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Entsorgung: Lebensmittel um Hunderte Mio. Euro im Restmüll

06.11.2007 | 18:23 |  MARTIN KUGLER (Die Presse)

Die Zusammensetzung des Abfalls entscheidet über die Wirtschaftlichkeit der Entsorgung. Für Metalle und Papier werden Höchstpreise bezahlt.

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WIEN. „Fast zwölf Prozent des Restmülls sind überlagerte Lebensmittel, die scheinbar nur dazu gekauft werden, um nach einer kurzen Zwischenlagerung daheim weggeworfen zu werden.“ Dieses sarkastische Resümee ziehen Forscher der Universität für Bodenkultur aus einer Abfall-Sortieranalyse.

Die Experten des Institutes für Abfallwirtschaft haben dazu Restmüll – in Summe fast neun Tonnen – in Wien und Niederösterreich wissenschaftlich exakt „durchstierlt“ und die Zusammensetzung registriert. Ein durchschnittlicher Wiener schmeißt demnach alljährlich 25 Kilogramm noch originalverpackte oder angebrochene Lebensmittel-Packungen weg. In Niederösterreich sind es rund zehn Kilogramm.


Nicht-Abgelaufenes im Müll

Was besonders verblüffend ist: Ein Teil der Lebensmittel sind noch gar nicht abgelaufen, wenn sie im Müll landen. In Summe– also inklusive Zubereitungsresten sowie Lebensmittel- und Getränkeverpackungen– sind zwischen 35 und 60 Prozent des Restmüllaufkommens auf den Sektor Ernährung zurückzuführen.

Durch parallel dazu geführte Umfragen wissen die Forscher, wer wie viel Nahrung wegwirft: Je älter die Abfallverursacher, je niedriger deren Bildungsstand und Einkommen sind, desto weniger Lebensmittel werden weggeworfen. Auch kleinere Haushalte werfen weniger Nahrung auf den Müll. Detail am Rande: Die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln ist unabhängig davon, ob ein Haushalt über eine Biotonne oder einen Komposthaufen verfügt oder nicht. Die Boku-Forscher haben auch die Kosten dieses Konsumverhaltens berechnet: Ihrer Studie zufolge belaufen sich die unnötigen Ausgaben für Lebensmittel, die weggeworfen werden, auf 387,4 Euro pro Jahr.

Für die Abfallwirtschaft sind derartige Untersuchungen entscheidend: Denn sie hat ein eminentes Interesse an der Zusammensetzung des Mülls.

Aus vielerlei Gründen: Erstens darf ab nächstem Jahr kein Abfall mehr deponiert werden, der mehr als fünf Prozent organische Bestandteile enthält. Der Müll muss, wie berichtet, vorbehandelt werden– entweder durch Verbrennung oder mechanisch-biologische Behandlung (Sortierung und Kompostierung). Zum anderen sind viele Abfallfraktionen in sortenreiner Form bares Geld wert: Für Metalle, Papier, selbst für den Energiegehalt des Mülls in Form von Zellulose und Kunststoffen werden Höchstpreise bezahlt (siehe oben stehenden Artikel).

Bei Altpapier, Altglas oder Verpackungsabfällen geht es der heimischen Abfallwirtschaft gut: Die Österreicher sind wahre Weltmeister beim Mülltrennen– eine Folge von jahrzehntelangen Bewusstseins-Kampagnen. Im Hausmüll landet folglich nur mehr der Rest – und dessen Zusammensetzung ist umso entscheidender für die weitere Entsorgung und für die Wirtschaftlichkeit des ganzen Systems.


Erneuerbare Reststoffe

Immer relevanter wird für Müllverbrenner etwa, wie hoch der Anteil erneuerbarer Energieträger im Abfall ist. Die Gründe dafür sind etwaige Ökostrom-Vergütungen sowie die CO2-Emissionen: Erneuerbare Reststoffe werden als „Treibhausgas-neutral“ angesehen, für diese Mengen sind also keine teuren CO2-Zertifikate nötig. Abfall-Forscher der Technischen Universität Wien haben dazu ein innovatives Messsystem entwickelt, das bereits in drei österreichischen Müllverbrennungsanlagen angewandt wird.

Konkret: Die Zusammensetzung des Abfalls wird aus der Menge an Asche und Schlacke, der Zusammensetzung der Abluft und der erzeugten Dampfmenge ermittelt. Die patentierte Methode stößt auch im Ausland auf Interesse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2007)

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