Börse: FMA prüft Meinl European Land

Aktiendeal. Die Finanzmarkt-Aufsicht nimmt den Immobilien-Entwickler mit Sitz auf Jersey und den jüngsten Kursrutsch der Aktie unter die Lupe.

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(c) AP (Ronald Zak)

Wien (eid/schell).Das Beben, das die auf osteuropäische Immobilien spezialisierte Meinl European Land (MEL) am Wiener Aktienmarkt ausgelöst hat – die Aktie verlor in der vergangenen Woche 11,58 Prozent – ist etwas abgeebbt. Am Montag stieg der Kurs um drei Prozent. Für neuen Zündstoff sorgt nun die Finanzmarktaufsicht (FMA). „Wir sehen uns alle Auffälligkeiten an“, sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik zur „Presse“.

Auf das Ergebnis warten nicht nur Kleinanleger, sondern auch Analysten mit Hochspannung: Drei Investmenthäuser – Erste Bank, UniCredit und Wood&Co – haben ihre Empfehlungen für MEL ausgesetzt.

Konkret nimmt die FMA drei Punkte unter die Lupe:
•Die Kursauffälligkeiten: Nachdem bekannt wurde, dass MEL rund 17 Prozent eigene Aktien zurückgekauft hat – was nach Jersey-Recht möglich ist – hat die Aktie binnen zwei Tagen fast 20 Prozent an Wert verloren. Was das Anleger-Vertrauen besonders erschütterte: Der Aktienrückkauf erfolgte zu einem höheren Preis als jenem bei der Kapitalerhöhung im Jänner.
•Die Publizitätsvorschriften: Obwohl MEL den Sitz auf Jersey hat, notiert das Unternehmen in Wien und unterliegt daher nach Meinung von Experten der Informationspflicht. MEL hat aber erst nach dem Rückkauf berichtet.
•Den Verkäufer: Am Finanzmarkt halten sich Gerüchte, wonach MEL das Aktienpaket von der Meinl Bank erworben hätte. Die Meinl Bank sei Risiko los geworden und habe zudem einen Buchgewinn gemacht. Julius Meinl V. dementiert das gegenüber der „Presse“ energisch: „95 Prozent der Aktien wurden über die Börse gekauft, der Rest von Banken und anderen Anbietern – keine einziges Stück kam aus dem Besitz der Meinl Bank.“


„Wildgewordener Parlamentarier“

Der neue MEL-Beauftragte Rupert-Heinrich Staller – er folgt dem am Freitag überraschend zurückgetretenen Francis Lustig nach – will die FMA selbst eingeladen haben, tätig zu werden. Staller, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, MEL zu einem Musterschüler der „Corporate Governance“ zu machen, kündigte für diese Woche eine Stellungnahme zum Aktienrückkauf an. Er werde die aus der Börsenotierung in Wien entstehenden Pflichten ernst nehmen und das Vertrauen der Anleger wieder herstellen, so Staller.

Umso aggressiver reagiert Staller auf Aussagen von SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer, der die Frage aufwarf, ob Kapital dafür verwendet wurde, um Löcher bei den anderen an der Börse notierten Gesellschaften Meinl International Power und Meinl Airports zu stopfen. „Wir werden nicht akzeptieren, dass ein wildgewordener SPÖ-Parlamentarier mit völlig absurden Anwürfen kommt.“ Es sei „unverschämt, auf dem Rücken der ohnehin verunsicherten Kleinanleger politisches Kleingeld zu machen“.

FINANZMARKTAUFSICHT sieht Handlungsbedarf

Die Finanzmarktaufsicht prüft die Vorgänge rund um Meinl European Land (MEL). Der Aktienkurs brach zuletzt um fast 20 Prozent ein.

Die Kursauffälligkeiten werden genauso untersucht wie eine mögliche Verletzung der Publizitätspflichten. MEL hat in großem Umfang eigene Aktien zurückgekauft, dies aber erst danach bekannt gegeben.

Der neue Meinl-Beauftragte Rupert-Heinrich Staller kündigt für diese Woche eine Stellungnahme an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2007)

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