wien.187 Geschäftsbereiche, die nicht mehr zu den Kernaktivitäten Industrie/Infrastruktur, Energie und Gesundheit passen, stellt Siemens-Boss Peter Löscher weltweit auf den Prüfstand. In Österreich sind davon die im Werkeverbund arbeitenden Elektronik- und Mechanikwerke, die Gebäudetechnik und die Reste der Telekomsparte mit 3500 Arbeitsplätzen betroffen (die „Presse“ berichtete exklusiv am 14. März). „Auch wenn wir – die Geschäftsführung und der Betriebsrat – Kompromisse erzielen und Teile der betroffenen Sparten im Unternehmen gehalten werden können: Mittelfristig ist das ganze Unternehmen Siemens-Österreich in seiner Stabilität gefährdet“, schlägt der Zentralbetriebsrats-Vorsitzende Friedrich Hagl Alarm.
Hagl, der derzeit laufend mit Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer verhandelt – und diese wiederum mit der Konzernspitze in München –, begründet seine Ängste im Gespräch mit der „Presse“ so: Die Basis des Erfolgs von Siemens Österreich – der umsatzstärksten und größten Landesorganisation des Elektronikmultis – sei gerade die breitflächige Aufstellung gewesen. „Wir haben in vielen Bereichen mit den Kunden schon in der Entwicklung und natürlich auch in der Produktion eng zusammengearbeitet – genau dieses Netz hat uns weniger krisenanfällig gemacht.“ Nur wenn Produktion und Wertschöpfung, Entwicklung und Vertrieb zusammen blieben, sei Siemens-Österreich langfristig gesichert.
Hohe Gewinnmargen gefordert
Wenn man nun die betroffenen Sparten amputiere, dann sei das „der Tod auf Raten“. Auch wenn etwa Reste des Wiener Elektronikwerks übrig blieben, seien diese zu klein, um die von Löscher auf neun bis 17 Prozent hinauf geschraubten Gewinnmargen zu erwirtschaften. „Wenn wir in ein, zwei Jahren wieder auf dem Prüfstand stehen, dann sind wir weg“, macht sich Hagl keine Illusionen.
Genau das will der oberste Arbeitnehmervertreter von 18.280 Beschäftigten in Österreich verhindern. Morgen, Mittwoch, trifft Hagl, der auch stellvertretender Vorsitzender des Siemens-Europa-Betriebsrats ist, seine Kollegen im Präsidium des Dachverbands, um einen Aktionsplan zu beraten.
Die am Montag ausgegebene Gewinnwarnung verspricht freilich nichts Gutes. Bisher war die Rede davon, dass Schließungen und ein Personalabbau nicht geplant seien, sondern die betroffenen Bereiche verkauft und so die Arbeitsplätze weitgehend erhalten bleiben sollen. Jetzt dürfte Löscher den Druck deutlich erhöhen.
Partner für Gebäudetechnik
Ein Teilerfolg zeichnet sich jedenfalls nach den Gesprächen am Wochenende ab: Für die Gebäudetechnik scheint es Interessenten zu geben. Konkret soll es sich um die Tiroler Ortner-Gruppe handeln. Viel Zeit bleibt nicht: Der Aufsichtsrat von Siemens Österreich soll die Entscheidung am 31. März fällen.
Der Konzernumbau bei Siemens gefährdet die Stabilität der gesamten Österreich-Tochter, befürchtet der Zentralbetriebsrats-Vorsitzende Friedrich Hagl. Produktion und Wertschöpfung, Entwicklung und Vertrieb müssten unter einem Dach bleiben, um die Eigenständigkeit zu sichern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2008)

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