Disco-Pleite: Anklage gegen Mirko Kovats

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Industriellen betrügerische Krida vor. Kovats weist die Beschuldigungen zurück, die A-Tec-Aktie stürzte ab.

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(c) APA (Barbara Gindl)

Wien (APA/dom/ps). Das hat es in der österreichischen Börsengeschichte noch nicht gegeben: Mirko Kovats, Gründer und Haupteigentümer des ATX-Unternehmens A-Tec, muss sich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm betrügerische Krida vor, und zwar im Zusammenhang mit der Diskothek „A2 Südpol“ in der Shopping City Süd (SCS).


Bis zu zehn Jahre Haft drohen

Laut Anklageschrift beläuft sich die Schadenssumme auf 232.189,71 Euro. Verhandelt wird am 17. und 19. September. Im Falle einer Verurteilung drohen Kovats bis zu zehn Jahre Haft.

Laut Staatsanwältin Gabriele Mucha haben Kovats und zwei Mitbeschuldigte – Franz Mock, der Kovats' Mitgesellschafter war, sowie der Geschäftsführer Wolfgang Gröger – (für alle drei gilt die Unschuldsvermutung) im Zusammenhang mit dem Konkurs der Diskothek Vermögenswerte einer Firma „herum geschummelt“ und diese dann vorsätzlich in den Konkurs geschickt.

Die E&I-Immobiliendevelopment GmbH, die Kovats und Mock gehörte, soll laut Anklage zwischen Oktober 1996 und 1997 bewusst auf die Geltendmachung von Mieten und Benutzungsentgelten gegen die A2 Südpol Discothekenbetriebs GmbH verzichtet haben. Die Anklage fußt auf einer Anzeige der SCS, die ebenso wie die Erste Bank durch die Pleite im Jahr 2000 geschädigt worden ist.

Kovats wies im Gespräch mit der „Presse“ die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Seine Unschuld will er vor Gericht durch Gutachten eines renommierten Wirtschaftsprüfers beweisen. Es habe sich bei der Pleite der Diskothek um einen „normalen Konkurs“ gehandelt, von betrügerischer Krida könne keine Rede sein. „Das war kein Betrug, da niemand geschädigt worden ist“, so Kovats. „Was mir vorgeworfen wird, ist, ich hätte veranlassen sollen, dass die eine Gesellschaft der anderen eine Faktura über 231.000 Euro ausstellt.“ Die Miete sei aber aufgrund des schlechten Geschäftsgangs der Diskothek ohnehin nicht einbringlich gewesen.


Aktie reagierte heftig

Die A-Tec-Aktie, die heuer bisher eine der erfolgreichsten im Wiener Leitindex ATX war, reagierte heftig auf die Nachricht von der Anklage gegen Kovats. Sie stürzte im Lauf des Nachmittags um rund 12,5 Prozent ab.

Mit Imageproblemen hat Mirko Kovats (59) seit Jahren zu kämpfen. Immer wieder musste sich der studierte Handelswissenschaftler für sein überraschend schnell gewachsenes Vermögen rechtfertigen. Seine lapidare Antwort, „lernen Sie Bilanzen lesen“, befriedigt noch immer nicht alle Kritiker. Doch Fakt ist, dass Kovats mit der Sanierung des insolventen Werkzeugmaschinenenbauers Emco eine Glanzleistung gelang. Rund um Emco hat Kovats inzwischen mit der A-Tec-Gruppe ein beachtliches Industriekonglomerat geschmiedet, das heuer mehr als zwei Mrd. Euro umsetzen wird.

Von Kovats' Pleiten mit der Wiener Zahnradfabrik und der Wiener Brückenbau wissen nur Eingeweihte. Über Misserfolge spricht Kovats freilich nicht so gerne. Ebenso ungern lässt er sich als Osthändler bezeichnen, obwohl Kovats mit dem Verkauf von Werkzeugmaschinen nach Osteuropa sehr erfolgreich war.

Die Anerkennung als Industrieller, um die Kovats lange gerungen hat, wurde ihm vor zwei Jahren gleichsam offiziell zuteil, als er in den Vorstand der Industriellenvereinigung gewählt wurde.

SCHWERER VORWURF

Betrügerische Krida im Zusammenhang mit einer Diskotheken-Pleite wirft die Anklage dem Industriellen vor.

Kovats hat mit der inzwischen börsenotierten A-Tec ein schnell wachsendes Industriekonglomerat geschmiedet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2007)

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