26.05.2012 22:35 | Meine Presse Merkliste 0

Austrian Airlines: Lufthansa in der Warteschleife

07.03.2008 | 18:26 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die Staatsholding ÖIAG macht im Pakt mit dem Scheich Al Jaber den Weg für einen strategischen Partner offiziell frei. Für neuen Zündstoff ist gesorgt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

wien.Einmal hat Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber erzürnt die Verhandlungen abgebrochen. Das Lobbying – auch von höchster Politspitze – für den saudisch-österreichischen Milliardär dürfte letztlich gewirkt haben. Die ÖIAG hat sich mit Al Jaber am Donnerstagnachmittag über die Modalitäten für seinen Einstieg geeinigt. Die AUA bekommt also einen neuen Großaktionär und 150 Mio. Euro Kapital und kann damit ihren Alleingang – erklärtes Ziel von AUA-Boss Alfred Ötsch – fortsetzen.

Noch. Denn die Sensation an diesem Deal liegt im Detail: Erstmals schließ die ÖIAG nämlich ganz offiziell einen strategischen Partner – also eine andere Airline – für die AUA nicht aus. Im Vertrag mit Al Jaber sind nicht nur die Modalitäten des Einstiegs festgeschrieben, sondern auch die Bedingungen, zu denen Al Jaber sein Aktienpaket wieder verkaufen muss. Dabei ist erstmals – schwarz auf weiß – von einer Teil- bzw. Vollprivatisierung der AUA die Rede. Also einem Verkauf an einen strategischen Partner. Und es wird festgehalten, dass der Verkauf EU-weit ausgeschrieben wird.


Angst vor der Lufthansa

Um die Frage, ob die AUA allein überleben kann oder einen strategischen Partner braucht, toben nicht nur im Unternehmen selbst und bei ihrem Großaktionär ÖIAG, sondern in der ganzen heimischen Polit- und Wirtschaftsszene seit Jahren heftige Diskussionen. Zumindest, seit die AUA hohe Verluste schreibt. Die ÖIAG hat dazu schon vor zwei Jahren bei Unternehmensberater Roland Berger ein Gutachten erstellen lassen, das die Zukunftsperspektiven der AUA ausloten sollte. Die von der ÖIAG bis heute streng verschlossen gehaltene Expertise unterstützt die Partner-Variante.

Dabei fällt meist der Name Lufthansa. Die Befürworter führen die Swiss ins Treffen, die nach dem Konkurs von der Lufthansa übernommen worden ist und wieder satte Gewinne schreibt. Die Gegner fürchten, dass die AUA zum regionalen Zubringer degradiert und der Flughafen Wien seine Funktion als Osteuropa-Drehkreuz verlieren würde. Schon jetzt bediene die Lufthansa aus München viele Ost-Destinationen, heißt es. Ötsch hat sich klar festgelegt: Bei einem Verkauf „an die Lufthansa stehe ich nicht mehr zur Verfügung“, sagte er am 16. Februar zur „Presse“.

Jetzt geht es darum, mit Al Jaber die von ihm in Aussicht gestellte „Expansionsstory“ in den Nahen und Mittleren Osten umzusetzen. Der Vertrag soll am Montag vom ÖIAG-Aufsichtsrat und am Mittwoch vom Kontrollgremium der AUA abgesegnet werden soll. Was im Gegensatz zur Hauptversammlung ohne größere Probleme abgehen dürfte. Für das Aktionärstreffen am 7. Mai haben Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger und Aktionär Rupert-Heinrich Staller massiven Widerstand angekündigt, weil sie eine „Verschleuderung“ wittern.

Und so sieht der Pakt im Detail aus:
•Al Jaber steigt über eine Kapitalerhöhung bei der AUA ein. Er zahlt 7,10 Euro je Aktie – der Kurs der letzten Kapitalerhöhung. Das verschafft ihm bei einem Investment von 150 Mio. Euro rund 22 Prozent.
•Bei der Kapitalerhöhung gibt es entgegen ursprünglichen Plänen doch keinen Bezugsrechtsausschluss. Das heißt, dass alle Alt-Aktionäre mitziehen können. Womit eine Forderung von Rasinger und Staller erfüllt ist.
•Die ÖIAG und die mit ihr im Syndikat vertretenen Banken RZB und BA-CA ziehen nicht mit. Die Banken steigen komplett aus, der Anteil der ÖIAG sinkt von 42,75 auf rund 34 Prozent. Diese Pakete übernimmt Al Jaber, womit die für die Flugrechte wichtige nationale Mehrheit an der AUA garantiert ist. Die ebenfalls im Syndikat vertretene Wiener Städtische bleibt und stockt vielleicht sogar auf.
•Im Fall der AUA-Privatisierung muss Al Jaber seinen Anteil an die ÖIAG zurück verkaufen, wobei diese ihm zumindest den Kaufpreis von 7,10 Euro garantiert.
•Al Jaber hat aber das Recht, beim Verkauf der AUA wieder mit zu bieten.

AUF EINEN BLICK

Die AUA bekommt mit Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber einen neuen Großaktionär und 150 Mio. Euro. Die ÖIAG hat mit Al Jaber den Vertrag ausgehandelt.

Erstmals ist darin die Rede davon, dass die AUA mittelfristig einen strategischen Partner bekommen könnte. Damit flammt der Konflikt um die Vor- und Nachteile eines Verkaufs an die Lufthansa wieder voll auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

8 Kommentare
M.T.
11.03.2008 17:51
0 0

Geschäftsmodell krebserregender Ultrafeinstaub?

Es wäre interessant zu wissen, welches Geschäftsmodell hier tatsächlich verfolgt wird?

Vielleicht ultramoderne und teure Kliniken am persischen Golf, in denen alle jene behandelt werden, die an jenem Ultrafeinstaub erkrankt sind, der aus den Triebwerken der damit weiterhin finanzierbaren AUA-Flotte kommt?

Gast: Graf Gudenus
09.03.2008 09:07
0 0

Frauenverkauf in den Orient,

diesmals ab - total - mit der AUA. Vielleicht gibt es überdies Treibstoff billig und bester Qualität. Gelegenheit Österreicherinen als Stewardessen laufend loszuwerden; Fett resp. Schnitzeln stören dort nicht

Gast: Hieronimus
08.03.2008 03:53
0 0

AUA-das tut weh

Die AUA kann man gar nicht mehr zum Zubringer degradieren. Das ist sie doch schon längst.

Und die paar Flüge die da von den grindigen B-Gates Richtung CEE und SEE fleigen werden die AUA auch nicht retten.

Meilen sammeln kann man auch auf 18 anderen Staralliance Airlines oder bei Skyteam und One World.

Wenn man viel nach Asien und SEA fliegt sind LH, NH, OZ, SK, SQ oder TG sowieso die bessere Wahl. Erstens weil da das Service erheblich besser ist (OS ist da ziemlich nadig und mies) und zweitens fliegt die OS eh nur mehr nach PEK, BKK und NAR. PVG oder SIN haben die zum Glück gestrichen.

Eine Übernahme duch die LH wäre das beste. Dann kann die OS das machen, was sie gut kann: Zubringer auf der Kurzstrecke, wo der Service ziemlich wurscht ist.
Und: Der etwas arrogante Hr. Ötsch wäre auch dahin...


Antworten Gast: Berja
13.05.2008 16:01
0 0

Bei LH ist das Service besser?

Sie sind noch nie mit der Hansa geflogen, anders kann man diesen Schwachsinn nicht erklären.

Antworten Gast: leo.haslinger
08.03.2008 13:14
0 0

Re: AUA-das tut weh

Wie wahr, wie wahr....! Nur weil ein Haufen ignoranter Politiker "großtun" wollen, schleppen wir schon seit Jahren diese fliegende Voest (alt) mit uns rum. "Schauen Sie sich um, meine Damen (?) und Herren! Wo gibt es noch eine profitable Fluglinie von der Größenordnung der AUA???" Weg mit diesem Klotz am Bein!!!

Antworten Antworten hw
08.03.2008 17:16
0 0

Re: Re: AUA-das tut weh

ich glaube nicht, dass größenordnung etwas mit profitabel zutun hat.
auch sollte man nicht gleich alles wegschmeissen, was bei erstem hinsehen nicht rentabel erscheint.
als erstes gehört die politik raus!

0 0

Re: Re: Re: AUA-das tut weh

ich glaube, dass die AUA sehrwohl profitabel wäre wenn nicht so viele "Topmanager", Beratungsunternehmen und andere "Wirtschaftsgrössen" den Topf mit den Einnahmen ständig leeren würden um sich selbst zu bereichern!

Antworten Antworten Antworten Antworten hw
09.03.2008 14:04
0 0

Re: Re: Re: Re: AUA-das tut weh

des machts nicht unbedingt aus.
nur muss eine kleine fluglinie ihren platz finden.

und was heute der AUA noch immer weh tut, ist der krieg mit lauda air. (wunden verheilen auch in der wirtschaft sehr langsam)
auch passen die beiden überhaupt nicht zusammen. unterschiedliche flugzeug marken. und dass kostet eben (schulung, wartung, schlechtere einkaufsbedingungen, ...)

Fokus Steiermark

Erstmals in Österreich

  • Sichern Sie sich jetzt die Jahresvorschau des renommierten Magazins "The Economist", erstmals mit Österreichschwerpunkt aus der Wirtschaftsredaktion der "Presse".

    Für "Presse"-Abonnenten statt 6,90 nur 4,90 Euro.