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Die 50 ärmsten Länder fallen weiter zurück

19.07.2007 | 18:15 |  ANDREAS ZUMACH UND MARTIN KUGLER (Die Presse)

Entwicklung. Technologischer Stillstand ist einer der Hauptgründe für die Armut.

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GENF/WIEN. Die 50 ärmsten, weil am wenigsten entwickelten Länder der Erde fallen wegen technologischen Stillstands, mangelnden Wissens und Innovationskraft sowie wegen der Abwanderung besser ausgebildeter Arbeitskräfte immer weiter hinter die übrigen 150 Staaten der Welt zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (Unctad) in ihrem am Donnerstagabend veröffentlichten Jahresbericht 2007.


Zu wenig Forschung

Die Gründe für die Misere sind mannigfaltig. Die armen Staaten schaffen es nicht, die Möglichkeiten, die sich ihnen etwa durch die weltweite Liberalisierung bieten, zu nützen. Trotz steigender Auslandsinvestitionen – und damit dem Import von Technologie – kommen sie nicht vom untern Ende der Wertschöpfungskette weg. Unter anderem deshalb, weil ihre Wirtschaftspolitik zu wenig auf Innovationen ausgerichtet ist. Als Beispiel führen die Unctad-Experten die Agrar-Forschung an. Trotz der immensen Bedeutung der Landwirtschaft – in der die Mehrheit der Bevölkerung arbeitet – fließt immer weniger Geld in die Forschung. Wo doch mehr geforscht wird, gibt es hingegen riesige Fortschritte: In Bangladesch wurde der Reis-Ertrag durch neue Sorten seit 1970 verdoppelt – mit den alten Sorten wäre nur eine Steigerung um zehn Prozent drinnen gewesen, schreibt die Unctad. Weiters haben die Unternehmen zu geringe Kapazitäten, um neues Wissen übernehmen und anwenden zu können – was unmittelbar mit den oft mangelhaften Ausbildungssystemen zu tun hat.

Hinter vielen dieser Probleme sieht die Unctad auch ein Versagen der Weltpolitik: konkret von Industriestaaten, Weltbank, Internationalem Währungsfonds und Welthandelsorganisation. Deren seit Jahren vorgetragene These, die ärmsten Länder könnten eine Verbesserung ihrer Lage in erster Linie durch die Öffnung ihrer Märkte erreichen, habe sich als falsch erwiesen, heißt es in dem Bericht.


Kritik an Weltpolitik

Selbst in den Ländern, die diese Rezepte befolgt hätten, hätten ausländische Unternehmen und Investoren zwar gute Gewinne gemacht und – zumindest vorübergehend – Arbeitsplätze geschaffen. Sie hätten aber kaum zu einer eigenständigen Entwicklung des Landes beigetragen. Die ausländischen Konzerne tendierten dazu, in „Enklaven“ abgeschieden von der Umgebung zu agieren.

Verschärft werde diese Situation noch durch die rigide Praxis, mit der Unternehmen und Regierungen aus den Industriestaaten ihre Patente vor potenzieller Konkurrenz aus dem Süden schützen, kritisiert die Unctad. Unter den Firmen in den armen Staaten könnten höchstens große Konzerne die Vorteile von Patenten nutzen.

Statt des erhofften Wissenstransfers in die 50 ärmsten Länder beobachtet die UN-Organisation einen besorgniserregenden „Brain Drain“ in die umgekehrte Richtung. Im Jahre 2004 hatten in den 50 ärmsten Staaten der Erde insgesamt lediglich 6,6 Millionen Menschen ein Universitätsstudium oder eine vergleichbare Ausbildung abgeschlossen. Davon sind inzwischen über eine Million – rund 15 Prozent – in die Industriestaaten abgewandert.

SCHLECHTE Aussichten

Die ärmsten 50 Staaten kommen in der Entwicklung nicht voran – unter anderem deshalb, weil der Wissens- und Techno-logietransfer nicht funktioniert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2007)

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1 Kommentare
arno-graz
20.07.2007 14:29

Die globalisierte Konkurrenzwirtschaft

kennt nur wenige Gewinnende. Einem Sturm gleich beginnt sie mehr und mehr zu toben wie ein wildes, unzähmbares Tier. Aus dem "Naturgesetz der Auslese" (vgl. Hayek) hervorgegangen wird die Zeit für ein erfolgreiches Gegensteuern immer knapper. Diesbezüglich ist die Zivilgesellschaft gefordert, denn: "Deshalb sollte sich die bürgerliche Welt besinnen und ihren Drang nach Profit als Gefahr erkennen, die den latenten Haß jener Menschen, die von der Erfahrung der Nicht-Liebe geprägt sind, wecken könnte. Aber das ist schwierig, denn jene, die sich im Wettbewerb am erfolgreichsten beteiligen, sind häufig gerade die, die am meisten von sich selbst und ihren Mitmenschen entfremdet sind." (Zitat: Arno Gruen, Der Verlust des Mitgefühls, München: dtv, 4. Aufl., Januar 2001, S 177)

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