Wien. Österreichs neues Öko-Stromgesetz geht aus Sicht der Raiffeisen Leasing, des mit Abstand größten Financiers heimischer Ökostrom-Anlagen, in die falsche Richtung. Statt die Förderung auf neue Technologien zu fokussieren, würden die Stromkunden zur Subventionierung wenig sinnvoller Anlagen herangezogen.
Das gelte etwa für die Windkraft: "Österreich braucht keine weiteren Windräder", meint Peter Engert, Chef der Raiffeisen Leasing, im Gespräch mit der "Presse". Während die Befürworter der Windräder deren Beitrag zur Klimaverbesserung preisen, argumentiert Engert gegenteilig. Für jedes Windrad muss Erzeugungskapazität in kalorischen Kraftwerken in Reserve gehalten werden, um bei Windstille die Stromversorgung zu sichern. Das würde die kostspielige Energiequelle weiter verteuern und deren Ökobilanz trüben. Zudem ließen ungünstige Windverhältnisse hierzulande nur eine eingeschränkte Nutzung zu.
In die Kritik geraten ist die Förderung von Windrädern auch aus einem anderen Grund: Zahlreiche Betreiber stellen Investoren Renditen in Höhe von zehn Prozent des eingesetzten Kapitals in Aussicht. Weshalb sich der eine oder andere Stromkunde (=Subventi-onszahler) wohl fragen wird, warum er die Windkraftbetreiber bei derart hohen Renditeerwartungen 13 Jahre lang subventionieren muss. Heuer werden die Windradbetreiber 80 Mill. Euro an Förderungen erhalten. Die Windkraft erhält damit den größten Anteil aus dem mit 260 Mill. Euro gefüllten Subventionstopf für Ökoanlagen. Die Errichtung der Anlagen wurde zuvor aus dem Budget mit über 200 Mill. Euro unterstützt.
Mit wachsender Kritik müssen deutsche Windradbetreiber leben. Der "Spiegel" widmete vor kurzem seinen Cover dem Thema Windenergie. Das Fazit des Beitrags lässt sich unschwer aus dem Titel ablesen: "Der Windmühlen-Wahn - Vom Traum umweltfreundlicher Energien zur hoch subventionierten Landschaftszerstörung".
Statt die Windkraft zu forcieren, sollte Österreich aus der Sicht Engerts andere Technologien fördern. Etwa jene, mit deren Hilfe die Qualität von Biogas (entsteht etwa aus der Vergärung von Gülle oder Mais-Resten) erhöht wird. Gelänge es, Biogas zu reinigen, könnte es in Erdgaspipelines eingespeist werden und damit helfen, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, meint Engert.
Wenig überraschend macht sich die Raiffeisen-Tochter für kleinbäuerliche Strukturen stark. Engert sorgt sich, dass Betreiber kleiner Biomasseanlagen (=Bauern)
durch das neue Förderregime unter die Räder kommen. Ihnen drohe das Aus, sie müssten dann größeren, effizienteren Betreibern zuliefern. Wäre das nicht im Sinne der Stromverbraucher? "Schon. Aber das hieße auch, dass einige Groß-Produzenten mit einer enormen Preismacht übrig bleiben. Zu Lasten der Verbraucher."
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