Kreditkrise: Großbanken stehen mit dem Rücken zur Wand

14.01.2008 | 18:13 |   (Die Presse)

Amerikas Nummer eins, die Citigroup, schreibt Megaverlust und dürfte tausende Jobs streichen. Merrill Lynch sucht ebenfalls nach finanzieller Unterstützung.

New York (red/ag). Bis zu 24 Mrd. Dollar (umgerechnet 16,2 Mrd. Euro) muss die Citigroup für das vierte Quartal 2007 abschreiben, berichtet der Fernsehsender CNBC. Die größte US-Bank legt heute, Dienstag, ihre Zahlen vor – und sie werden wegen der Immobilienkrise tiefrot ausfallen. Analysten rechnen mit einem Quartalsverlust von etwas mehr als vier Mrd. Dollar.


Kapitalspritze aus China wackelt

Die Finanzkrise wird auch zu einem personellen Kahlschlag führen. Die Citigroup überlegt Insidern zufolge, 20.000 ihrer rund 330.000 Jobs zu streichen. Die Dividende dürfte gekürzt oder ganz gestrichen werden.

Laut Medienberichten braucht die infolge der Kreditkrise angeschlagene US-Bank dringend frisches Kapital. Bereits im November war der milliardenschwere Ölfonds von Abu Dhabi bei der Citigroup eingestiegen. Er hatte für 7,5 Mrd. Dollar knapp fünf Prozent der Bank erworben. Doch nun sind offenbar zusätzlich bis zu 14 Mrd. Dollar nötig. Ein Teil des Geldes – die Rede war von bis zu neun Mrd. Dollar – sollte von chinesischen Investoren kommen. Doch innerhalb der Regierung in Peking gibt es dem Vernehmen nach Widerstand gegen die Finanzspritze für die US-Großbank.

Am Donnerstag dieser Woche legt die US-Investmentbank Merrill Lynch die Zahlen für das vierte Quartal 2007 vor und auch hier rechnen Analysten mit einem saftigen Verlust. Er dürfte bei rund 3,2 Mrd. Dollar liegen. Die Schätzungen über die notwendigen Abschreibungen bei Merrill Lynch erreichen Summen von bis zu 15 Mrd. Euro.


Auch Merrill Lynch braucht Geld

Merrill Lynch sucht ebenfalls nach finanzieller Unterstützung. Dem Vernehmen nach wird die Bank demnächst eine Finanzspritze in Höhe von vier Mrd. Dollar bekommen. Ein Teil des Geldes könnte aus Kuwait kommen. Bereits im Dezember hatte sich Merrill Lynch bis zu 7,5 Mrd. Dollar frisches Geld gesichert. Damals stiegen ein Staatsfonds aus Singapur und eine Fondsgesellschaft ein. Eine weitere US-Großbank präsentiert am Donnerstag ihre Zahlen: Bei JP Morgan Chase rechnen Analysten mit einem Quartalsverlust von 3,2 Mrd. Dollar.

Nicht existenzbedrohend, aber dennoch unangenehm: Merrill Lynch ist ins Visier der US-Börsenaufsicht geraten. Der Vorwurf lautet auf „Frontrunning“. Angestellte der Bank haben sich demnach in den Jahren 2002 bis 2005 im voraus mit Aktien eingedeckt, bevor sie Kundenaufträge ausführten.

Die Börse hat bereits heftig auf die Milliardenverluste reagiert. Der Kurs der Citigroup-Aktie rauschte seit Jänner 2007 um 47 Prozent in die Tiefe, Merrill Lynch verlor 43 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2008)


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1 Kommentar
 
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Von Johnny am 15.01.2008 um 07:46

Ist ja klar

Amis Banken gehen nacheinander pleite die europäischen Banken pumpen Geld wie wild rein und dann wundern sich wenn die Bankrott sind.

 
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