04.07.2009 06:33 | Meine Presse Merkliste0

In der Nische konkurrenzfähig

07.06.2007 | 18:26 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Textilien. Der Berufskleidungshersteller Ötscher behauptet sich im schwierigen Textilmarkt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Die heimischen Textilhersteller haben schon bessere Zeiten erlebt. Die Konkurrenz aus Fernost hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sich sogar die Reihen der ehemals zahlreichen Vorarlberger Textilproduzenten deutlich gelichtet haben. Dennoch ist auch heute noch die Produktion von Textilien in Österreich möglich. Allerdings müssen sich die Unternehmen die passende Nische suchen. So wie die Firma Ötscher, ein Produzent von Berufsbekleidung aus Amstetten.

„Wir produzieren pro Jahr rund 800.000 Kleidungsstücke. 150.000 davon an unserem Stammsitz in Amstetten“, sagt Dieter Götzl, der zusammen mit seinem Bruder das Unternehmen leitet. Etwa 50 Näherinnen sind in Österreich angestellt. Der Großteil der Produktion werde aus Kostengründen zwar in Osteuropa produziert. „Dort kostet eine Nähminute zwischen fünf und acht Cent, in Österreich kostet sie indes rund 50 Cent“, so Götzl. Trotzdem gäbe es auch Aufträge, die zu den heimischen Löhnen konkurrenzfähig durchgeführt werden könnten. Außerdem werde die gesamte Produktionsplanung noch in Österreich durchgeführt. Denn nur so erhalte man sich das Know-how, um die Lieferanten im Ausland zu kontrollieren.


Flexible Produktion in Österreich

„Der Trend zur Corporate Identity wird immer größer. Dadurch werden die Produktionsserien kleiner und die Ansprüche an die Qualität größer. Das ist der Grund, weshalb wir auch in Österreich noch konkurrenzfähig bleiben“, erklärt Götzl. Auch die Flexibilität spreche dafür, eine Kernproduktion in Österreich zu belassen. „Aus dem Werk in Amstetten können wir in drei bis vier Wochen liefern. Aus Osteuropa dauert es doppelt so lange. Bei einer Produktion in China oder Indien muss man mit vier Monaten rechnen.“ Einfache Kleidungsstücke wie T-Shirts werden daher im großen Ausmaß in Asien gekauft und dann in Europa weiterverarbeitet.

Etwa 14.000 Kunden hat das Unternehmen. Viele davon sind kleine Unternehmen, die nur wenige Kleidungsstücke im Jahr benötigen. Stolz ist man bei Ötscher aber auf den Großkunden VW. So beliefert das Unternehmen sämtliche VW- und Audi-Werkstätten weltweit mit der Bekleidung. „Zusammen mit der Marketing-Abteilung des Konzerns haben wir einen Katalog von rund 60 Artikeln zusammengestellt. Aus diesem können die einzelnen Betriebe bei uns bestellen“, sagt Götzl. Durch VW erzielt die Firma etwa zehn Prozent des jährlichen Umsatzes von 17 Mio. Euro.


Wenig Konkurrenz aus Fernost

Der Markt für Berufsbekleidung ist in Europa noch zu 70 Prozent in europäischer Hand. „Die Fernost-Produzenten haben die hohen Qualitätsanforderungen noch nicht erreicht“, so Götzl. Er erwartet, dass diese in Zukunft auch noch weiter steigen werden. Denn einerseits würde die Nachfrage nach „intelligenter“ Bekleidung mit integrierten Sensoren und speziellen Beschichtungen steigen. Andererseits gebe es strenge europäische Normen, die in vielen Bereichen beispielsweise aus Sicherheitsgründen erfüllt werden müssen.

BERUFSBEKLEIDUNG

17 Mio. Euro setzt der niederösterreichische Berufsbekleidungshersteller Ötscher jährlich um – allein zehn Prozent davon kommen vom Großkunden VW, dessen Werkstätten Ötscher beliefert. Erzeugt wird in Österreich und in Osteuropa.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2007)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Fall Madoff: Neue Spuren führen nach Wien
    Im „Fall Madoff“ gibt es schwere Vorwürfe gegen Sonja Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici. Dabei geht es um umstrittene Geldflüsse von rund 40 Mio. Dollar (28,4 Mio. Euro).
    Ohne Job: Generation Krise
    Der Einstieg ins Berufleben wird schwieriger. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt daher deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Firmen nehmen lieber freigesetzte Mitarbeiter als Neueinsteiger.
    Verteilungskonflikt: "Wir brauchen Aufstand der Jungen"
    Keine Pension, kein Job und keine Kinder. Droht ein Kampf der Generationen? „Die Verteilungskonflikte zwischen Alt und Jung werden zunehmen“, meint Experte Wolfgang Gründinger.
  • AUA: Streik liegt in der Luft
    Wegen des geplanten Stellenabbaus bei der AUA-Tochter könnte es zu Streiks kommen. Betriebsrat Junghans meint aber, dass man gegen die Kündigungen nicht viel tun könne. Sie sollen nur "sozial verträglich" sein.
    SPÖ: An der Peripherie der Macht
    Jetzt hat es die SPÖ quasi amtlich: Die Partei hat massiv an Macht und Einfluss in der Wirtschaft eingebüßt. In einem Ranking der hundert einflussreichsten Österreicher findet sich nur eine Handvoll SPÖler.
    Skylink: Rechnungshof macht Druck
    Die Oppositionsparteien fordern eine Untersuchung des Finanzdebakels. Derzeit kann der RH ein Unternehmen nur prüfen, wenn die öffentliche Hand mindestens 50 Prozent der Anteile hält.
  • Kroatien/Slowenien: Polemisch um Gäste buhlen
    Slowenien macht Kroatien die Urlauber aus Serbien abspenstig – mit einer Kampagne voller Spott und Ressentiments.
    Bau: Strabag: Zukunft ohne Cemex
    Kein Okay der Kartellhüter, Konzern zieht sich zurück. Cemex Austria und Cemex Hungaria betreiben zusammen 85 Betonmischanlagen und 38 Stein- und Kiesgruben.
    Bahn: Steuernachzahlung für ÖBB
    Die Mitarbeitertickets wurden nicht versteuert. Der heimische Fiskus verlangt nun eine Steuernachzahlung von rund 80 Mio. Euro für die letzten fünf Jahre.
  • Russland: Lenins Leuchte wird ausgedreht
    Auch Moskau verkündet ein Glühbirnenverbot. Medwedjew hat entschieden, dass ab 2011 herkömmliche Glühbirnen in Russland verboten werden.
    Telekom: Eine Milliarde fürs Glasfasernetz
    Konzern startet Pilotprojekte in Wien und Kärnten. Aktie reagiert mit Kursanstieg. Durch neue multimediale Anwendungen verdopple sich das Datenvolumen alle ein bis eineinhalb Jahre.
    Immofinanz: Staat muss Anleger entschädigen
    Eine sichere Anlage? Viele Pflegschaftsgerichte haben zugelassen, dass die Ersparnisse von Minderjährigen in Immofinanz-Aktien angelegt wurden.