Wien.Am vergangenen Donnerstag gab die AUA für das erste Quartal einen Nettoverlust von 60,4 Mio. Euro bekannt und schockte mit einer Gewinnwarnung für 2008. Seither herrscht im Büro von Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber im Wiener Grand Hotel dicke Luft. Eine Krisensitzung jagt die andere, auch am Wochenende herrschte Hektik. Der Grund: Den saudisch-österreichischen Unternehmer, der 20 Prozent an der AUA erwirbt und dafür 7,10 Euro je Aktie – in Summe 150 Mio. Euro – zahlt, dürften die katastrophalen Quartalsergebnisse völlig überrascht haben. Zumal der Aktienkurs der AUA mit 3,47 Euro nicht einmal mehr halb so hoch ist wie der vereinbarte Kaufpreis.
Noch will man bei der JJA-Beteiligungsverwaltungs GmbH, die die österreichischen Beteiligungen des Scheichs – unter anderem das Grand Hotel, The Ring, Hotel Schwarzenberg – verwaltet, das Wort „Ausstieg“ aus dem Deal mit der AUA nicht einmal in den Mund nehmen. Zumal dies einen langen Rechtsstreit auslösen könnte, der die AUA massiv beschädigen würde. Al Jaber soll jedoch in einem Brief ÖIAG-Vorstand und AUA-Präsident Peter Michaelis dringend um ein Treffen ersucht haben. Möglicherweise will er den Kaufpreis nach unten korrigieren. Außerdem soll auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über „Probleme“ informiert worden sein. Der Kanzler – und auch sein Vize Wilhelm Molterer – haben die Beteiligung befürwortet, weil damit der Alleingang der AUA gewährleistet sein soll.
Löcher stopfen statt Expansion
Vertraute berichten jedenfalls von einer „schweren Verärgerung“ des Scheichs. Bei der Unterzeichnung des Vertrags am 3. April sei Al Jaber versichert worden, es laufe alles nach Plan. Da war das erste Quartal aber schon gelaufen und die AUA-Spitze muss von den Verlusten gewusst haben.
Al Jaber wolle prinzipiell an seiner Beteiligung aus strategischen Überlegungen festhalten, heißt es. Jetzt müsse er fürchten, dass sein Geld, das für den Ausbau der Aktivitäten im Nahen und Mittleren Osten gedacht sei, in das laufende Geschäft fließe, um dort Löcher zu stopfen. Der einzige Trost: Vereinbarungsgemäß muss Al Jaber sein Aktienpaket an die ÖIAG zurück verkaufen, wenn es zu einer Privatisierung der AUA kommt. Für diesen Fall erhält Al Jaber aber zumindest den Einstiegspreis von 7,10 Euro pro Aktie zurück. Ob er jetzt schon selbst aussteigen kann, ist nicht bekannt.
Al Jabers rechte Hand, Karim Jalloul, gibt sich auf „Presse“-Anfrage jedenfalls zugeknöpft. Er könne zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Um dann nachzusetzen: Dass Al Jaber nicht gerade begeistert sei, „das liegt auf der Hand“. Klaus Edelhauser, Chef der Generali Immobilien und Aufsichtsratsvize in der JJR-Tochter „Erste Wiener Hotel AG“, war auch auf mehrmalige Anfrage nicht erreichbar. Edelhauser soll von der AUA-Hauptversammlung am 7. Mai als Vertreter Als Jabers in den AUA-Aufsichtsrat gewählt werden. Er soll dort Kika-Leiner-Chef Herbert Koch ersetzen, der auf eigenen Wunsch ausscheidet.
Die Nerven liegen aber offenbar nicht nur beim Milliardär blank: Im AUA-Aufsichtsrat herrscht höchste Nervosität. Auch die Kontrollore hätten erst vergangene Woche von dem desaströsen Ergebnis erfahren, heißt es in Konzernkreisen. Sie machen Druck auf AUA-Boss Alfred Ötsch. Noch vor der Hauptversammlung findet frühmorgens eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung statt, bei der sich Ötsch unangenehme Fragen stellen wird lassen müssen.
Der Einstieg von Scheich Al Jaber bei der AUA mit 150 Mio. Euro hängt an einem seidenen Faden. Al Jaber ist verärgert, weil er von den hohen Verlusten nichts gewusst hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2008)
In Zahlen Die Erfolgsstory des sozialen Netzwerks
Top 10 Die meistverkauften Autos der Welt
Kreativ Die verrückte Welt der Werbung
Bis 2015 Die aussichtsreichsten Aktien
QUIZ Kennen Sie sich in in der Wirtschaft aus?
