Wien (mk/jaz/eid).Eigentlich wollten die Bundesbahnen das Risiko bei der Anlage von Geldern besser streuen – doch das dürfte nicht ganz geglückt sein: Daher hat die Bahn mit innovativen Finanzgeschäften 50 bis 60 Mio. Euro verloren. Denn in Folge der US-Immobilienkrise besteht bei den Bundesbahnen erheblicher Abschreibungsbedarf bei einem Paket von vor zwei Jahren erworbenen Wertpapieren. Gekauft wurden damals Asset Backed Securities (ABS) und andere forderungsbesicherte Instrumente (CDO). Ein diesbezüglicher Bericht des „Format“ wurde von den ÖBB bestätigt.
„Das ist wirklich ein Skandal. In einem Transportunternehmen hat das Zockertum Einzug gehalten“, sagt Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl im Gespräch mit der „Presse“. Er sieht mittelbar oder unmittelbar die Steuerzahler betroffen. „Es ist eine Verantwortung den Steuerzahlern gegenüber, dass man Risiken ausschließt und nicht mit Steuergeld gambelt“, kritisiert auch SP-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter.
SPÖ-Verkehrsminister Werner Faymann habe „höchsten Handlungsbedarf“, sagt Haberzettl. Dieser sieht die Kritik seiner Parteikollegen allerdings gelassen. „Das ist eine operative Sache der Bahn“, heißt es aus seinem Büro. Faymann habe „vollstes Vertrauen“ in die Vorstände der Bahn. Finanzvorstand Erich Söllinger sei „ein Mann vom Fach“.
Auch in den ÖBB kalmiert man: Die Wertpapiere hätten eine Laufzeit von zehn Jahren, in den vergangenen zwei Jahren sei man damit sehr gut gefahren. Dass man nun Rückstellungen bilden müsse, sei ein „ganz normaler“ Vorgang und ob sich das Geschäft rechnet, könne man erst am Ende der Laufzeit, 2015, sagen. An der Prognose für das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der ÖBB für 2007 ändert sich dadurch nichts, hieß es. Das investierte Geld – 612,9 Mio. Euro – stammt aus sogenannten Sale-and-Lease-Back-Geschäften: Dabei wurden von den ÖBB Lokomotiven, Zugsgarnituren, Kraftwerke und Bahnhöfe an US-Investoren verkauft und wieder „zurückgemietet“. Dabei lukrierte die Bahn Steuervorteile.
Unüblich sind ABS und CDO in der Finanzwelt nicht. Bei diesen Wertpapieren werden Forderungen – beispielsweise aus Krediten – in Paketen zusammengefasst und über eine eigens gegründete Gesellschaft an Investoren verkauft. Das Risiko dieser Papiere wird von Ratingagenturen festgelegt. Diese lagen jedoch im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise oft deutlich daneben und unterschätzten die Zahl der „faulen“ Hypothekarkredite. Dadurch entstanden den Investoren – großteils Banken und Versicherungen – buchhalterische Verluste.
Andere österreichische Firmen ohne ABS
Unter anderen österreichischen Unternehmen dürften die innovativen Anlagen in diese Papiere nicht weit verbreitet sein. Telekom, Post und Wienerberger verneinten auf Anfrage der „Presse“ einen Abwertungsbedarf. Siehe auch Bericht auf Seite 26
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2007)
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