wien (eid).Die wirkliche Überraschung wäre die Ablöse von AUA-Chef Alfred Ötsch gewesen. Der Boss der Fluglinie, der in den vergangenen Tagen wegen des Wirbels im Zuge des vorzeitigen und keineswegs freiwilligen Ausscheidens von Vertriebsvorstand Josef Burger unter Druck geraten ist, bleibt der AUA aber genauso erhalten wie Finanzvorstand Thomas Kleibl.
Allerdings soll AUA-Präsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis bei der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Freitag klar gemacht haben, dass er solche Querelen in der Führungscrew für entbehrlich halte, wie die „Presse“ aus Konzernkreisen erfuhr.
„Es gibt unterschiedliche Charaktere.“
AUA-Boss Alfred Ötsch in Richtung seines Vorstandskollegen Josef Burger.
Offiziell hörte sich Michaelis nach der Sitzung weniger harsch an: „Ich war nie verunsichert, was die Führungsspitze der AUA betrifft. Die AUA ist gut unterwegs, Ötsch und Kleibl managen sie gut.“ Als sichtbares Zeichen für die Beruhigung nannte Michaelis den Kurssprung der Aktie um drei Prozent. Seit Anfang August hat das Papier 14 Prozent verloren. Den Kurssturz hat Ötsch genutzt, um 10.000 AUA-Aktien zu kaufen. Der Wert des Investments, das auch ein Treuesignal sein soll, liegt bei rund 80.000 Euro.
Burger hat indessen den Aufsichtsrat informiert, dass er wegen „unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede über die Form der Zusammenarbeit im Vorstand“ seine Tätigkeit beenden möchte. Er geht Ende September, sein Vertrag wäre bis Ende 2009 gelaufen. „Wir haben eine äußerst faire Lösung für jemanden gefunden, der 25 Dienstjahre hat“, meinte Michaelis dazu.
Mehr als eine Million
Insider schätzen, dass Burgers Abgang die AUA mindestens eine Mio. Euro kostet. Laut Geschäftsbericht hat Burger 2006 ein Gehalt von 440.000 Euro bezogen. Zu den „unüberbrückbaren Auffassungsunterschieden“ wollten weder Michaelis noch Ötsch Details nennen. „Es gibt unterschiedliche Charaktere“, sagte Ötsch.
Michaelis meinte, die Trennung von Burger sei „im Interesse der vernünftigen Weiterführung des Unternehmens die richtige Entscheidung“. Hätte Michaelis angesichts der offenbar unüberbrückbaren Differenzen denn eine Blockade der AUA befürchtet? Auf diese Frage blieb der AUA-Präsident eine Antwort schuldig.
Gerüchte, wonach Burger bespitzelt worden sei, um ihm Verfehlungen wie die Weitergabe von Untgernehmensgeheimnissen nachzuweisen, wurden von Michaelis und Ötsch vehement dementiert. Aber: „Wir haben über eine Verbesserung beim Umgang mit vertraulichen Unterlagen gesprochen“, erklärte Michaelis. In der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende September soll ein Sicherheitskonzept präsentiert werden.
Neue Führungsstruktur
In dieser Sitzung soll das schwedisch-dänische Beratungsunternehmen Directure, das nun bestellt wird, ein Konzept für eine neue Führungsstruktur vorlegen. Parallel dazu wird der Headhunter ausgesucht, der auf Basis des Directure-Vorschlags mit der Vorstandssuche beginnen soll. „Wir gehen davon aus, dass Ende Oktober die Neubesetzung erfolgt ist“, so Michaelis. Directure könnte auch zum Schluss kommen, dass zwei Vorstände reichen. Das sei aber eher theoretisch, so Michaelis.
Ötsch verteidigte die Einschaltung eines Beraters. „Das ist die Chance, sich von historischen Ressortaufteilungen zu trennen.“ Zumal „wir noch immer zu wenig nahe am Kunden und am Markt sind“. Als er, Ötsch, vor gut einem Jahr angetreten sei, habe er mit der Reorganisation begonnen: Netzmanagement und Vertrieb seien zusammengelegt, das Controlling neu aufgestellt, das Kundenservice verstärkt worden. Für heuer sei ohnehin eine Evaluierung geplant gewesen – „jetzt macht das der Berater“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2007)