GRAZ/WIEN (ku). Tiermehl war früher ein begehrtes Material. Die abgekochten und eingedampften Reste von Schlachttieren lieferten ein dringend benötigtes Eiweißfutter. Seit der BSE-Krise ist das anders: Vor sechs Jahren wurde in der EU die Verfütterung von Tiermehl verboten – denn es steht im dringenden Verdacht, „Prionen“ – die mutmaßlichen BSE-Erreger – weiter zu verbreiten. Seither ist Tiermehl eine große Last: Ein Teil kann zwar beispielsweise in der Zement-Industrie zur Energieerzeugung genutzt werden, der Großteil muss aber als gefährlicher Abfall teuer entsorgt werden.
Die Mengen, um die es dabei geht, sind gewaltig: So fallen in Österreichs Schlachthöfen jährlich 7000 Tonnen Rinderfüße an. Oder 4200 Tonnen Darmschleimhäute von Schweinen. Die Schlachtabfälle von Rindern und Schweinen summieren sich auf gut 83.000 Tonnen. Dazu kommt eine laut Experten „ähnliche Größenordnung“ an Reststoffen, die bei der Fleischverarbeitung anfällt.
Das Verheizen von Proteinen und Fetten ist jedenfalls nicht das Optimum – meinen zumindest Forscher der beiden Grazer Universitäten. Dafür seien sie zu wertvoll – schließlich bestehen sie aus hochwertigen Proteinen und Fetten, bei denen es zu schade sei, dass sie „zu einem Problemstoff degradiert“ würden, schreiben sie im Bericht zum Forschungsprojekt „Tierreststoffverwertung“.
Wertstoff statt Abfall
Die Forscher schlagen viel intelligentere Verwertungswege vor: nämlich als Grundstoff zur Herstellung von Bio-Plastik sowie zur Produktion von Biodiesel. Ansetzen müsste die Auskopplung aus dem Abfallstrom für die stoffliche Verwertung schon im Schlachthof – denn die Tierreststoffe sind sehr heterogen. Nieren beispielsweise müssen völlig anders verarbeitet werden als Hufe. Zuerst werden Proteine von Fetten getrennt. Das kann durch Extraktion mit Lösungsmitteln geschehen, die Fette können dann problemlos zu Biodiesel verarbeitet werden. Die Proteine auf der anderen Seite werden durch eine sogenannte „saure Hydrolyse“ aufbereitet: Dabei werden die Eiweißmoleküle teilweise abgebaut. Aus dem erhaltenen Hydrolysat kann mit Hilfe von Mikroorganismen der Bio-Kunststoff Polyhydroxyalkanoat (PHA) hergestellt werden.
PHA ist technologisch ausgereift, produzieren lassen sich unter anderem Folien oder Behälter – die biologisch abbaubar sind. Bei allen untersuchten Varianten sei sicher gestellt, dass die BSE-erregenden Prionen zerstört werden, versichern die Forscher.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2007)

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