Private Hausbesitzer und Finanzunternehmen dürften die Immobilienkrise in den USA bis jetzt am stärksten gespürt haben. Nun kommen offensichtlich auch Casinos in Las Vegas dazu. Ein prominentes Opfer ist das Cosmopolitan Resort & Casino.
Das Projekt umfasst ein stolzes Volumen von drei Milliarden Dollar. Das Geschäftsmodell von Cosmopolitan ist einfach: Neben einem Casino im Haus werden insgesamt knapp 3.000 Luxuszimmer erstellt und einzeln an Privatinvestoren verkauft. Diese vermieten die Zimmer an Besucher und teilen sich die Einnahmen mit der Casinoverwaltung. Seit drei Jahren wurde an der Anlage gebaut, und 2009 sollte am noblen Las Vegas Strip die Eröffnung sein, der ersten Adresse in der glitzernden Stadt des Glücksspiels.
"Der Markt hat sich verändert"
Der Plan klingt zunächst vielversprechend. So sind die Appartements des CityCenters in direkter Nachbarschaft bereits zur Hälfte verkauft und haben dem Träger MGM Mirage bis jetzt 1,6 Milliarden Dollar eingebracht. Auch die Zimmer der Panorama Towers hätten sich in der Vergangenheit bestens verkauft, zitiert der Sender CNN den beteiligten Bauunternehmer Laurence Hallier. Doch Hallier relativiert: "Der Markt ist nicht mehr so, wie er vor einem oder anderthalb Jahren gewesen ist."
Das kann der Bauträger des Cosmopolitan, das Unternehmen 3700 Associates LLC, sicher bestätigen. Denn das Projekt scheint inzwischen am Ende zu sein - 3700 Associates LLC kann einen Kredit in Höhe von 760 Millionen Dollar (514 Millionen Euro) nicht mehr zurückzahlen. Der Leidtragende ist in diesem Fall die Deutsche Bank.
Auf der Suche nach Geld
Weil der Kreditnehmer damit seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, eröffnet sich für die Deutsche Bank eigentlich die Option, als Teilhaber des Casinos einzusteigen. Allerdings dürfte diese Option für die Deutsche Bank wenig attraktiv sein. Der Zeitung "Las Vegas Sun" zufolge gilt die Beteiligung zusätzlicher Geschäftspartner an einem Casino als ein langwieriges und umständliches Unterfangen, weil dazu eine Spiellizenz neu erworben werden muss.
Also hat sich die Deutsche Bank zusammen mit Merrill Lynch, einem anderen Kreditgeber des Cosmopolitan, auf die Suche nach neuen Geldgebern begeben.
Der Chef von 3700 Associates LLC, Ian Bruce Eichner, versucht alles zu erklären: "Dieser Entschluss unserer Geldgeber kommt für uns nicht überraschend. Die Vorgänge auf dem Immobilienmarkt geraten außer Kontrolle. Entsprechend haben wir uns auf einen solchen Schritt bereits vorbereitet." Laut dem "Wall Street Journal" tourt Eichner seit Wochen durchs Land, um neue Geldgeber zu finden.
Die Frage nach dem Problem
Andere Bauträger schweigen lieber zum Thema, um ihre bereits verunsicherten Geldgeber nicht endgültig zu verlieren, berichtet "Las Vegas Sun" und nennt hier das Unternehmen Harrah's Entertainment, welches gegenüber den Beteiligungsgesellschaften Apollo Management und Texas Pacific Group verpflichtet ist.
Doch die Zahlen der Marktforschung sprechen eine deutliche Sprache. Letzten Dezember wurden 167 Appartements verkauft - ein Einbruch von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, zitiert CNN das Institut Applied Analysis. Auch Brian Gordon, Chef von Applied Analysis, äußerte sich zum Thema: "Die Frage bleibt: Ist das ein Problem des Projekts oder des Markts?"
Die Deutsche Bank wird sich diese Frage kaum mehr stellen wollen.
(red)
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