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Luftfahrt: Das Match über dem Atlantik hat begonnen

30.03.2008 | 18:12 |   (Die Presse)

Das neue „Open Skies“-Abkommen zwischen der EU und den USA verschärft den Wettbewerb.

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Washington/London/Paris (ag.). Eine „echte Revolution im transatlantischen Flugverkehr“ nannte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot das „Open Skies“-Abkommen zwischen der EU und den USA, das am Sonntag in Kraft getreten ist. In der Tat bedeutet der Pakt, um den lange gerungen wurde, eine völlige Neuordnung des Luftverkehrs über dem Atlantik. Erstmals können EU-Fluglinien von jedem Ort in Europa direkt alle Ziele in den USA anfliegen und umgekehrt. Bisher war der Atlantikverkehr an 21 bilaterale Abkommen geknüpft, Flüge waren nur aus dem Heimatland der jeweiligen Fluggesellschaft erlaubt.

Air France/KLM, die umsatzstärkste Fluglinie der Welt, geht gleich in die Offensive. Mit dem ersten Direktflug von London nach Los Angeles eröffnen die Franzosen heute, Montag, den neuen atlantischen Wettbewerb. Im Gegenzug starten Delta, Continental und Northwest nach London. Lufthansa gibt sich noch bedeckt. Aber sie hat sich mit dem Einstieg bei der US-Linie Jetblue eine gute Position geschaffen. Jeder fliegt gegen jeden, und gemeinsam geht es gegen British Airways (BA), den Platzhirsch auf den Routen zwischen Europa und den USA.

BA ist allerdings nicht untätig: Sie hat eine eigene Tochter namens „Open-Skies“ gegründet, mit der sie ab Juni Flüge von Paris und Brüssel nach New York anbietet. Die Briten sind viel stärker von den Nordatlantikrouten abhängig als ihre Mitbewerber: BA transportiert jährlich sieben Millionen der insgesamt 50 Millionen Passagiere, Air France/KLM 6,4 Millionen und die Lufthansa 6,3 Millionen.


Zwölf Mrd. Euro Nutzen

Derzeit kreuzen täglich 400 Flugzeuge den Atlantik. Nach Berechnungen der Europäischen Kommission soll die Zahl der Flüge um acht Prozent steigen. Die Zahl der Passagiere soll binnen fünf Jahren um 25 Millionen zunehmen. Der Wettbewerb sollte niedrigere Preisen bringen. Die Kommission erhofft zwölf Mrd. Euro Nutzen und 80.000 neue Arbeitsplätze.

Das Nadelöhr des bisher am weitesten reichenden Abkommens in der Zivilluftfahrt ist der Flughafen London-Heathrow. Nicht erst seit der Eröffnung des fünften Terminals vor einer Woche ist die größte Transatlantik-Drehscheibe ein Symbol für Chaos. Mit nur zwei Pisten agiert der größte Flughafen Europas am Kapazitätslimit. Deshalb sind die Zeitfenster für Starts und Landungen (die „Slots“) Goldes wert. Continental zum Beispiel hat für vier Slots 209 Mio. Dollar (132,4 Mio. Euro) gezahlt.

Kleinere Fluglinien wie die heimische AUA dürften geringe Ambitionen haben, in dieser Schlacht um Kunden und Marktanteile mitzumachen. Die AUA erwarte keine dramatischen Auswirkungen auf ihr Geschäft, sie sei zudem sehr stark auf Osteuropa ausgerichtet, verlautete aus dem Unternehmen.

Luftfahrtexperte William Swelbar vom International Center for Air Transportation am Massachusetts Institute of Technology erwartet aber, dass der steigende Wettbewerb ab 2009 zu mehr Partnerschaften und Fusionen führen dürfte. Zumal Brüssel und Washington schon im Mai Verhandlungen über die zweite Phase des Abkommens starten. Dabei sollen noch offene Hürden für gegenseitige Beteiligungen an Fluglinien ausgeräumt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2008)

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