Börse: FMA prüft Meinl European Land

27.08.2007 | 18:10 |   (Die Presse)

Aktiendeal. Die Finanzmarkt-Aufsicht nimmt den Immobilien-Entwickler mit Sitz auf Jersey und den jüngsten Kursrutsch der Aktie unter die Lupe.

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Wien (eid/schell).Das Beben, das die auf osteuropäische Immobilien spezialisierte Meinl European Land (MEL) am Wiener Aktienmarkt ausgelöst hat – die Aktie verlor in der vergangenen Woche 11,58 Prozent – ist etwas abgeebbt. Am Montag stieg der Kurs um drei Prozent. Für neuen Zündstoff sorgt nun die Finanzmarktaufsicht (FMA). „Wir sehen uns alle Auffälligkeiten an“, sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik zur „Presse“.

Auf das Ergebnis warten nicht nur Kleinanleger, sondern auch Analysten mit Hochspannung: Drei Investmenthäuser – Erste Bank, UniCredit und Wood&Co – haben ihre Empfehlungen für MEL ausgesetzt.

Konkret nimmt die FMA drei Punkte unter die Lupe:
•Die Kursauffälligkeiten: Nachdem bekannt wurde, dass MEL rund 17 Prozent eigene Aktien zurückgekauft hat – was nach Jersey-Recht möglich ist – hat die Aktie binnen zwei Tagen fast 20 Prozent an Wert verloren. Was das Anleger-Vertrauen besonders erschütterte: Der Aktienrückkauf erfolgte zu einem höheren Preis als jenem bei der Kapitalerhöhung im Jänner.
•Die Publizitätsvorschriften: Obwohl MEL den Sitz auf Jersey hat, notiert das Unternehmen in Wien und unterliegt daher nach Meinung von Experten der Informationspflicht. MEL hat aber erst nach dem Rückkauf berichtet.
•Den Verkäufer: Am Finanzmarkt halten sich Gerüchte, wonach MEL das Aktienpaket von der Meinl Bank erworben hätte. Die Meinl Bank sei Risiko los geworden und habe zudem einen Buchgewinn gemacht. Julius Meinl V. dementiert das gegenüber der „Presse“ energisch: „95 Prozent der Aktien wurden über die Börse gekauft, der Rest von Banken und anderen Anbietern – keine einziges Stück kam aus dem Besitz der Meinl Bank.“


„Wildgewordener Parlamentarier“

Der neue MEL-Beauftragte Rupert-Heinrich Staller – er folgt dem am Freitag überraschend zurückgetretenen Francis Lustig nach – will die FMA selbst eingeladen haben, tätig zu werden. Staller, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, MEL zu einem Musterschüler der „Corporate Governance“ zu machen, kündigte für diese Woche eine Stellungnahme zum Aktienrückkauf an. Er werde die aus der Börsenotierung in Wien entstehenden Pflichten ernst nehmen und das Vertrauen der Anleger wieder herstellen, so Staller.

Umso aggressiver reagiert Staller auf Aussagen von SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer, der die Frage aufwarf, ob Kapital dafür verwendet wurde, um Löcher bei den anderen an der Börse notierten Gesellschaften Meinl International Power und Meinl Airports zu stopfen. „Wir werden nicht akzeptieren, dass ein wildgewordener SPÖ-Parlamentarier mit völlig absurden Anwürfen kommt.“ Es sei „unverschämt, auf dem Rücken der ohnehin verunsicherten Kleinanleger politisches Kleingeld zu machen“.

FINANZMARKTAUFSICHT sieht Handlungsbedarf

Die Finanzmarktaufsicht prüft die Vorgänge rund um Meinl European Land (MEL). Der Aktienkurs brach zuletzt um fast 20 Prozent ein.

Die Kursauffälligkeiten werden genauso untersucht wie eine mögliche Verletzung der Publizitätspflichten. MEL hat in großem Umfang eigene Aktien zurückgekauft, dies aber erst danach bekannt gegeben.

Der neue Meinl-Beauftragte Rupert-Heinrich Staller kündigt für diese Woche eine Stellungnahme an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2007)

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12 Kommentare
Gast: peter pan
28.08.2007 16:35
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Merkwürdig

an sich ist die ja ganze Sache.
Sehr sehr beerkenswert.
Dass aber jetzt der "neue" starke Sauber-Mann ale erste Amtshandlung gleich einmal einen Parlamentarier beschimpft, das läßt tief blicken.
Und zwar in das Nervenkostüm.
Ist da eine etwa eine 2. BAWAG Affäre in Sicht? Schiffsparties unter "Freunden" und Jacht AHOI?

Re: Merkwürdig

na ja,
egal welcher parlamentarier...

das problem ist doch, dass fast kein abgeordneter eine bilanz lesen kann, geschweige denn ahnung vom aktienrecht und der börse hat.

hier wird einfach politisch in ein wirtschaftsunternehmen eingegriffen - und das ist eine frechheit! egal ob hier, bei voest, bei boehler, oder wo auch immer - genutzt hat es fast noch nie - eher schaden verursacht.

also: den krainer klagen auf rufschädigung; ausser die herren aus jersey haben die hosen voll....

freundlichst, ihr
eco

Antworten Antworten Gast: Banker
28.08.2007 18:27
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Hier wird

endlich mal eingegriffen! Und zwar schon viel zu spät. Der Finanzplatz Österreich hat durch die Meinlschen Mickey Mouse Papierchen genug Schaden genommen.

Gast: Flieger
28.08.2007 11:34
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Der Flughafen Debrecen wird gerade verkauft.

Und Meinl Airports nimmt am Tender nicht teil, wie immer. Was soll das? Was machen die mit dem Geld der Anleger? MEL und MIP kaufen???

Gast: AEIOU
28.08.2007 09:42
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Aber Obacht.

Nicht zu nahe oculieren. Denn dann kann leicht der Überblick verloren gehen.

Gast: KLAGE
28.08.2007 08:09
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Sind wir am Balkan?

Kann mir jemand sagen ob es für Aktionäre an MEL schon eine Sammelklage gibt oder ob es einen Verein zur Bündelung der Interessen von Anlegern (...siehe AMIS) geben wir? Einen derartigen Aktienrückkauf im Nachhinein "anzukündigen" und vor der Veröffentlichung noch rasch 52 millionen (bzw. 90 mio.) Aktien zu handeln ist sicher nicht legal (...auch wenn die gesellschaft sitz in jersey hat geht das nicht, da die gesellschaft in österreich an der börse notiert) und MBank in österreich reguliert wird. Jedenfalls war meinl bank ein insider, da sie den rückkauf beraten und durchgeführt haben und wusste das es keine veröffentlichung gab. wie konnte man die gleichbehandlung der aktionäre sicherstellen? Noch dazu wurden die 52 mio aktien zum absoluten höchstkurs 20.78 verkauft. fast mehr als im relevanten zeitraum an der börse gehandelt wurden. Stellt sich die frage wer (es waren sicher nicht die kleinanleger) da verkauft hat oder?? Insider, bank, spv, curacao. Bitte zahlen reicher Julius!

Antworten Gast: AEIOU
28.08.2007 09:44
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Re: Sind wir am Balkan?

Sie dürften neu auf dem "Parkett" sein. Und dann noch Kleinanleger. Der Rasinger kann Sie auch nicht heraushauen. Denn bei soviel Parkettganoven weiß er ja nicht, wo er zuerst ansetzen soll.

RE: Sind wir am Balkan?

Korrektur:
1. Meinl European Land hat die ca. 52 Mio. eigenen Aktien im Zeitraum von April bis Juni 2007erworben, und nicht "rasch vor der Veröffentlichung".

2. Die Aktien wurden an der Börse gekauft - d.h. es stand jedem die Möglichkeit offen seine Aktien zu verkaufen - soviel zur fehlenden Gleichbehandlung der Aktionäre.

Nichts desto trotz ist das Vorgehen der Gesellschaft fragwürdig, vor Allem in Bezug auf die Transparenz. Hier ist dringender Nachholbedarf gegeben, dem hoffentlich durch die Bestellung von Staller angemessen Rechnung getragen wird.


Antworten Antworten Gast: Banker
28.08.2007 11:36
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52 Mio. eigenen Aktien in 2 Monaten???

Tschuldigung, Travnicek, so extrem viele Aktien in so kurzer Zeit aufzukaufen ist und bleibt bedenklich. So was tun nur Micky Maus Papierl.

Re: 52 Mio. eigenen Aktien in 2 Monaten???

Natürlich ist das bedenklich (egal ob in 2 oder 3 Monaten) und hat zu Recht das Vertrauen in das Management erschüttert - mit dem Bauernopfer Francis Lustig. Zu einer Klage reichts aber noch lange nicht (wie von KLAGE gefordert)

Na und ...

bei der Kompetenz eines Roten Abgeordneten in Sachen Finanzen beachtet diesen Zwischenruf nicht einmal der Huber Franz aus Hintertupfing!

Antworten Gast: heri13
27.08.2007 23:08
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Re: Na und ...

na, der ex minister und schüsseldiener grasser ,versteht von finanzen wohl mehr.als gelernter autoverkäufer weiß er wie man zu geld kommt.wer dem herrn jetzt wohl die mauer macht,den finz gibt es ja nicht mehr, und sein mentor schüssel ist auch weg vom fenster!

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