WIEN. Die Geschwindigkeit ist enorm, mit der neue Ideen im Internet geboren werden. Aktuell heißt der letzte Schrei Facebook. Facebook ist ein Internetunternehmen mit Sitz im sonnigen Silicon Valley, im US-Bundesstaat Kalifornien. Vor drei Jahren wurde es vom heute 23-jährigen Harvard Studenten Marc Zuckerberg gegründet.
In die Schlagzeilen kam Facebook schon des öfteren. So zum Beispiel voriges Jahr, als der Internet-Riese Yahoo dem Gründer eine Mrd. Dollar für sein Unternehmen bot. Zuckerberg lehnte ab. Nun versucht der Branchenriese Microsoft bei Facebook Fuß zu fassen. Mehreren Zeitungsberichten zu Folge will das Software-Unternehmen etwa 500 Mio. Dollar (353 Mio. Euro) bezahlen. Für gerade einmal fünf Prozent von Facebook wohlgemerkt. Somit schätzt Microsoft den Wert des Unternehmens also auf zehn Mrd. Dollar.
Menschen zusammen bringen
Das Geschäftsmodell von Facebook ist simpel. Im Zeitalter der modernen Telekommunikation ist nach wie vor eines unersetzbar: menschliche Beziehungen. Facebook ist also eine Beziehungskiste im Internet. Nutzer kreieren persönliche Einträge im Web – vergleichbar mit einer einfachen Home-Page – laden Fotos hoch, tauschen Neuigkeiten und Tratsch aus, flirten oder treffen sich via Internet zu einer Partie Online-Sudoku. Facebook gibt ihnen das Gefühl, Teil eines selbst gewählten Freundeskreises zu sein. Aktuell hält Facebook bei etwa 40 Millionen aktiven Nutzern. Tendenz steigend.
Größter Konkurrent von Facebook ist die Internet-Plattform Myspace. Vor zwei Jahren von Medienmogul Rupert Murdoch's News Corp gekauft, ist sie mit 70 Millionen Kunden das größte Internet-Netzwerk. Der Unterschied zwischen Myspace und Facebook liegt in der avisierten Zielgruppe: Facebook spricht eher ein biederes Publikum an. Ein Publikum, das sich wenig aus Sauf-, Rülps- und Party-Videos macht, wie sie auf Myspace sehr beliebt sind.
Das Sauber-Image von Facebook kultiviert auch sein Gründer, Mark Zuckerberg: In Harvard belegte er die Fächer Latein, Griechisch und Fechten – Eckpunkte einer klassischen Ausbildung.
Hallo Internet-Blase?
Doch Sauber-Image hin, Harvard-Abschluss her. Der Hype um Facebook erinnert so manchen Branchenkenner an die dunkle Zeit der Internet-Blase in den 90-er Jahren. Damals wurden Wahnsinns-Summen für Firmen bezahlt, die aus nicht viel mehr als einer Garage und einigen Computern bestanden. Ein Trend, der ein abruptes und schmerzhaftes Ende nahm. Ein Vergleich kann diese Ängste wohl nicht ganz zerstreuen: Die Umsätze von Facebook betragen aktuell geschätzt 100 Millionen Dollar jährlich. Der größte Teil davon stammt aus einer bestehenden Kooperation mit Microsoft, die dem Unternehmen jährlich etwa 75 Mio. Dollar einbringt. Die werbliche Verwertung der Plattform ist noch nicht ausgegoren, zu viel Kommerz könnte die Nutzer vertreiben, meinen Insider. Unter diesem Aspekt erscheint eine Bewertung von zehn Mrd. Dollar vielen Experten völlig aus der Luft gegriffen.
Kampf um Zukunft
Doch im Unterschied zu den 90-er Jahren sind es nicht gierige Investoren, die die Werte der Internet-Firmen in lichte Höhen treiben. Es sind die großen, profitablen Branchenleader Yahoo, Google, der Softwarekonzern Microsoft oder Medienunternehmen wie etwa Viacom und News Corp, die um Anteile an der Zukunft des Netzes kämpfen. Yahoo versucht beständig, den Anschluss an Branchenleader Google zu finden.
Und Microsoft – als traditionelles Softwareunternehmen bisher im Internet weit abgeschlagen – sucht in einem Strategiewechsel ebenfalls den Zugang zum Netz und seiner stetig wachsenden Anzahl an Nutzern. Diese Zukunftschance ist den Unternehmen viel Geld wert. Und auf Grund ihrer finanziellen Stärke können sie sich diesen Luxus wohl auch leisten, ohne eine mit den 90-ern vergleichbare Blase zu verursachen.
Software-Riese Microsoft bietet für einen Fünf-Prozent-Anteil an der Internet-Firma Facebook 500 Mio. Dollar. Die Firma mit Sitz im kalifornischen Silicon Valley wurde vor drei Jahren vom heute 23-jährigen Studenten Mark Zuckerberg gegründet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2007)

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