Wien (pic).Das Rote Kreuz ist ein Symbol für humanitäre Hilfe. In den USA ist es neuerdings Gegenstand eines Rechtsstreits. Der amerikanische Konsumgüterriese Johnson & Johnson, der in Österreich Marken wie Bebe und O.B. führt, verklagt das „American Red Cross“. Johnson & Johnson führt ein rotes Kreuz als Markenzeichen für medizinische Produkte. Seit mehr als 100 Jahren haben sich beide Institutionen das Zeichen freundschaftlich geteilt.
Bis das Rote Kreuz im Jahr 2004 anfing, das Symbol an Lizenznehmer zu „verpachten“. Diese Geschäftspartner druckten es auf Nagelzwicker, Untersuchungshandschuhe und Zahnbürsten. Produkte, die in den Supermarkt-Regalen in direkter Konkurrenz zu Johnson & Johnson stehen. Das will sich der Konsumgüterhersteller nicht länger gefallen lassen – und hat den Fall vor ein Bundesgericht in Manhattan gebracht.
„Dass ein Milliarden-Konzern aus Profitgier behauptet, das Rote Kreuz hätte eine strafbare Handlung begangen, finde ich unverschämt“, donnert Mark Everson, Präsident des Amerikanischen Roten Kreuzes gegenüber US-Medien.
Zwar würden Lizenznehmer im Namen seiner Organisation Produkte mit dem Logo verkaufen. Allerdings für einen guten Zweck: Das Rote Kreuz erhalte Umsatzanteile, die sich auf zehn Mio. Dollar (7,26 Mio. Euro) belaufen, sagt er zur „New York Times“.
Bei Johnson & Johnson, einem Konzern mit 53 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr 2006, interpretiert man diesen „guten Zweck“ anders: „Das Rote Kreuz weicht von den Regeln einer langjährigen Partnerschaft ab, indem nun die Marke kommerziell vermarktet wird“, sagt ein Sprecher. Zudem habe Johnson & Johnson die Marke bereits geführt, als das Amerikanische Rote Kreuz noch nicht urkundlich begründet war.
Was auch in der Anklagsschrift vermerkt wurde. Johnson & Johnson druckte das Symbol 1887 erstmals auf Erste-Hilfe-Pakete. Acht Jahre später verständigte sich der Konzern mit dem Roten Kreuz darauf, das Zeichen als exklusive Schutzmarke für „chemische, chirurgische und pharmazeutische Produkte“ zu führen. Damals war das Symbol für der Organisation, die Henry Dunant 1863 gründete, noch nicht geschützt. Erst 1900 entschied der US-Kongress, dass das Rote Kreuz das Zeichen in Verbindung mit seinen humanitären Bemühungen benutzen darf – „Geschäfte zu betreiben war nicht vorgesehen“, so die Ankläger. In Österreich wäre das unter Auflagen sehr wohl möglich. Eine Firma alleine darf das Logo jedoch nicht nutzen.
Verklagen und trotzdem spenden
Johnson & Johnson fordert nun Schadenersatz, und dass die betreffenden Produkte vernichtet würden. Skurriles Detail am Rande: Der Konzern hat dem Roten Kreuz in den vergangen drei Jahren fünf Mio. Dollar gespendet.
Und möchte das auch weiterhin tun. „Wir haben höchste Achtung vor dem Amerikanischen Roten Kreuz und seiner Mission“, heißt es von Johnson & Johnson. „Es tut uns leid, dass wir diesen Fall vor Gericht bringen müssen.“ Gespräche im Vorfeld waren gescheitert.
Seit 100 Jahren teilen sie sich das rote Kreuz als Symbol. Nun verklagt der US-Konzern Johnson & Johnson die Hilfsorganisation Rotes Kreuz. Sie hat das Zeichen über Erste-Hilfe-Produkte vermarkten lassen. Produkte, die der Firma im Supermarkt-Regal Konkurrenz machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2007)
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