WIEN (mk/ag.). Selbst die Getränke, die bisher im Ruf standen, ungesund zu sein, sollen künftig mehr auf der Gesundheitswelle mitschwimmen: So kommt laut Herald Tribune im Frühjahr „Diet Coke plus“ mit blauem Schraubverschluss auf den US-Markt. Das Getränk ist mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert. Auch Erzkonkurrent Pepsi lockt mit Vitaminen und bringt ab Herbst ein angeblich gesundes, prickelndes Getränk namens Tava auf den Markt. Mit dem neuen Image hoffen die großen Getränkehersteller wieder auf ein besseres Geschäft. Zudem macht sich der neue Coca-Cola-Chef Neville Isdell dafür stark, dass auch Light-Getränke zu den „gesunden“ Wellness-Produkten gezählt werden. Coca-Cola, das in Österreich mit Römerquelle bereits den Wasserbereich gut abdeckt, weitet auch das Sortiment an Softdrinks ohne Kalorien aus: Mezzo Mix, das Colamix-Getränk mit Orangengeschmack, soll demnächst als Zero-Produkt in den Handel eingeführt werden. Es wäre neben Coke Zero, Sprite Zero und Fanta Zero das vierte zuckerfreie Getränk von Coca-Cola.
„Das ist ein Marketing-Gag“
Tom Birko, Chef von Bevmark, einer US-Lebensmittel- und Getränke-Consultingfirma, kann den „gesunden Colas“ wenig abgewinnen: Das sei ein Marketing-Gag, sagt er. Aber Coca-Cola muss reagieren, denn sogar im Heimatland von Cola zeichnet sich ein Wertewandel ab: Süße Softdrinks sind nicht mehr ein Renner wie früher. Dafür fragen die US-Konsumenten verstärkt gespritzte Fruchtsäfte, Wasser, das mit Geschmack angereichert ist und grünen Tee nach.
Nachfrage in den USA geht zurück
In Nordamerika musste Coca-Cola laut letzten Zahlen einen Rückgang von zwei Prozent verbuchen. Die Nachfrage nach Produkten des US-Getränkeriesen, der 2006 mit Coca-Cola die wertvollste Marke der Welt besaß, stieg indessen vor allem in aufstrebenden Märkten wie China und Russland. Gegenwind gibt es aber auch in Lateinamerika: Bolivianische Koka-Bauern wollen es nicht länger hinnehmen, dass der US-Konzern mit dem Namen ihrer Pflanze weltweit Kasse macht. So forderte eine Kommission der Koka-Industrie des südamerikanischen Landes sogar die Verfassungskommission des Landes auf, im neuen Grundgesetz eine Kampfansage an Coca-Cola zu verankern.
Für heuer rechnet Coca-Cola mit einem Absatzwachstum von drei bis vier Prozent und einem Anstieg beim operativen Gewinn von sechs bis acht Prozent. Im Vergleich zu Pepsi ist das wenig, dort wird ein deutlich höherer Gewinnanstieg gemeldet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2007)

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