Hoher Ölpreis hilft CO2-Bilanz

27.12.2007 | 18:20 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Laut Wifo liegen die negativen Auswirkungen des Ölpreisschocks auf das Wirtschaftswachstum unter den Befürchtungen. Außerdem wurde der CO2-Ausstoß gebremst.

(c) AP

wien. Zwischen 2004 und 2007 stieg der Ölpreis im Jahresdurchschnitt von 38 auf 72,5 Dollar je Fass (zu 159 Liter). Dies war einer der stärksten Anstiege des Ölpreises in der Geschichte des Industriezeitalters. Trotzdem lagen die Effekte auf das heimische Wirtschaftswachstum deutlich unter den Befürchtungen der Ökonomen. Laut einer Berechnung des Wifo kostete der Ölpreisschock mit 0,2 Prozent Wachstum pro Jahr nur die Hälfte des von internationalen Organisationen erwarteten Wertes. Im Gegenzug profitierte die heimische CO2-Bilanz von den hohen Preisen. Sie bremste den Ausstoß des klimaschädlichen Gases erheblich.


CO2: Kein Minus, aber Dämpfung

„Durch den Preisanstieg kam es zwar zu keinem Rückgang, aber zu einer einer deutlichen Dämpfung des Wachstums der Kohlendioxid-Emissionen“, sagt Kurt Kratena vom Wifo. So stieg der jährliche CO2-Ausstoß zwischen 2005 und 2007 zwar um 800.000 Tonnen auf knapp über 80 Mio. Tonnen an. Laut der Szenario-Berechnung des Wifo sind die Emissionen damit aber dennoch um drei Mio. Tonnen unter jenem Wert, den sie ohne Preisschock an den Energiemärkten erreicht hätten.

„Wir sehen an Hand unserer Berechnungen, dass die höheren Preise direkte Effekte auf den Verbrauch haben. Das wurde ja nicht immer so gesehen“, sagt Kratena. Vor allem bei der Industrie und der Energieversorgung seien die Emissionen um zwei Mio. Tonnen geringer ausgefallen als im Jahr 2005 errechnet wurde. Absolut fallen in diesem Bereich rund die Hälfte der heimischen CO2-Emissionen an. Beim Verkehr – der für ein Drittel des gesamten Ausstoßes verantwortlich ist – reduzierten sich die Emissionen um 800.000 Tonnen. Die geringste Reduktion – 300.000 Tonnen – gab es beim Kleinverbrauch, wie den privaten Heizungen. In diesem Bereich fallen knapp 20 Prozent der CO2-Emissionen an.

Dies zeige, dass auch der Verkehr – der bislang als resistent gegen Preiserhöhungen galt – auf die jüngsten Erhöhungen reagiert hat. „Beim Dieselverbrauch gibt es zwar immer noch einen Zuwachs. Dieser fällt mit rund einem Prozent pro Jahr aber deutlich geringer aus als vor wenigen Jahren, als das Wachstum drei bis vier Prozent betrug“, sagt Kratena.

Eine Dämpfung erlitt durch die gestiegenen Energiepreise allerdings auch das Wirtschaftswachstum. Allerdings fiel hierzulande der Effekt nur halb so stark aus, wie laut internationalen Organisationen wie der OECD befürchtet wurde. „Diese gingen von einer Verringerung des Wirtschaftswachstums um 0,4 Prozent pro Jahr aus“, meint Kratena.


Doch mehr Geld für Konsum

Der Grund für die geringere Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum sei wiederum im gesunkenen Verbrauch zu finden. „Da die Nachfrage zurückgeht, fällt der absolute Kostenschock geringer aus. Dadurch bleibt mehr Geld für den sonstigen inländischen Konsum als erwartet wurde“, so Kratena. Insgesamt verringerte sich der private Konsum aber dennoch um 0,5 Prozent. Die Beschäftigung fiel um 0,3 Prozent geringer aus. Wenn der Ölpreis nun stabil auf hohem Niveau bleibt, werden sich aber sämtliche Dämpfungseffekte halbieren.

AUF EINEN BLICK

Der hohe Ölpreis hat laut Wifo auch positive Effekte. So fiel das Wachstum der CO2-Emissionen deutlich geringer aus.

Auch die negativen Effekte auf das Wirtschaftswachstum waren mit 0,2 Prozent nur halb so hoch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2007)


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