22.11.2009 08:44 | Meine Presse Merkliste0

Finanzkrise: Auch Notenbanken spekulierten

20.08.2007 | 18:20 |   (Die Presse)

Selbst in den Währungsreserven der Notenbanken finden sich „Subprime“-Kredite.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien (ju.).Die von „faulen“ amerikanischen Hypothekarkrediten ausgelösten globalen Finanz-Turbulenzen ziehen noch weitere Kreise als bisher angenommen: Nicht nur Geschäftsbanken haben in großem Stil wackelnde „Mortgage Backed Securities“ (MBS, mit Hypothekarkrediten unterlegte Anleihen) in ihren Büchern. Auch die großen Notenbanken – einschließlich der Europäischen Zentralbank EZB – haben Milliarden in die immer wertloser werdenden US-Schrott-Anleihen gesteckt.

Und zwar schon seit einiger Zeit: Vor einem Jahr bereits hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer Studie festgestellt, dass die amerikanische Fed, die europäische EZB, aber auch die japanische und die chinesische Notenbank dazu übergehen, ihre Währungsreserven teilweise in „Asset Backed Securities“ umzuschichten. Ein Großteil dieser Papiere sei mit amerikanischen Hypothekardarlehen unterlegt. Der Grund: Die Papiere sind höher verzinst als Staatsanleihen.

Wie stark die Notenbanken im „Subprime“-Geschäft exponiert sind, ist deren Geheimnis: „Wir geben Portfolio-Zusammensetzungen nicht bekannt“, wurde der „Presse“ aus der Oesterreichischen Nationalbank beschieden.

Der Umfang ist aber beträchtlich: Die EZB verfügt über Netto-Devisenbestände von 35 Mrd Euro, davon werden rund 26 Mrd. Euro in Dollar-Wertpapieren gehalten. In dieser Position sind die „Mortgage-Backed Securities“ enthalten.

Das ist aber nicht alles: Geschäftsbanken müssen für Geld, das sie bei der Zentralbank ausborgen, Sicherheiten hinterlegen. Laut EZB-Bericht waren im Vorjahr immerhin 12 Prozent dieser Summe – das wären mehr als 100 Mrd. Euro – mit MBS besichert. Im Vorjahr hat die EZB freilich die Kriterien für „marktfähige“ MBS verschärft.

Sollten die teilweise „faul“ werden, würde das via sinkender Notenbank-Gewinne zuerst einmal die Finanzminister der Euro-Länder treffen: Notenbanken müssen einen Großteil ihrer Gewinne an die jeweiligen Säckelwarte abliefern.


Auch Geldmarktfonds betroffen

Nach den Börsen droht die „Subprime“-Krise nun auf ein weiteres Segment überzugreifen, in dem auch Privatanleger aktiv sind: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, haben amerikanische Geldmarktfonds zuletzt massiv in Obligationen investiert, die mit Hypothekarkrediten an schlechte Schuldner unterlegt waren. Insgesamt sollen amerikanische Geldmarktfonds aus Renditeüberlegungen sechs Mrd. Dollar in solche Fonds investiert haben. Das schaffe „erhebliche Risken“, ohne dass die Betroffenen etwas davon wüssten, sagen jetzt US-Finanzexperten. Denn Käufer von Geldmarktfonds würden „nicht in wildesten Träumen“ vermuten, dass ihre Fonds im hochriskanten Subprime-Markt spekulieren. Geldmarktfonds sind in den USA sehr beliebt, insgesamt gibt es dort mehr als 34 Mio. Geldmarktkonten.


Steigen die Euro-Zinsen?

In Europa ist unterdessen eine Diskussion um die Euro-Zinsen ausgebrochen. Nach der Zinssenkung in den USA gehen Experten nun davon aus, dass die EZB ihre anstehende Zinserhöhung zumindest verschieben. Die Deutsche Bundesbank hat jetzt aber gefordert, die Euro-Leitzinsen wie geplant im September zu erhöhen.

SCHROTT-ANLEIHEN als Währungsreserve

Die großen Notenbanken haben in den vergangenen Tagen Milliarden in den Markt gepumpt, um einen von der US-Hypothekarkrise ausgelösten weltweiten Finanzkollaps zu verhindern.

Subprime-Kredite haben die Währungshüter aber selbst in den Büchern: Aus Renditegründen halten alle großen Notenbanken einen Teil ihrer Dollar-Währungsreserven in mit US-Hypothekarkrediten unterlegten Anleihen.

Banken dürfen mit solchen Anleihen auch ihre Ausleihungen bei EZB und Fed besichern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2007)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

8 Kommentare
Gast: Alien4
22.08.2007 23:56
0 0

Gold gegen Schrott-Anleihen

Einerseits verkauft die EZB laufend Gold, da dieses keine Zinsen bringt. Auf der anderen Seite kauft die EZB damit MBS- und ABS-Schrott. Ein echt supa Deal !
Wer zieht diese Leute eigentlich zur Verantwortung ?

Peregrin
21.08.2007 11:54
0 0

fuer bloed verkaufen

Was soll das heissen, "trifft die Finanzminister"? Wieso denn, wird denen bei Unfaehigkeit neuerdings das Gehalt gekuerzt oder wandern sie gar in den Haefen? (Schoen waer's.)

Es trifft richtigerweise natuerlich den Steuerzahler, dessen Geld von den Wursteln verspekuliert wird.

C. P. U.
21.08.2007 09:37
0 0

Heutige Manager lieben Risikokosten, die nur hin und wieder sichtbar werden!

So sind eben heutzutage Manager. Um für ein paar Jahre gut dazustehen werden beispielsweise Lagerkosten (im obigen Beispiel Zinskosten) in Risikokosten umgewandelt. Das Risiko wird nur alle paar Jahre schlagend. Bis dahin hat das Management schon genug Prämie kassiert. Ob die Firma danach pleite geht ist diesem egal.

Um hier sauber zu bilanzieren müssten Risikokosten in der Bilanz dargestellt werden. Nur kennt niemand das Risiko oder Wahrscheinlichkeiten um objektive Ansätze zu haben.

Unverständlich ist, dass die EZB überhaupt derart unnötig viel im US-Dollar veranlagt. Allgemein muss Notenbankern klar sein, dass der Dollar jederzeit allein schon auf Grund des permanenten Aussenhandelsdefizits der USA zusammenbrechen kann. 2,50 $ für 1 € innerhalb von 10 Jahren ist durchaus realistisch.

Hält die EZB Dollar, dann schenkt sie die Inflation der Fed und somit ist eine Veranlagung im Dollar aus sicht der EZB grundsätzlich nicht gewinnerhöhend.

Iason
21.08.2007 19:57
0 0

Re: Heutige Manager lieben Risikokosten, die nur hin und wieder sichtbar werden!

Die USA druckt die Dollars, die Europäer liefern Waren für Dollars, die immer weniger Wert sind und kaufen dann mit den Devisen US Staatsanleihen, damit der Euro nicht zu stark aufwertet. Ist doch ein cleveres Spiel der Amerikaner. Sie haben die Weltleitwährung! Ich denke nicht, dass sich das so rasch ändern wird und der Dollar wird daher nicht so bald 'sterben'. Zumindest nicht die kommenden 1-2 Jahre. Das Handelsbilanzdefizit der Amerikaner ist daher kein großes Problem für den Dollar.

arno-graz
21.08.2007 09:51
0 0

Möglicherweise geht es dabei auch "nur" um Muskelspiele nach dem Motto:

Wer hat den längeren Atem?

Ich sehe hier ähnliche Spiel-Strategien wie bei Boeing-Airbus oder den gegenseitigen Protektionismus-Vorwürfen und -Attacken etc.

Unter¿m Strich steht die Botschaft: Wir können es uns leisten und legen insgesamt sogar noch ein Schäuferl nach durch die zeitliche Verzögerung reinigender Krisen.

miau
20.08.2007 21:20
0 0

Ende der Fahnenstange?

http://karikatur.augsten.at/#_0734b

Gast: Il Professore
20.08.2007 19:23
0 0

Ahnungslos

Schade, daß hierzulande offenbar nicht einmal Wirtschaftsjournalisten wissen, daß ein und dasselbe Finanzinstrument zu unterschiedlichen Zwecken gehalten werden kann. 5% MBS in einem Portfolio können sehr sinnvoll sein (Diversifikation), 90% sind definitiv Spekulation.

Die Überschrift "Auch Notenbanken spekulierten" ist damit eher des Boulevards würdig, weil erstens reißerisch und zweitens schlicht unzutreffend.

Antworten Gast: Student
20.08.2007 19:57
0 0

Re: Ahnungslos

...ganz abgesehen davon daß die EZB wohl europäische MBS als Sicherheit entgegennimmt...

Schlagzeilen Wirtschaft

  • Wirtschaftskrise: Opfer, entschädigt doch die Täter!
    Hochrangige Banker bauen bereits für die nächste Wirtschaftskrise vor. Die Steuerzahler sollten sich besser anschnallen. Sicher ist sicher. Josef Ackermann ist wohl etwas wie der Mann fürs Grobe in der sonst so zurückhaltend agierenden Bankenszene.
    Subventionswettlauf um Opel gestartet
    EU-Industriekommissar Günter Verheugen kritisiert scharf die Ersteigerung von Arbeitsplätzen. Welche Opel-Standorte werden in Europa überleben dürfen? Klar ist, dass etwa 10.000 Mitarbeiter werden gehen müssen.
    Fonds floppten, weil zu wenige Versicherte starben
    Fonds der Deutschen Bank investierten in Lebensversicherungen und warteten auf den Tod der ursprünglichen Versicherungsnehmer. Da zu wenige starben, blieben die Erlöse aus. Der Bank droht nun eine Klage.
  • Banker auf der Kanzel: "Wir leisten Gottes Arbeit"
    Mit Vorträgen versuchen britische Banker, das Image ihres Berufsstandes auf Vordermann zu bringen. Ort des Geschehens: englische Gotteshäuser. In der Londoner City feiert man die Rückkehr der Megabonuszahlungen
    Design-Dildo statt Kabinen-Porno
    Beate Uhse, Europas größter Erotikhändler, klagt über schlechte Geschäfte. Haben Sexshops ausgedient? Mitnichten. Zumindest, solange sie neue Kunden ansprechen. Der Konzern der verstorbenen Primadonna meldete sinkende Umsätze.
    Was wurde aus... dem Waldsterben?
    "Der Wald stirbt", wurde uns in den 1980er-Jahren erklärt. Mittlerweile gibt es in Österreich mehr Wald als je zuvor. Warum eigentlich? Haben die Warnungen die Bäume gerettet – oder hat man damals einfach nur heillos übertrieben?
  • Sinnfrei an der Börse
    Warum der Neueinstieg in Aktien derzeit keinen Sinn ergibt, K+S aber spekulativ trotzdem eine Überlegung wert wäre.
    Bayern fordern 500 Millionen Euro für die Hypo
    Die Spitze der Bayerischen Landesbank trifft sich demnächst mit Finanzminister Josef Pröll. Ob das Geld vom Bund oder von Kärnten kommt, ist den Deutschen egal.
    ÖBB: Lopatka ortet Wildwuchs freigestellter Betriebsräte
    Staatssekretär Reinhold Lopatka spricht von einer Selbstbedienungsmentalität der Eisenbahner. Durch die Aufsplitterung in zahlreiche Tochterfirmen gebe es zu viele dienstfreie Betriebsräte.
  • Bewerber-Bluttests bei Autobauer Daimler illegal
    Daimler darf von Stellenbewerbern keine Bluttests verlangen, meint der deutsche Bundes-Datenschutzbeauftragte. Denn sie würden Rückschlüsse auf Medikamente zulassen.
    Ein Unternehmen, in dem die Post abgeht
    Georg Pölzl ist erst seit wenigen Wochen neuer Post-Chef, hat aber schon wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen. Erstens: In Staatsbetrieben geht's recht behäbig zu. Zweitens: Intrigen feiern fröhliche Urständ'.
    Piech baut mit Porsche sein Imperium aus
    Beide Aufsichtsräte stimmen der Verschmelzung von Porsche und VW zu. Damit herrscht Firmenpatriach Ferdinand Piech, Enkel von Ferdinand Porsche, bald über zehn Marken.