wien (eid). Die Post steht unter Schock. Die „Presse“ berichtete schon Ende August, dass der Großkunde Quelle/Neckermann bei Hermes unterschrieben hat – Post-Chef Anton Wais sprach am Dienstag dennoch von einer „großen Überraschung“. Man habe bis zuletzt verhandelt und bei den Preisen deutlich nachgegeben. Letztlich habe sich Quelle für den Post-Konkurrenten Hermes entschieden. Wais: „Ich hätte wahrscheinlich genauso entschieden.“
Die Kritik der Postgewerkschaft, die die Ablöse des Managements bzw. von dem für die Sparte Paket und Logistik zuständigen Vorstand Walter Hitzinger forderte, nützt jetzt wenig. Wais („ein Generaldirektor ist für alles verantwortlich“) zieht die im Vorfeld der Postmarkt-Liberalisierung 2011 geplanten Umstrukturierungen vor. Das bedeutet Personalabbau. „Die bisher geplante Reduktion des Personalstandes um 400 pro Jahr stimmt nicht mehr“, sagte Wais. Wie viele der 23.000 Vollzeitkräfte es erwischt, sagte er nicht. Das Konzept wird dem Aufsichtsrat am 12. Dezember vorgelegt. Es geht um die Ausweitung des Sozialplans für Beamte und um „Golden Handshakes“ für Angestellte.
Das Maßnahmenpaket gegen den Verlust von 15 Mio. der 47 Mio. Pakete jährlich umfasst auch die Schließung von Paketverteilzentren und Paketzustellbasen. Forciert werden soll das Geschäft mit Firmenkunden (B2B), wo die Post ihren Marktanteilen bis 2010 von fünf auf 20 Prozent vergrößern will. Geschäfts- und Privatkunden sollen mehr Service bekommen: mehrere Zustellversuche, Zustellung am Samstag, Verständigung per SMS oder Internet, Retourenabholung. Die Expansion durch Zukäufe soll überdies den für 2008 erwarteten Ergebniseinbruch in der Paketsparte von 20 Mio. Euro wettmachen. In den nächsten Tagen will die Post eine Akquisition in Südosteuropa abschließen.
Für 2007 hob Finanzvorstand Rudolf Jettmar die Wachstumsprognose für das Betriebsergebnis von 20 bis 25 auf 25 bis 30 Prozent an. Die Dividende wird von 1 Euro auf 1,40 Euro angehoben. Auch für 2008 kündigte Jettmar eine Dividendenerhöhung an. Ein Trostpflaster für die 13.000 Postler, die Aktien besitzen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2007)

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