die Grünen wählen, damit dieser Weg fortgesetzt wird. Raus mit den Autos aus Wien!

SuperMarkt

Deshalb werden die Öffis immer teurer - weil die Nachfrage steigt!
-
Die Maßnahmen greifen: die Lebensqualität sinkt, bloß nicht die Gemeindeeinnahmen - Kontrolle, Kontrolle!

Bin ja neugierig, was der Wähler dazu sagt...

und weil..

die leute vermehrt auf öffis angewiesen sind, gibts als bonus keine erhöhung der taktung in den stosszeiten sowie täglich kollabierende ubahn-züge.

denn wie man das erhöhte fahrgastaufkommen bewältigt, soweit reicht das rotgrüne hirn dann nicht mehr.

Re: und weil..

Geduld. Neue U-Bahnzüge kauft man nicht auf die Schnelle im Supermarkt. Aber die kommen noch - und dann gibt es auch einen dichteren Takt.

Re: Re: und weil..

ja, so mach ich das in meinem betrieb auch immer: ich bewerbe ein produkt, und wenn dann nachfrage besteht, schau ich, wies funktioniert.

Re: Re: Re: und weil..

genauso wird's gemacht, willkommen im Zeitalter der Just-in-Time-Produktion. Wer produziert und lagert, bevor Nachfrage da ist, hat von Wirtschaft soviel Ahnung wie die Raiffeisen-ÖVP...

Re: Re: Re: Re: und weil..

Und wenns im Sommer doch noch heiss wird, dann gibts halt die erste Zeit zu wenig Trinkwasser.... weil muss man ja erst mal abwarten obs überhaupt heiss wird, bevor man die Behälter füllt!

Tolle Logik!

Maßeinheit von Verkehr?

"Anteil der zurückgelegten Wege" ist für manche Untersuchungen sicher eine gute Näherung, für die Schadstoffbelastung in der Stadt aber eher unbrauchbar.

Ob sich der Anteil auf die % der km oder % der Anzahl bezieht, kommt hier im Artikel ja gar nicht heraus.

Re: Maßeinheit von Verkehr?

Der Modal-Split bezieht sich auf die Wege, nicht auf die Kilometerleistung.

Deshalb wird er ja so gerne für manipulative Propaganda verwendet.

Re: Re: Maßeinheit von Verkehr?

Die Anzahl der Wege ist relevanter als die Kilometerleistung. Wenn ich Waschmittel brauche und 300 Meter zum Supermarkt gehe und es mir hole hatte ich Erfolg. Wenn ich mich ins Auto setzte und 5km zum großen Supermarkt fahre hab ich das selbe erreicht. Die zusätzlichen Kilometer bringen keinerlei Vorteil.

Kilometerleistung wird gerne von der Autolobby verwendet um zu manipulieren.

Der Traum von der Freiheit zerplatzt

Ja schön langsam kommt auch der dümmste Autler drauf wenigstens das Auto für die kurzen Wege stehen zu lassen. Ja das Autofreie Leben hat sehr viele Vorteile. Es schafft bei weitem mehr Arbeitsplätze als das Auto je schaffen wird können. Der Traum von der Freiheit im Auto wie es in der Werbung vorgespielt wird verschwindet bei immer mehr Menschen. Die max. Freiheit kann ich nur zu Fuß haben, oder auch noch mit dem Fahrrad. Auch würden wir uns derzeit jährlich über 500 Verkehrstote sparen und Tausende Verletzte. Oder auch Indirekt durch schwere Erkrankungen wie Feinstaub, Lärm, Bewegungsmangel,…….

18

In einer Diktatur ist vieles möglich

Sogar des Wieners einst liebstes Kind muss dem unerbittlichen Diktat von Rot-Grün weichen.
Irgendwann gibt es in Wien nur noch Gemeindekarossen und Millionärsvehikel zu bestaunen.
Wenigstens EIN Vorteil einer antidemokratischen Gesinnung.
So können, einst wie nach dem WWII, Radfahrer die Fahrbahnen frequentieren.

Re: In einer Diktatur ist vieles möglich

Und warum genau ist Wien eine Diktatur?

 
12

Umfrage

AnmeldenAnmelden