Wien (red/APA).Ein eher finsteres Bild in Sachen Energie-Zukunft und Klimawandel zeichnet die Internationale Energieagentur (IEA): Wenn es nicht weltweit zu einschneidenden Änderungen im Energiesektor komme, dann werde der Welt-Energieverbrauch bis 2030 um mehr als 50 Prozent steigen. Mit entsprechenden Konsequenzen für die Versorgungssituation und für das Weltklima. Denn die Versuche, die Emission des Treibhausgases CO2 einzudämmen, müssten dann wohl als gescheitert angesehen werden.
China bald größter Verbraucher
Größtes energiepolitisches Problem ist derzeit der steile wirtschaftliche Aufstieg Chinas und Indiens: Der Energiebedarf der beiden kommenden Wirtschafts-Supermächte sei so hoch, dass er zwangsläufig zu radikalen Veränderungen der Weltenergiemärkte führen müsse, heißt es in dem Report. China werde die USA schon 2010 als größter Energieverbraucher der Welt ablösen. 2005 war der Energieverbrauch der Chinesen noch um ein Drittel unter dem der USA gelegen.
In Sachen Emissionsreduktion reichen die jetzt überlegten Maßnahmen jedenfalls bei weitem nicht aus, meint die IEA. Selbst wenn man beispielsweise alle denkbaren Maßnahmen zur Steigerung der Energieffizienz umsetze, würden die Kohlendioxid-emissionen bei der erwarteten Verbrauchssteigerung im Jahr 2030 noch um ein Drittel höher sein als heute. Gestoppt werden könne der Emissionzuwachs nur durch einen „technologischen Wandel beispiellosen Ausmaßes“.
Stärkster Wachstumstreiber im Energiebereich ist die Stromerzeugung, die für die Hälfte der Energieverbrauchssteigerungen verantwortlich sein wird. Ein Fünftel der Verbrauchssteigerung wird der Verkehr verursachen. Trotzdem werden die Ölreserven zur Deckung des Zuwachses bis 2030 reichen. Wenngleich die IEA-Experten in der Zeit bis 2015 vorübergehende Angebotsengpässe mit abrupten Preissteigerungen nicht ausschließen wollen.
Insgesamt wird sich der Anteil des Erdöls am Energieverbrauch zwar von 35 auf 32 Prozent reduzieren, der Ölverbrauch wird aber trotzdem um 37 Prozent zunehmen.
Benzin wurde real billiger
Eine echte Renaissance dürfte aber die Kohle erleben: Der Verbrauch wird bis 2030 um 73 Prozent steigen, der Anteil der Kohle am globalen Energieverbrauch wird sich dadurch von 25 auf 28 Prozent erhöhen.
Der schon in den vergangenen Monaten stark gestiegene Ölpreis (siehe Artikel auf Seite 29) macht sich unterdessen spürbar in den Brieftaschen der Autofahrer bemerkbar. Nach den jüngsten Preiserhöhungen kostet Diesel nun im Schnitt 1,14 Euro pro Liter, für einen Liter Eurosuper sind 1,209 Euro hinzulegen. So viel hat Sprit in Österreich noch nie gekostet.
Was viele Autofahrer nicht glauben werden: Inflationsbereinigt war Tanken schon einmal wesentlich teurer. Konkret ist Benzin jetzt real noch immer um 20 Prozent billiger als vor 20 Jahren.
Neue Belastungen für Autofahrer wird es im kommenden Jahr dagegen durch die Umstellung der Normverbrauchsabgabe geben, die Autos mit hohem CO2-Ausstoß steuerlich „bestraft“, während Alternativantriebe mit einem Bonus belohnt werden.
Für den heimischen Autofahrerclub ÖAMTC ist das keineswegs nachvollziehbar: Einige große Automodelle weisen nämlich trotz Alternativantriebs hohe CO2-Emissionswerte auf.
Der Welt-Energieverbrauch wird bis 2030 um 50 Prozent zunehmen, prophezeit die Internationale Energieagentur.
Die Pläne für eine Reduktion der Treibhausgase sind deshalb nur mit Hilfe einer technologischen Revolution einzuhalten.
Die Treibstoffpreise sind in Österreich auf ein Rekordniveau geklettert. Inflationsbereinigt war Benzin vor 20 Jahren aber schon deutlich teurer als jetzt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2007)
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