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„Nicht länger Miete zahlen“: US-Immobilien-Blase platzt

09.04.2007 | 18:10 |  Von unserem Korrespondenten LUZIAN CASPAR (Die Presse)

Zwei Mio. Familien drohen ihr auf Pump gekauftes Haus zu verlieren, weil sie den Kredit nicht zahlen können.

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Washington. Zuerst erwischte es ein, zwei Dutzend kleinere Hypothekenfirmen. Dann musste New Century, Branchenriese für Kredite an Hauskäufer mit schlechter Bonität, Insolvenz beantragen. Und nun hat die Immobiliengesellschaft American Home eine Gewinnwarnung abgegeben.

Der amerikanische Traum vom Eigenheim droht wie ein Kartenhaus einzustürzen. Zwei Mio. Familien drohen ihr Heim zu verlieren. Mit der Zwangsversteigerung endet nun oft, was mit einem billigen Kredit, ohne Anzahlung, ohne Besicherung, mit variablen Zinsen begann.

Vor Jahren war die Welt noch heil. Die Preise für Häuser stiegen und stiegen, und das Geschäft mit den billigen Hypotheken florierte. „Nicht länger Miete zahlen!“, warb etwa ein Inserat im „Tiempo Latino“, einer Washingtoner Zeitung für spanisch sprechende Einwanderer. Oder: „Schlechter Kredit, gar kein Kredit, bankrott oder im Rückstand mit deinen Zahlungen? Spielt keine Rolle!“ Denn: „Wir gewähren Hypotheken ohne Anzahlung, ohne Dokumentation und zu 100 Prozent.“


Gefahr durch steigende Zinsen

Diese und ähnliche Sprüche machten vor allem Bürger aus unteren Schichten, die oft nicht die Ausbildung haben, um solche Praktiken zu durchschauen, zu Hausbesitzern. So etwa Simeon Ferguson, ein 85-jähriger Rentner aus Brooklyn, der an Demenz leidet, wie die „New York Times“ berichtet. Er hatte keine Ahnung, was er unterschrieb – jetzt verliert er sein Haus.

Als die Immobilienpreise rapid fielen und gleichzeitig die Zinsen nach oben gingen, begann der Teufelskreis. Viele Hausbesitzer können ihre sogenannten „Subprime-Hypotheken“ nicht mehr bedienen, zumal auch die Sätze für Verzugszinsen stiegen. Viele Hausbesitzer gaben k.o. und überließen ihr Eigenheim dem Kreditgeber. Da das Haus aber oft weniger wert ist als die Schulden, kamen auch die Immobilienfirmen in Schieflage: ein Dominoeffekt.

Statt einmal pro Monat finden jetzt in vielen Kleinstädten jede Woche Versteigerungen statt. In Mississippi und Louisiana ist jeder zehnte Hausbesitzer mit seinen Zahlungen im Verzug. In Detroit, wo hunderttausende Automobil-Arbeiter ihre Stelle verloren haben, gehen die Häuser für wenige tausend Dollar weg – weniger, als ein Auto kostet.


Gespaltenes Amerika

Die „Washington Post“ sieht zwei verschiedene Nationen („A Tale of Two Americas“): Das reiche Amerika – namentlich die Wallstreet – profitiert, weil sie jetzt Hypotheken aufkauft, umstrukturiert und weiterverkauft. Hingegen wird das andere Amerika – Angehörige unterer Schichten und Bewohner vergessener Regionen – unter der Last zu teurer Hypotheken in den Ruin getrieben.

Und schon wittern einige Firmen und Anwaltskanzleien, die wenig Skrupel haben, ihr Geschäft: Sie bieten Dienstleistungen an, die überschuldete Häuser angeblich retten können. „Wir kaufen Ihr Haus, ganz gleich, in welchem Zustand es ist“, heißt es in einschlägigen Inseraten. Erst im Kleingedruckten steht, dass die Dienstleistung etwas kostet – eine Voraus-Gebühr von 1500Dollar etwa, die nicht rückerstattet wird.

Am meisten profitieren von den Zwangsversteigerungen nicht die Wallstreet-Banken, sondern kleinere Firmen. Eine Internet-Firma informiert über bevorstehende Versteigerungen und bietet Seminare, in denen Investoren lernen, wie sie von Zwangsversteigerungen profitieren können. Und die Spirale dreht sich wieder weiter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2007)

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6 Kommentare
Gast: ABK
10.04.2007 11:41
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Der demente 85 jährige

der sich durch einen Hauskauf verschuldet, ist ja auch bei uns der Regelfall! Vielleicht gerade für das liebe ewig studierende aber marxistisch profiliert und standardisiert quakende Enkerl! Was eine der österreichischen Staatsbanken dann aufführt um an den Zaster zu kommen (BASEL 2!) kann ich mir auch gut vorstellen. Aber die Gehirnwäsche durch die von eben diesen Banken bezahlte PRESSE gegen Fremdwährungskredite muss eben weiter gehen, bis zum Loblied auf die Kommunalkas in den kommunistischen Gesellschaften. Schließlich soll die z.B. die ERSTE ja den dreifachen Zinssatz lukrieren und da ist jedes Mittel recht. Nur dass der Staat selber Fremdwährungskredite aufnimmt um obigem Enkerl die "sozialen Errungenschaften" zu finanzieren wird schamhaft verschwiege!

Gast: AEIOU
09.04.2007 20:53
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Jede Woche ein Seifenblasenplatzer.

In den USA. Ist ja auch ein großes Land. Nur schön langsam gewinnt der "einfältige" Europäer den Eindruck, Potemkin ist ein Amerikaner.

Gast: pravda
09.04.2007 19:07
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Spekulationsopfer

Nachdem die US-Regierung glaubte, dass ihr rohstoffverschlingendes und massiv überschuldetes Land nur mehr durch imperialistische Eroberung der Ölregionen zu retten sei, wurde zur Kriegsfinanzierung die Banknotenpresse auf Höchstdrehzahl gebracht und gleichzeitig die Veröffentlichung der Geldmenge eingestellt. Diese inflationäre Papiergeldschwemme trieb Börsenkurse und Hauspreise in die Höhe. Viele Hausbesitzer spekulierten mit ihrem Haus als Einsatz und nahmen auf den gestiegenen Wert ihres Hauses Kredite auf um ihren Konsum zu finanzieren. Während Börsespekulanten durch rechtzeitigen Verkauf bei Höchstkursen fette Gewinne erzielten blieben die Hausbesitzer bei fallenden Hauspreisen auf ihren Häusern sitzen. Als dann die Kreditbeträge den gefallenen Hauswert überstiegen forderten die Kreditfirmen ihr Geld zurück. Dabei gingen viele Hausbesitzer und Kreditfirmen pleite.

Antworten Gast: AEIOU
09.04.2007 20:59
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Re: Spekulationsopfer

Eine ähnliche Entwicklung bahnt sich bei uns an. Der Eigenheim-Boom ist beinahe schon unheimlich. Viele wollen ihre Kröten noch in Immobilien "anlegen". Anmäuerln wäre korrekter. Da wir aber jeden Monat mehrmals von unseren Kaffeesudlesern hören, daß wir die Reichen der Reichen sind, ist der Trend auch erklärbar. Und der Slogan, Anna, den Kredit hamma geht ja auch unter die Haut. Besonders unter die der Armen Haut.

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Re: Kreditdrückerei

es ist widerlich, wie die banken versuchen die etwas unbedarften zum schuldenmachen zu animieren. nur haben sie die profitable gewohnheit den regenschirm, wenn es zu regnen beginnt, plötzlich wieder zurückzufordern.
dv

Antworten Antworten Antworten heduda
10.04.2007 19:45
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das gilt aber auch

für viele unbedarfte staaten,österreich ist da nicht ausgenommen.und wer den regenschirm letzten endes in der hand hält ist nicht schwer zu erraten.

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