Kanada, das nach Saudi-Arabien die größten Ölreserven der Welt besitzt, will zur Öl-Supermacht aufsteigen. Das Land setzt dabei vollkommen auf den schwarzen, klebrigen Ölsand. Der Ölreichtum hat aber eine Schattenseite. Die Narben, die bleiben, sieht man sogar aus dem Weltall: Riesige Flächen, die auf Satellitenbildern grau erscheinen, schreibt "Spiegel
Online". Greenpeace spricht vom "größten Klimawandel-Verbrechen aller Zeiten". Und mittendrin: BP, jener Ölkonzern, der sich als grüner Energieversorger der Zukunft präsentieren will.
Noch vor ein paar Jahren hatten BP-Manager erklärt, es gebe erfolgsversprechendere Wege der Ölgewinnung. Damals wurden sogar Anteile an kanadischen Sandölfeldern verkauft. Nun hat der Ölkonzern eine Kehrtwende vollzogen. Drei Mrd. Dollar wollen BP und der lokale Partner Husky Oil bis 2012 in Sandölfelder investieren. Weitere 2,5 Mrd. sollen in Raffinerie-Kapazitäten in den USA gesteckt werden. Man werde "Mrd. Dollar investieren, um die nordamerikanische Energiesicherheit zu verbessern", sagte Bob Malone, Präsident von BP America. Kanada gilt zunehmend als verlässliche Alternative zu den Ölstaaten im Mittleren Osten.
"Schlag ins eigene Gesicht"
"Dass BP sich an diesem Geschäft beteiligt, ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht ihrer eigenen Rhetorik, sondern diese Vorräte sollten im Zeitalter des Klimawandels überhaupt nicht gefördert werden", sagte ein Greenpeace-Sprecher dem britischen "Independent".
Der Öffentlichkeit präsentiert sich der Mineralölkonzern BP als umweltfreundliches Unternehmen. Auch in Werbe-Kampagnen konzentriert sich BP mit dem Slogan "beyond petroleum" (dt. "nach dem Öl") auf das Saubermann-Image: Engagement in umweltfreundlichen Technologien und Maßnahmen zum Umweltschutz werden hervorgehoben. Tatsächlich hat sich BP neben dem klassischen Mineralölgeschäft verstärkt im Bereich alternativer Energieträger engagiert. Bis 2015 will der Ölkonzern acht Mrd. US-Dollar in die Erforschung dieses Bereichs investieren.
Kratzer am Öko-Image
Unbestreitbar hat der Konzern, der mit einem ökologisch inspirierten Sonnensymbol wirbt, seit den 90er Jahren Maßstäbe beim Umweltschutz gesetzt. So testete BP ein eigenes System zum Handel mit Emissionsrechten, das später der EU als Vorbild diente. Weiters führte man Tankerschiffe mit Doppelhülle ein, die das Risiko von Ölkatastrophen verringern - noch bevor dies gesetzlich vorgeschrieben war.
Als 2005 in Texas bei der Explosion einer Raffinerie 15 Menschen starben, hinterließ das erstmals Kratzer im wohl gepflegte Ökoimage von BP. Im Jahr darauf liefen rund eine Mio. Liter aus einer Pipeline in Prudhoe Bay in Alaska. Damals wurde offenbar, dass BP seine eindrucksvollen Öko-Versprechen nicht halten kann.
"Sauberes" Erdgas für "schmutziges" Öl
Umweltschützer kritisieren besonders, dass "sauberes" Erdgas für die Gewinnung von "schmutzigem" Öl aus Teersand verwendet wird. Die Teersandindustrie verbraucht laut dem „Natural Resources Defense Council“ der USA täglich so viel Erdgas, wie für die Beheizung von vier Mio. US-Haushalten nötig ist.
BP hat mittlerweile eingestanden, dass die angewendete Abbaumethode "zweifellos energieintensiv" ist. Man werde mehr CO2 pro Barrel produzieren als mit herkömmlichen Mitteln der Erdölförderung. Um ein Barrel Öl zu gewinnen, benötigt man laut WWF zudem zwei bis viereinhalb Barrel Wasser aus dem Athabasca-Fluss. Der Wasserspiegel droht stark zu sinken.
Rentabilitäts-Schwelle steigt
BP muss auch aufpassen, nicht auf Sand zu bauen. Bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar ist der Abbau wirtschaftlich rentabel. Aber die Industrie klagt über Kostensteigerungen. Die Preise für Rohstoffe wie Stahl sind gestiegen. Der hohe Bedarf an Erdgas schafft zudem Engpässe auf dem Erdgasmarkt. Auch nicht abzusehen ist, mit welchen Kosten in einigen Jahren der CO2-Ausstoß zu Buche schlagen wird. Analysten von CIBC Worldmarkets schätzen, dass die Rentabilitätsschwelle, die noch vor kurzem bei einem Ölpreis von 40 US-Dollar pro Barrel lag, für neue Investitionen bereits bei 65 Dollar liegen könnte. (phu)
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