
Wien. Noch vor knapp einem Monat tönte die Führungscrew der slowakisch-österreichischen Billig-Fluglinie SkyEurope vollmundig: „Wir glauben, wir kommen ohne Kapitalspritze über den Winter“, sagte Finanzvorstand Nick Manoudakis, und sein Vorstandskollege Christian Mandl ergänzte, die Firma habe „keine Liquiditätsprobleme“. Analysten und Beobachter der Luftfahrtszene teilten diesen Optimismus angesichts des traditionell flauen Wintergeschäfts in der Fliegerei, des negativen Eigenkapitals und der dünnen Kapitaldecke von 11,6 Mio. Euro, die SkyEurope zum Ende des Geschäftsjahres 2006/07 (30. September) aufwies, nicht.
Jetzt, drei Tage vor dem Jahreswechsel, sollte sich die unter anderem von den UniCredit-Analysten geäußerte Meinung bestätigen, dass es unwahrscheinlich sei, dass es die Fluglinie ohne Kapitalspritze durch den Winter schafft. Am Freitag hat SkyEurope vom Hauptaktionär York ein Darlehen von 15 Mio. Euro erhalten.
Kurs stürzt weiter ab
„Das Geld versorgt SkyEurope mit der notwendigen Liquidität, um den Turnaround zu schaffen, ohne die Anteile der Aktionäre mittels einer Kapitalerhöhung zu verwässern“, ließ die Fluglinie wissen. Eine Kapitalerhöhung wäre auch schwer möglich: Der Aktienkurs ist nach einem kurzen, durch Übernahmegerüchte ausgelösten Höhenflug im März konsequent gefallen und näherte sich am Freitag mit weiteren Abschlägen dem Jahrestief der Vorwoche von 1,70 Euro. Außerdem hält der Fonds York bereits 29,9 Prozent und müsste ab 30 Prozent ein Übernahmeangebot legen.
„Das Darlehen bestätigt das Vertrauen, das uns York als langfristiger Investor entgegensetzt“, betonte SkyEurope-Chef Jason Bitter. Man werde das Geld auch dazu verwenden, um weiter in das Wachstum zu investieren.
Das rasche Wachstum hat die Fluglinie, die seit dem Frühjahr auch von Wien startet, aber in die finanzielle Schieflage gebracht. Die Passagierzahlen wuchsen schnell, die Flotte wurde entsprechend aufgestockt, aber die Profitabilität verbesserte sich nicht im selben Ausmaß. Schon 2006 wurde es eng. Mit York fand sich ein potenter Financier, der 57 Mio. Euro in das Unternehmen einschoss und die Pleite abwendete.
Nun hat York noch einmal in die Tasche gegriffen – nicht das erste und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal, meinen Beobachter. Denn die im Terrorjahr 2001 gegründete Fluglinie hat wohl im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres ein positives Betriebsergebnis (Ebit) von 14,3 Mio. Euro eingeflogen und im Gesamtjahr den Verlust auf 24,1 Mio. Euro mehr als halbiert. Aber der Weg in die Gewinnzone ist hart und lang. Und er wird nicht nur von der Effektivität des bereits eingeleiteten Sparprogrammes bestimmt, sondern vor allem auch vom Ölpreis. Mangels Liquidität kann sich SkyEurope eine Absicherung (Hedging) gegen steigende Ölpreise nicht leisten, jede weitere Verteuerung des Kerosins trifft die Fluglinie daher ins Mark. Mit dem Erlös aus dem Verkauf von zwei neuen Boeings im Oktober ist es zumindest gelungen, das negative Eigenkapital wegzubringen.
Übernahme-Schnäppchen?
Die Börse glaubt offenbar auch noch nicht, dass SkyEurope schon die richtige Flughöhe erreicht hat. Der Sturzflug der Aktie hat den Börsewert seit Jahresbeginn um fast 40 Prozent auf 77 Mio. Euro gedrückt. SkyEurope sei ein Schnäppchen und eine Übernahme nicht ausgeschlossen – allerdings müsste dann York aussteigen, heißt es in Finanzkreisen.
SkyEurope hat vom Großaktionär York ein Darlehen über 15 Mio. Euro erhalten. Die defizitäre Billig-Fluglinie schafft es damit, über den im Fluggeschäft traditionell flauen Winter zu kommen. Zwei Flugzeuge wurden bereits im Oktober verkauft, um das negative Eigenkapital wieder in den schwarzen Bereich zu drehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2007)

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