MANILA/WIEN. Weltweit ist der Zug zur Gentechnik in der Landwirtschaft ungebrochen: Im Jahr 2007 ist die Anbaufläche von Gen-Pflanzen um weitere zwölf Prozent auf insgesamt 114,3 Millionen Hektar gestiegen. Zum Vergleich: Das entspricht einer Fläche, die 83 mal so groß ist wie das österreichische Ackerland. Seit der Markt-Einführung der „Grünen Gentechnik“ vor zwölf Jahren ist das die zwölfte starke Zunahme in Folge (siehe Grafik).
Diese Daten hat am Mittwochabend die Biotech-Lobbying-Organisation ISAAA („Internationale Service for the Acqusition of Agri-Biotech Applications“) veröffentlicht. DieOrganisation wird vor allem von Biotech-Konzernen finanziert, die ISAAA-Daten sind aber die einzigen halbwegs verlässlichen Daten über die Verwendung von Gentechnik.
Unverändert ist die wichtigste Gen-Pflanze Soja, gefolgt von Mais, Baumwolle und Raps. Der Biosprit-Boom hat die Dynamik allerdings etwas verändert: Während die Anbaufläche von Gen-Soja weltweit stagnierte, wuchs der Anbau von Gen-Mais weit überdurchschnittlich. Das betrifft vor allem die USA, in der gigantische Mengen an Mais in die Energieproduktion gehen. Konkret: Aus sieben Mio. Hektar Gen-Mais sowie aus 3,4 Mio. Hektar Gen-Soja werden Autotreibstoffe gemacht. Die verstärkte Nutzung von Gen-Saaten für die Sprit-Produktion ist bis dato fast ausschließlich auf die USA beschränkt.
Australien testet Gen-Weizen
Den größten relativen Zuwachs gab es 2007 in Indien und China. Verantwortlich dafür ist vor allem Baumwolle: Mittlerweile stammen 42 Prozent der weltweiten Baumwoll-Produktion aus gentechnisch veränderten Pflanzen. Vor zwei Jahren waren es „nur“ 28 Prozent. Gen-Baumwolle ist resistent gegen Insekten-Schädlinge, die ansonsten schwierig zu bekämpfen sind. Besonders krass ist die Situation in China: 3,8 der 5,5 Millionen Hektar Baumwoll-Pflanzungen sind bereits mit Gen-Saaten bebaut. Das heißt, dass 69 Prozent aller in China produzierten T-Shirts oder Jeans aus Gen-Pflanzen hergestellt sind.
China gibt derzeit Vollgas in Sachen Grüne Gentechnik: Erstmals wurde im Vorjahr weltweit eine größere Menge gentechnisch veränderte Bäume – nämlich 250.000 Pappeln mit veränderter Lignin-Zusammensetzung – angebaut. Neu auf den Feldern sind Gen-Paprika und Paradeiser. Kurz vor der Zulassung sind Gen-Reis-Sorten.
Auch in anderen Ländern tut sich viel: Australien testet nun – nach einigen Dürre-Jahren in Folge – trocken-resistente Gen-Weizen-Sorten. Davor sind bisher sogar die US-Konzerne zurückgeschreckt – aus Angst vor Ressentiments der Konsumenten beim Nahrungsmittel Nummer eins. Die US-Farmer sind unverändert die größten Nutzer von Gen-Saaten, dahinter folgen Argentinien, Brasilien und Kanada. Insgesamt werden in 23 Staaten Gen-Pflanzen angebaut. In der EU ist deren Zahl auf acht angewachsen: Zu Spanien, Frankreich, Tschechien, Portugal, Deutschland, der Slowakei und Rumänien hat sich im Vorjahr Polen hinzugesellt. Frankreich und Rumänien überlegen indes den Ausstieg.
Gentechnisch veränderte Pflanzen sind gegen Unkrautvertilgungsmittel oder gegen Schadinsekten resistent. In Entwicklung sind Gen-Pflanzen, die höhere Erträge liefern oder Trockenheit besser vertragen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2008)
In Zahlen Die Erfolgsstory des sozialen Netzwerks
Top 10 Die meistverkauften Autos der Welt
Kreativ Die verrückte Welt der Werbung
Bis 2015 Die aussichtsreichsten Aktien
QUIZ Kennen Sie sich in in der Wirtschaft aus?
