26.05.2012 22:30 | Meine Presse Merkliste 0

Einheitlicher Zahlungsverkehr kommt: Kampfansage an Bargeld

28.01.2008 | 12:47 |   (DiePresse.com)

Ab heute soll das Großprojekt Sepa den europäischen Zahlungsverkehr revolutionieren. Und ganz nebenbei auch die Liebe der Europäer für Bargeld verdrängen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Am heutigen Montag starten Europas Banken ein Großprojekt, das den europäischen Zahlungsverkehr von Grund auf umstrukturieren soll. Mit dem gemeinsamen Zahlungsverkehrsraum Sepa (Abkürzung für "Single Euro Payments Area") soll das bargeldlose Bezahlen über Ländergrenzen hinweg einfacher und schneller werden. Mittelfristig soll es dazu keine Unterscheidungen mehr zwischen In- und Auslandsüberweisungen geben.

"Das ist keine alltägliche Situation, das kommt einem Quantensprung gleich und reicht an die Euro-Einführung heran", kommentierte Herbert Pichler, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich, den Start des Großprojekts.

Wer also in Zukunft Geld ins Ausland überweist, weil etwa seine Kinder in einem anderen europäischen Land studieren, die Ferienwohnung in Spanien abbezahlt wird, dann dauert das jetzt nur noch drei Tage. Bisher musste man etwa eine Woche warten. Allerdings bedeutet das für die Bankkunden auch, bei Auslandsüberweisungen neue Kontonummern von 31 Zeichen ausfüllen zu müssen.

Die hohen Kosten des Bargeldsystems

Ein wichtiges Ziel des Projekts ist offensichtlich auch, den Europäern die Bargeldzahlungen abzugewöhnen. "Sepa wird nicht automatisch das Zahlungsverhalten verändern. Aber Sepa ist eine Gelegenheit, auf die Probleme von zu hohem Bargeldgebrauch hinzuweisen", sagte Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, gegenüber  "Financial Times Deutschland".

Tumpel-Gugerell kritisierte vor allem die hohen Kosten, die das Bezahlen mit Bargeld den Banken verursacht. "Ich würde es vorziehen, wenn Banken das Geld, das sie für die Bereitstellung und Bearbeitung von Bargeld ausgeben, in die Entwicklung ihrer Systeme und neuer Produkte investieren könnten." Nach den Worten von Tumpel-Gugerell werde allerdings die Umstellung von Bargeld auf Kartenzahlung viel Zeit in Anspruch nehmen.

Europäer lieben Bargeld

Die Europäer haben eine besondere Vorliebe für Bargeld. Die Zahl der Euro-Banknoten wächst jedes Jahr weiter, der größte Teil aller Zahlungen werden mit Bargeld getätigt.

Tumpel-Gugerell nennt den Versuch der Steuervermeidung und Sorgen um den Datenschutz als Gründe für diese Vorliebe. Vor allem aber würden die Europäer befürchten, dass bargeldlose Zahlungen sie zu übertriebenen Ausgaben verleiten könnten: "Die Leute denken, dass sie mehr Kontrolle haben, wenn sie Bargeld benutzen - man kann nicht mehr ausgeben, als man hat. Sie sind es nicht gewohnt, Schulden auf ihren Kreditkarten zu machen." Das sei bei US-Amerikanern anders.

700 österreichische Banken nehmen teil

An Sepa nehmen 31 Länder teil, darunter alle 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie Liechtenstein, Norwegen, Island und die Schweiz. Sepa soll Motor für die weitere wirtschaftliche Integration Europas werden und vor allem den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr unterstützen.

Aus Österreich haben sich nach Pichlers Worten insgesamt 700 heimische Institute zur Teilnahme verpflichtet, nur wenige Spezialbanken werden sich nicht an Sepa beteiligen. Europaweit haben sich 5.000 der rund 8.000 Banken zur Teilnahme verpflichtet.

Die Banken wollen die neuen Instrumente ab 2008 nach und nach anbieten. Bis 2011 sollen alle Neuerungen eingeführt werden. Allerdings bleiben zumindest vorerst auch die vertrauten Zahlungswege gültig: Einen Termin für die Abschaffung der alten Systeme gibt es nicht.

(Ag./Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

10 Kommentare
Gast: spf
29.01.2008 13:32
0 0

Überwachung

Ich stimme den kritischen Stimmen zu.
Mit der Abschaffung des Bargeldes wird die totale Überwachung ermöglicht. Und was möglich ist, wird früher oder später auch umgesetzt.
Es wird Zeit, sich politisch gegen diesen Schwachsinn der ersten Stufe der Bargeldabschaffung zu organisieren


0 0

Kosten für Bargeldverkehr könnte genauso Gewinnposten für Zahlungsverkehr heißen (z. B. via Werbung auf Bargeld), auch verdängt die OeNB absichtlich, dass 10 Mrd. Schilling (soviel hat der Druck ALLER Scheine bisher sicher nicht gekostet) wie vom Erdboden verschluckt sind und gar nie in Euro getauscht werden werden, was als Gewinn bei der OeNB liegen bleibt; es geht hier rein um die Einführung des totalen Überwachungsstaates über die Hintertür Giralgeld bzw. Abschaffung von Bargeld

Die höheren Kosten von Bargeld gibt es in Wahrheit sowieso nicht, wenn man die Nachteile von Giralgeld, wie die Verelendung von Menschen ohne gutes Zahlengedächnis, den Nettonutzenverlust an Freiheit durch Anwachsen des Überwachungsstaates und neue Möglichkeiten für Sicherheitsbargeld, das billiger aber besser als herkömmliches Bargeld ist, sieht.

Sicherheitsbargeld wurde von einem Österreicher erfunden. Es ist diebstahlsicher, ohne Konten sicher auf dem normalen Postweg übertragbar und billiger in der Herstellung und bei der Vernichtung, da der Sicherheitsaufwand bei der Herstellung reduziert werden kann, da mit einem Teil einer Banknote niemand etwas anfangen kann. Nebenbei wurden neue Werbemöglichkeiten am Schein geschaffen, die die Herstellungskosten in Herstellungsgewinne verwandeln können. Die Scheine bestehen aus händisch und maschinell zerlegbaren Schichten, die ohne Klebstoff selbsthaftend sind und ist nicht dicker als herkömmliches Bargeld sind.

Gast: Zweifler
28.01.2008 14:52
0 0

Was weiss her T.G.?

Was Hr. Tumpel-Gugerell zum Thema "Schulden auf Kreditkarten" sagt, stimmt so nur fuer Oesterreich (und vielleicht Deutschland), wo die Banken statt desse lieber an UEBERZIEHUNGSKREDITEN ("Dispo-Kredit in Deutschland") verdienen (zu aehnlich exorbitant hohen Konditionen). In Grossbritannien etwa (aber auch in Skandinavien) ist es sehr wohl ueblich, Kreditkarten ueber laengere Zeitraeume im negativen zu lassen. Je nach persoenlicher Bonitaetseinstufung sind dafuer aber auch Zinsen von 15% ("guter Durchschnitt") bis 36% und mehr (pro Jahr gerechnet) faellig... In vielen anderen Laendern (auch in Deutschland) sind Zahlungen mit "Maestro" (oder aehnlichen Systemen) oder Barabhebungen bei anderen als der "eigenen" Bank mit zusaetzlichen Kosten verbunden, was mit ein Grund ist, warum man lieber "Bargeld" mitnimmt. Von der leider auch verbreiteten Methode, Kredit- oder Bank-Kartenzahlungen erst ab bestimmten Mindestgrenzen zu akzeptieren, soll hier gar nicht erst die Rede sein.

0 0

Re: Was weiss her T.G.?

"Hr.Tumpel-Gugerell " ist eine Frau mit dem Vornamen "Gertrude".

phuter
28.01.2008 13:27
0 0

Na Hauptsache die Banken sparen sich die hohen Kosten...

Die tun mir ja sooo leid.
Erlagscheingebühr - 3€ aufwärts
Buchungszeilen verrechnen (macht der Computer aber eh selber)
Kontoführungsgebühren.

Als ich neulich einen Strafzettel bei der BAWAG eingezahlt hatte wollte der Beamte mein Geburtsdatum und Namen wissen - eine EU Vorschrift - tatsächlich leiten die das an die Amis weiter - denn in der PSK wollten sie das später nicht wissen.

Wir werden jetzt komplett versklavt - zeit sich zu wehren. Holt eure Gewehre, organisiert euch -- in ganz Europa - und jagt die Bande zum Teufel.

0 0

Re: Na Hauptsache die Banken sparen sich die hohen Kosten...

Ich vermute auch, dass die Verdrängung des Bargeldes ein Versuch der totalen Versklavung der Europäer in mehreren Stoßrichtungen ist.

Erstens weiss man, dass mehr als jeder 2. Fall von Überschuldung von Privaten einfach und alleine an der Unübersichtlichkeit von Giralgeld liegt. Viele Menschen verlieren wegen Kreditkarten oder Maestrokarten die Übersicht über ihr monetäres Vermögen und geraten in die Schuldenspirale mit enormen Überziehungszins, der nicht selten 20 bis 100 mal höher ist als der Habenszins. Klar ist so etwas ein gutes Geschäft für die Banken, die gerne angebliche Kosten von sicherem Bargeld auf Konsumenten abwälzen möchten.

Dann gibt es da das Problem der Datensicherheit. Immer wieder brechen Hacker in Bankensysteme ein. Dabei wird nicht nur Giralgeld in gigantischen Summen geklaut, sondern auch Daten der Bankkunden. Die größte Schweinerei ist aber die indirekte Überwachung wie bei George Orwell. Wer z. B. KEINE Karte hat, ist jetzt schon bei US-Reisen verdächtig!

Gast: Derda
28.01.2008 12:42
0 0

"Tumpel-Gugerell nennt den Versuch der Steuervermeidung und Sorgen um den Datenschutz als Gründe für diese Vorliebe"

Sind das etwa keine guten Gründe für Bargeld, oder wo ist der "Gegenbeweis"

... aber das wahre Motiv steckt in der Aussage ... ""Sie sind es nicht gewohnt, Schulden auf ihren Kreditkarten zu machen." Das sei bei US-Amerikanern anders."

Sollen wir jetzt wie die USAmerikaner uns bis zum gehtnichtmehr mit unseren Kreditkarten verschulden, damit sich die Banken nur so an den Schuldzinsen (um die 9% aufwärts) erfreuen können, oder wie?

Peregrin
28.01.2008 12:09
0 0

Alles nur mehr elektronisch

Einfach zu ueberwachen, ungehinderter Zugriff von Polizei und Finanzamt, im Notfall auch beliebig einzufrieren oder umzuwerten oder taegliche Zahlungslimits durchzusetzen. Alles fuer den Buerger, gegen Terroristen, Kinderpornographen und Wirtschaftskrisen: Schoene Neue Welt!

Antworten Gast: Brommel
28.01.2008 13:10
0 0

Re: Alles nur mehr elektronisch

Dazu kommt : el. Autobahnueberwachung,Handypeilung,Bundestrojaner.
Es wird getrieben bis es kracht: 1848 haben sie in Wien in der Herrengasse den Polizeiminister Latour an den Laternenpfahl gehaengt. Und der guetig Ferdl hat gefragt:ja derffens denn dös??

Antworten Antworten phuter
07.04.2008 09:58
0 0

Welche Laterne...

Nehmen wir für den Platter?

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.