ÖBB: Essen auf Rädern per Handy

Do&Co testet ein neues Bestellsystem in den Zügen. Per Smartphone wird der Passagier Speisen und Menüs ordern und auch gleich bezahlen können.

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oeBB Essen Raedern Handy – (c) ÖBB

Wien/Eid. Eine um fünf auf 50 Cent steigende Dividende für das Geschäftsjahr 2012/13 (Ende März) und ein Aktienkurs, der sich seit Anfang des Vorjahres um 50 Prozent verbessert hat: Das in Wien und Istanbul börsenotierte Cateringunternehmen Do&Co, das im Airline- und Eventcatering tätig ist sowie Restaurants und Hotels betreibt, verwöhnt seine Kunden nicht nur mit exquisiten Speisen. Es liefert auch sehr gute Geschäftszahlen, die heuer – trotz des rauen Winds in der Luftfahrt – mit einer weiteren Umsatz- und Gewinnsteigerung noch übertroffen werden sollen.

Das einzige Sorgenkind von Do&Co-Chef Attila Dogudan ist das jüngste Standbein – das Catering in den ÖBB-Fernreisezügen. Weshalb Dogudan jetzt „nach einem Jahr, in dem wir zwei bis drei Mio. Euro verloren haben“, das System total umkrempelt. Um bei „Henry am Zug“, wie das Restaurantkonzept in der Bahn heißt, wirklich nur frische Produkte anbieten zu können, bedürfe es nämlich einer völlig anderen Infrastruktur und Logistik, sagte Dogudan am Dienstag.

Das fange bei den Speise- und Getränke-Trolleys an, die zu breit und schwer sind, um bei vollen Zügen schnell manövriert zu werden. „Wir haben aber auch viel zu wenig Öfen, um warme Speisen frisch zuzubereiten.“ Was Dogudan, der für seine knappe Kalkulation bekannt ist, aber am meisten Kopfzerbrechen macht: „Wir können, anders als im Flugzeug, nicht abschätzen, wie viel und was wir verkaufen. Das trifft vor allem auf die kleinen Gerichte auf dem Trolley zu, die nach einem Gang durch den Zug streng genommen nicht mehr frisch sind. Aus gesundheitsrechtlichen Gründen müssen wir nach jeder Zugfahrt alles übrig Gebliebene wegwerfen.“ Früher habe es diese Probleme nicht gegeben, da die ÖBB nur „langlebige“ Speisen angeboten hätten.

Die Zukunft heißt daher Essen auf Rädern per Handy, genauer gesagt per Smartphone: Jeder Sitz im Zug soll mit einem Barcode ausgestattet werden. Mit dem Handy bestellt man Speis und/oder Trank und bezahlt auch gleich nach der Lieferung. Das neue System, das jetzt in zwei Zügen getestet wird, bedürfe natürlich auch einer neuen EDV, weil der Zug ja mit dem Warenlager verbunden werden müsse.

Menü mit dem Ticket

Wenn der Test positiv verläuft, kann sich Dogudan auch vorstellen, dass Reisende – wie inzwischen bei der AUA und bei Niki – à la carte ganze Menüs vorbestellen, schon beim Kauf des Tickets bis knapp vor der Reise. „Das hat sich bei den Fluglinien bestens bewährt. Warum soll das nicht auch bei den ÖBB gehen?“, sagt der Do&Co-Chef. Das Potenzial sei jedenfalls enorm: Täglich sind 160 Fernreisezüge der ÖBB unterwegs.

Im Vorjahr haben die „rollenden Wirtshäuser“ zwar in der Sparte Restaurant/Lounges/Hotels an die 30 Mio. Euro Umsatzplus gebracht, aber auch rote Zahlen. Das soll sich bald ändern. „2014 dürfen wir dort kein Geld mehr verbrennen.“ Bis man auch auf den Zügen den „Louis Vuitton des Essens“ (Dogudan über Do&Co) genießen kann, wird es jedoch noch dauern.

Noch heuer will sich Do&Co für weitere Expansionsschritte einen dreistelligen Millionenbetrag über eine Anleihe holen. Denn ein Wachstum über die 600-Mio.-Euro-Marke sei aus eigener Kraft nicht zu schaffen.

Herausforderung Frankreich

Neben neuen Großkunden im Airline-Bereich wie British Airways und Etihad in New York sowie Egypt Air und China Southern in London, hat vor allem die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen Do&Co einen Schub gebracht. In Polen hat man Ende 2012 das Catering der nationalen Fluglinie LOT übernommen. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen 6200 Mitarbeiter, davon rund 1500 in Österreich.

Das nächste Großereignis liegt zwar noch in einiger Ferne, es ist aber für Dogudan eine besondere Herausforderung: die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich 2016. „Da geht's nicht nur um Qualität und Preis, da geht es schlicht darum, ob die Franzosen einen Ausländer kochen lassen.“ Immerhin: Do&Co war bei der Uefa für die letzten drei Wettbewerbe unter Vertrag, „was uns in eine gute Startposition bringt“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2013)

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