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„Manager handeln oft wie der Wilde auf der Maschin'“

22.01.2008 | 18:33 |   (Die Presse)

DISKUSSION. Unternehmer und Manager brauchen Visionen. Wenn diese nicht verstanden werden, nützen sie wenig, meinen Experten.

Wien (b.l.). Viele Manager machten es wie Helmut Qualtingers „Wilder mit seiner Maschin'“, stellte Andreas Rudas, Executive Director der WAZ Ost Holding, fest. Der Wilde wisse nicht, wohin er mit seinem Motorrad fahre, aber er wolle schneller dort sein. So mancher Unternehmer oder Manager habe auch keine Vision, aber er setze irgendwelche Aktivitäten.

Dass Unternehmer und Manager Visionen für ihre Firma brauchen, darin waren sich die Diskutanten der Gesprächsrunde „From Vision to Action: The Business Perspective“ einig. Auch für ihre eigenen Firmen wollen die fünf Manager – neben Rudas Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl, Stefan Gubi vom Mikrofon-Hersteller AKG Acoustics, Mondi-Chef Peter Oswald und Alfred Steinherr von der European Investment Bank– sowie der ungarische Politiker Tibor Szanyi Visionen hegen.


Visionen sind langfristig

Dass Visionen langfristiger als Strategien sind, stieß auf einhellige Zustimmung. Was genau eine Vision sei, dagegen weniger. Eine Vision beinhalte den Willen, kalkuliertes Risiko auf sich zu nehmen, meinte Oswald und verwies auf die Expansion seines Unternehmens nach Osteuropa und in die Türkei. Für Gubi gehört zu einer Vision der Wille, „zu guten Ideen nein zu sagen, um großartige zu verwirklichen“. So will er den Marktanteil steigern.

Steinherr erinnert sich, dass er es als Visionär in einer etablierten Institution wie seiner Bank nicht immer leicht hatte. Als er in den achtziger Jahren ein Risikomanagement für die Bank urgierte, hielt man ihm entgegen: „Wir haben bis jetzt ganz gut ohne ein solches überlebt.“ Heute sei es gang und gäbe geworden, dass Banken ein Risikomanagement haben.


Horizont oft nicht weit genug

Das Problem bei etablierten Unternehmen und Institutionen sei, dass die Manager oft schon 63 Jahre alt seien und ihr Horizont damit nur noch zwei Jahre betrage, meint Steinherr. Auch der Horizont der Aktionäre umfasse meist nicht die nächsten Jahrzehnte. Visionen seien aber, im Gegensatz zu Strategien, langfristige Angelegenheiten.

Raidl wies zurück, dass er mit 65 Jahren keine Visionen mehr für Böhler hätte. Zugleich relativierte er die Bedeutung von Visionen: „Visionen sind wichtig, aber ebenso wichtig ist, dass jeder einzelne Mitarbeiter weiß, was seine Mission ist“, sagte Raidl. Vor 15 Jahren sei die Vision für Böhler gewesen, zu überleben. Die Mission der Mitarbeiter lautete „Spart Kosten und verkauft Stahl“. Heute bestehe die Vision unter anderem darin, Nummer eins zu sein und unfallfrei und kundennah zu arbeiten.


Vision muss verstanden werden

Dementsprechend habe sich auch die Mission der einzelnen Böhler- Mitarbeiter verändert. „Viele Unternehmen haben aber auf der Homepage eine Vision und handeln ganz anders“, meint Raidl. Grund sei, dass der einzelne Mitarbeiter nicht wisse, was er mit der Vision zu tun habe.

Zustimmung erhielt der Böhler-Chef vom sozialistischen ungarischen Parlamentarier Szanyi. Es gehe darum, Ideen zu entwickeln, die von den Leuten verstanden werden. Als Beispiel führt er das Steuersystem an: Versuche man, dieses möglichst gerecht zu machen, gebe es viele unterschiedliche Sätze, und das System werde kompliziert und intransparent. „Ich bin kein Freund der Flat Tax, aber ich muss zugeben, dass es funktioniert: Denn die Leute verstehen, was es ist.“ Doch als er zuletzt von der Lissabon-Strategie der EU gesprochen habe, bei der es sich um eine große Vision handle, habe ihn seine Frau gefragt: „Glaubst du eigentlich, dass die Leute verstehen, was das ist?“

COM.SULT 08: WHO IS WHO

Peter Oswald, Mondi Europe & International, Roland Pirker, Infoscreen, Gustav Poschalko, ÖBB, Thomas Prantner, ORF, Claus J. Raidl, Böhler-Uddeholm, Helmut Raunig, UNIQA Human Resource-Service, Andreas Rudas, WAZ Ost Holding, Eduard Saxinger, Asfinag, Hans Jörg Schelling, Wirtschaftskammer, Klaus Schierhackl, Asfinag, Gernot Schieszler, Telekom Austria, Gerhard Schilling, Almdudler Limonade, Oliver Schmerold, Alcatel-Lucent Austria AG, Elgar Schnegg, Sandoz Commercial Operations Austria, Georg Schönherr, Schwarz Schönherr Rechtsanwälte, Renée Schröder, Austrian Science Fund, Alexander Schuster, Nokia Siemens Networks, Helmut Schwager, Constantia Packaging, Winfried Schwarz, Schwarz Schönherr Rechtsanwälte, Johannes Schwertner, Sandoz International, Georg Serentschy, RTR, Brad Smith, Kennedy Information, Veit Sorger, Industriellenvereinigung, Alfred Steinherr, European Investment Bank, Christian Stieglitz, Telekom Austria, Christian Stiglitz, Altstoff Recycling Austria, Manfred Stockmann, C.M.B.S. Management Consulting, Petra Stolba, Österreich Werbung, Tibor Szanyi, Patricia Szarvas, CNBC Europe, Karim Taga, Arthur D. Little, Josef Trimmel, Telekom Austria, David Ungar-Klein, Create-Connections, Wolfgang Unterhuber, Wirtschaftsblatt, Georg Wagner, Spirit Design, Gerhard Wanek, PIDAS, Alexander Wrabetz, ORF, Nicolette Wuring, UPC Broadband, Frank Zelger, Sunrise Johann Zemsky, Austro Control, Franck Thery, CEPI Management, Peter Hajek, Peter Hajek Public Opinion Strategies, Stefan Höffinger, Arthur D. Little Austria, Niels Schnecker, Schnecker van Wyk & Pearson, Dorin Dragoi, Standard Group, Stephane Schein, Eurotehnic Industries, Danielle Fuchs, Spiegelfeld International S.R.L, Peter Skalitzky, TU Wien

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2008)


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