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Neue Vorstände: Bundesbahnen werden wieder „roter“

04.10.2007 | 18:17 |  MIRIAM KOCH UND JAKOB ZIRM (Die Presse)

Die Suche nach sechs Vorständen für die ÖBB geht in die Endphase. Den als Favoriten gehandelten Bewerbern wird eine Nähe zu den Sozialdemokraten nachgesagt.

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WIEN. Noch bis 8. Oktober läuft die Ausschreibung für sechs Spitzenpositionen bei den ÖBB: Gesucht werden je zwei Manager für die Holding, den Personen- und den Güterverkehr.

Doch bereits jetzt scheinen einige Besetzungen „auf Schiene“ zu sein: So gut wie fix ist, dass künftig Gustav Poschalko und Peter Klugar(derzeit vorstand der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG) die Holding verstärken. Damit würden zwei „Rote“ den bisherigen Vorständen Martin Huber sowie Erich Söllinger, die beide als ÖVP-nah gelten, zur Seite gestellt werden.

Vor allem die Bestellung Poschalkos, bisher Vorstand in der Güterverkehrssparte, ist ungewöhnlich. Nicht, wegen der unbestrittenen Qualitäten des Managers, sondern wegen seines Alters. Denn Poschalko wird im November 67 Jahre. Aber wahrscheinlich ist das für ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker, der zwei Jahre älter als Poschalko ist, kein Thema. Und Pöchhacker, der das Vertrauen von VerkehrsministerWerner Faymann (SPÖ) genießt, obliegt die Entscheidung.

Auch für die anderen vier offenen Posten zeichnet sich ab, dass Sozialdemokraten gute Karten haben. Für den Personenverkehr wird Gabriele Payr als Fixstarterin gehandelt. Sie arbeitet derzeit als Vorstand der Wiener Stadtwerke. Payr, die Faymann aus seinen Stadt-Wien-Zeiten kennt, hat Nahverkehrs-Erfahrung und offenbar die Unterstützung der SP-Frauen. Diese machen seit dem unrühmlichen Abgang von Wilhelmine Goldmann als Personenverkehrschefin im Frühjahr Druck, dass mehr Frauen in den ÖBB-Vorstand einziehen. Wird Payr wirklich neue Nahverkehrs-Chefin im Personenverkehr, müsste sie allerdings ihr dortiges Aufsichtsratsmandat abgeben.

Gute Chancen werden auch Gabriele Lutter, derzeit Managerin der Schienen-Control, eingeräumt. Sie wird als neue Chefin für den Güterverkehr genannt. Lutter hat unter anderem am Konzept des Bundes sozialistischer Akademiker BSA zum Thema „Europäische Verkehrspolitik“ mitgearbeitet.


Die Gusenbauer-Schiene

Interessanterweise wird auch Alfred Lutschinger als „heißer Kandidat“ für einen Posten genannt: Lutschinger, Prokurist der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG, ist zwar im vergangenen Dezember durch seine Unterschrift im Vertrag für den Kauf eines umstrittenen, millionenteuren Scanners aus China nicht nur positiv aufgefallen. Aber er soll einen guten Draht zum Wiener Anwalt Gabriel Lansky und über diese Schiene auch zu Bundeskanzler Alfred Gusenbauer haben. Daher werde seine Bestellung von „ganz oben“ befürwortet, wird erzählt.

Nicht ganz so prominente Fürsprecher haben andere Kandidaten: Als möglicher Finanzvorstand für den Personenverkehr wird Josef Halbmayr ins Gespräch gebracht. Der ehemalige Post-Vorstand gilt als „Schwarzer“ und sitzt derzeit an der Spitze der Wiener Privatbank Immobilieninvest AG und unter anderem im Aufsichtsrat der Personenverkehr AG der ÖBB. Schon vor Jahren wurde er als potenzieller Nachfolger für den damaligen ÖBB-Boss Rüdiger vorm Walde und auch als möglicher Güterverkehrsvorstand genannt.

Im aktuellen „News“ wird Gernot Schieszler, Finanzvorstand der Telekom Austria Festnetzsparte, als möglicher ÖBB-Finanzvorstand ins Spiel gebracht. Er soll auf einem Ticket der ÖVP bei den ÖBB zum Zug kommen. Auch Franz Seiser, Geschäftsführer der ÖBB-Werkstätten, sowie Johannes Kasal und Gerhard Gamperl, die derzeit bei Huber in der Holding tätig sind, würde man einen Vorstandsposten zutrauen. Von den Noch-Asfinag-Vorständen – deren Nachfolger werden gerade ausgesucht – wird wohl keiner bei den ÖBB ankommen.


Noch hat die ÖVP das Sagen

Derzeit werden von zwölf ÖBB-Vorständen drei der SPÖ und fünf der ÖVP zugeordnet. Allerdings nimmt Erich Söllinger im Augenblick noch mehrere Rollen ein und wird nach dieser Farbenlehre gleich drei Mal gezählt. Die Suche nach neuen Vorständen wird damit begründet, dass – auch auf Kritik des Rechnungshof hin – die Personalunion (Söllinger sitzt als Vorstand in der Holding, im Personen- und im Güterverkehr) wieder abgeschafft wird. Dadurch werden zwei Plätze frei. Zudem erachtet der Verkehrsminister mehr Personen ganz an der Spitze, also in der Holding, für sinnvoll. An Martin Huber als obersten ÖBB-Chef soll zumindest so lange sein Vertrag läuft (bis 2009) nicht gerüttelt werden.

Drittens ist seit dem Abgang von Goldmann im Personenverkehr eine Stelle offen. Zudem läuft Poschalkos Vertrag im Güterverkehr zu Jahresende aus. Daher ist auch ein Posten zu besetzen.

Wird Klugar wirklich Holding-Vorstand ist übrigens wieder ein ÖBB-Vorstandsposten offen – und das Such-Spiel kann erneut beginnen.

AUF EINEN BLICK

Zug um Zug werden in den ÖBB Posten besetzt. Einige Tage noch können sich Interessierte für sechs Vorstandsmandate bei der Bahn bewerben. Es gilt als sicher, dass unter den Neuen die Farbe „rot“ dominieren wird. So werden etwa Gustav Poschalko und Peter Klugar (beide SP-nah) als neue Holding-Vorstände gehandelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2007)

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4 Kommentare
Gast: Remy
05.10.2007 13:35

Mitsingen..

Nach Schwarzblauer Umfärbung die Rückkehr zum "!Normalzustand!" Rotschwarz. Jetzt alle mitsingen:
Oh du mein Österreich, Österreich...

...wenns`t deine dummen Steuerzahler nicht häs`t...

Gast: Ratenscharf
05.10.2007 08:52

Mit Gusenbauers

sozialer Wärme und heißer Luft wird die ÖBB befeuert bis es kracht!

dr. philpp
05.10.2007 07:07

Neue Vorstände: Bundesbahnen werden wieder „roter“

Sonst hätte doch die ganze Sache auch keinen Sinn. Und für das geld der Kunden ist nichts zu teuer. Und wir ärgern uns auf der Strecke Wr. Neustadt - Wien weiter über zuwenige und desolate Wieselgarnituren. Stehen ist angesagt!!!

Gast: AEIOU
04.10.2007 19:54

Rotfärbung und Synergien.

Eine Mischung , die die Konkurrenfähigkeit des Marodeurs sichert. Eher weniger bis gar nicht. Was hingegen gesichert ist. Die ÖSI werden ein neues Massengrab finanzieren. Mit einer Rumpfbahn, denn mehr wird nicht von den ÖBB übrigbleiben. Und Kosten in einer Höhe, bei der die Eurofighter ein Portokassa-Kauf waren.

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