wien. Einen ausgeprägten Hang zur Selbstinszenierung hat er zweifellos, und den lebte Wilhelm Rasinger in den vergangenen sieben Jahren gut und gerne aus. Als Präsident des „Interessenverband der Anleger“ (IVA) hat er ja auch die geeignete Plattform dazu: Bei Hauptversammlungen tritt er genüsslich als „Robin Hood der Kleinanleger“ auf, nimmt die Vorstände börsenotierter Unternehmen in die Zange und kämpft um die Anliegen seiner Schützlinge.
„Manche sehen mich als Märtyrer“, gab er vor wenigen Monaten in einem Interview zu Protokoll. Oder, nicht ganz frei von Koketterie: „Ich komme mir manchmal vor wie die Kummernummer für Geldangelegenheiten.“
Doch seit gestern hat Rasinger selbst Kummer. Er könne sich auch ein Leben ohne IVA vorstellen, sagt er. Und beklagt Gerüchte, die ihn, den „unbequemen Anlegerschützer, zum Schweigen“ bringen sollten.
Gleichzeitig bestätigte er allerdings genau diese Gerüchte, über die das Magazin „Format“ berichtet: Rasingers IVA hat von der Meinl Bank Zahlungen auf ein zweckgewidmetes Treuhandkonto erhalten. Für Beratertätigkeiten in der Vergangenheit.
Geld von „Gegnern“
Damit hat Rasinger gleich zwei Probleme am Hals: Erstens ist er mit dieser Enthüllung plötzlich in den Strudel um die Meinl European Land (MEL) geraten. Und zweitens hat Rasinger generell Erklärungsbedarf: Der IVA bezeichnet sich selbst nämlich als „unabhängige Interessenvertretung für private Minderheitsaktionäre (...) gegenüber (...) Mehrheitsaktionären, Vorstand, Aufsichtsrat.“ Dass nebenbei auch Einkünfte von einem Emittenten bezogen wurden, ergibt gelinde gesagt keine schöne Optik.
Zumal gestern Gerüchte auftauchten, dass Rasinger auch als Berater anderer börsenotierter Unternehmen fungiere. Und diese eigentlich die „Gegner“ des IVA sein sollten.
Rasinger versuchte denn auch gestern via Aussendung zu relativieren: Es habe zwar in der Vergangenheit „einige Gesprächsrunden“ mit Julius Meinl V. gegeben – Rasinger nennt diese „tour d'horizon“ – einen Beratervertrag habe es aber nicht gegeben. Und: „Es war ihm (Meinl, Anm.) frei gestellt, Zahlungen zu leisten. Wenn jemand auf ein Konto einzahlt, kann ich mich nicht dagegen wehren.“ Meinl habe „als Zeichen der konstruktiven Einstellung zum Anlegerschutz“ ein Treuhandkonto bei einer Rechtsanwältin dotiert. Der IVA sprach gestern von 30.600 Euro, die sich seit Mai 2003 angehäuft hätten – in vierteljährlichen Raten zu 1700 Euro. Insider nennen hingegen einen Betrag von über 2500 monatlich, der für Rasingers Dienste überwiesen worden sei. Das sei so vereinbart gewesen. Rasinger betonte jedenfalls, es sei kein Geld an ihn persönlich geflossen. Außerdem sei es bisher nicht angerührt worden.
Von Aktienverkauf abgeraten
Im übrigen hätten die finanziellen Eingänge keinen Einfluss auf seine Gangart gegenüber der Meinl Bank und der MEL. Ansichtssache: Mitte August – als es in der Immobilienbranche bereits kriselte, die MEL-Aktien aber noch relativ ungeschoren davon gekommen waren – hatte Rasinger davon abgeraten, „die Aktien panikartig zu verkaufen“. Später sprach er sich gegen eine Sammelklage der Anleger aus. Zuletzt forderte er Meinl bloß auf, alles offenzulegen. Was der in einem Interview süffisant so konterte: „Diese Kritik verstehe ich überhaupt nicht. Rasinger hat uns sogar mehrfach beraten.“
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2007)