Die Hypothekenkrise macht's möglich: Häuser sind derzeit in den USA zum Schnäppchenpreis zu haben. Die Gebäude fast neu und leerstehend, die Preise im Sinkflug - das lockt Käufer vor allem aus dem benachbarten Kanada in Scharen ins Land. Einen zusätzlichen Schub erhält der Immobilienrausch vieler Kanadier durch den Kursverfall des US-Dollars, der erstmals seit 1976 wieder auf das Niveau des kanadischen Dollar abgerutscht ist. Und nicht nur Besser-, sondern auch Normalverdiener aus Kanada zieht es gen Süden.
Jeff Russell, frischgebackener Hausbesitzer
"Eigentlich wollte ich hier ja einen 7er BMW kaufen, da die Autos in den USA unglaublich billig sind ", erklärt der Kanadier Jeff Russell, frischgebackener Besitzers eines Hauses in Scottsdale, Arizona. "Doch dann wurde mir schnell klar: Vergiss die Autos, Häuser sind im Sonderangebot." Für 299.000 Dollar (206.000 Euro) kaufte er sich ein schmuckes Haus gleich neben einem Golfplatz. "Für diesen Preis könnte ich in der Nähe eines so schönen Golfplatzes in Kanada nie etwas bekommen."
Doppelt so viele Häuser am Markt wie vor zwei Jahren
In Arizona sind derzeit nach Einschätzung von Marktbeobachtern etwa doppelt so viele Häuser auf dem Markt wie vor zwei Jahren, kurz vor dem Zerplatzen der US-Immobilienblase. Kanadische Immobilienmakler, die ein gutes Geschäft wittern, lassen sich in den USA nieder.
Einer von ihnen ist Rick Morielli, der von Toronto nach Phoenix gezogen ist und seit November Besitzer einer Green Card ist. Morielli stellte eine Web-Seite für kanadische Immobilieninteressenten ins Netz, schaltete einige Anzeigen in kanadischen Zeitungen und hatte im Handumdrehen ein dutzend Kunden, die nach Häusern suchen.
"Wow-Faktor für Kanadier"
"Für Kanadier gibt es in den USA einen 'Wow'-Faktor", berichtet Morielli. "Wenn ich sie zu brandneuen Wohneinheiten führe, und sie für 210.000 Dollar vier Schlafzimmer, 186 Quadratmeter Wohnfläche und nagelneue Elektrogeräte bekommen können, dann ist das etwas, was sie seit zehn, fünfzehn Jahren in Kanada nicht mehr kaufen konnten." Und fügt hinzu: "Meiner Meinung nach sollte jeder jetzt kaufen."
Auch die kanadische Kauflust wird den Preisverfall bei US-Immobilien nach Ansicht des Immobilienexperten Elliott Pollack nicht stoppen. "Wir haben ein massives Überangebot angesichts der niedrigen Nachfrage", sagt Pollack. "Man wird diese überzähligen Wohneinheiten erst einmal abarbeiten müssen. Und das wird noch zwei bis drei Jahre dauern." (Ag./Red.)
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