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AUA-Verluste: Deal mit Scheich Al Jaber auf der Kippe

29.04.2008 | 18:15 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Kapitalspritze. Desaströse Zahlen überraschen den Milliardär. Noch will man das Wort „Ausstieg“ aus dem Deal mit der AUA nicht einmal in den Mund nehmen.

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Wien.Am vergangenen Donnerstag gab die AUA für das erste Quartal einen Nettoverlust von 60,4 Mio. Euro bekannt und schockte mit einer Gewinnwarnung für 2008. Seither herrscht im Büro von Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber im Wiener Grand Hotel dicke Luft. Eine Krisensitzung jagt die andere, auch am Wochenende herrschte Hektik. Der Grund: Den saudisch-österreichischen Unternehmer, der 20 Prozent an der AUA erwirbt und dafür 7,10 Euro je Aktie – in Summe 150 Mio. Euro – zahlt, dürften die katastrophalen Quartalsergebnisse völlig überrascht haben. Zumal der Aktienkurs der AUA mit 3,47 Euro nicht einmal mehr halb so hoch ist wie der vereinbarte Kaufpreis.

Noch will man bei der JJA-Beteiligungsverwaltungs GmbH, die die österreichischen Beteiligungen des Scheichs – unter anderem das Grand Hotel, The Ring, Hotel Schwarzenberg – verwaltet, das Wort „Ausstieg“ aus dem Deal mit der AUA nicht einmal in den Mund nehmen. Zumal dies einen langen Rechtsstreit auslösen könnte, der die AUA massiv beschädigen würde. Al Jaber soll jedoch in einem Brief ÖIAG-Vorstand und AUA-Präsident Peter Michaelis dringend um ein Treffen ersucht haben. Möglicherweise will er den Kaufpreis nach unten korrigieren. Außerdem soll auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über „Probleme“ informiert worden sein. Der Kanzler – und auch sein Vize Wilhelm Molterer – haben die Beteiligung befürwortet, weil damit der Alleingang der AUA gewährleistet sein soll.


Löcher stopfen statt Expansion

Vertraute berichten jedenfalls von einer „schweren Verärgerung“ des Scheichs. Bei der Unterzeichnung des Vertrags am 3. April sei Al Jaber versichert worden, es laufe alles nach Plan. Da war das erste Quartal aber schon gelaufen und die AUA-Spitze muss von den Verlusten gewusst haben.

Al Jaber wolle prinzipiell an seiner Beteiligung aus strategischen Überlegungen festhalten, heißt es. Jetzt müsse er fürchten, dass sein Geld, das für den Ausbau der Aktivitäten im Nahen und Mittleren Osten gedacht sei, in das laufende Geschäft fließe, um dort Löcher zu stopfen. Der einzige Trost: Vereinbarungsgemäß muss Al Jaber sein Aktienpaket an die ÖIAG zurück verkaufen, wenn es zu einer Privatisierung der AUA kommt. Für diesen Fall erhält Al Jaber aber zumindest den Einstiegspreis von 7,10 Euro pro Aktie zurück. Ob er jetzt schon selbst aussteigen kann, ist nicht bekannt.

Al Jabers rechte Hand, Karim Jalloul, gibt sich auf „Presse“-Anfrage jedenfalls zugeknöpft. Er könne zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Um dann nachzusetzen: Dass Al Jaber nicht gerade begeistert sei, „das liegt auf der Hand“. Klaus Edelhauser, Chef der Generali Immobilien und Aufsichtsratsvize in der JJR-Tochter „Erste Wiener Hotel AG“, war auch auf mehrmalige Anfrage nicht erreichbar. Edelhauser soll von der AUA-Hauptversammlung am 7. Mai als Vertreter Als Jabers in den AUA-Aufsichtsrat gewählt werden. Er soll dort Kika-Leiner-Chef Herbert Koch ersetzen, der auf eigenen Wunsch ausscheidet.

Die Nerven liegen aber offenbar nicht nur beim Milliardär blank: Im AUA-Aufsichtsrat herrscht höchste Nervosität. Auch die Kontrollore hätten erst vergangene Woche von dem desaströsen Ergebnis erfahren, heißt es in Konzernkreisen. Sie machen Druck auf AUA-Boss Alfred Ötsch. Noch vor der Hauptversammlung findet frühmorgens eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung statt, bei der sich Ötsch unangenehme Fragen stellen wird lassen müssen.

AUF EINEN BLICK

Der Einstieg von Scheich Al Jaber bei der AUA mit 150 Mio. Euro hängt an einem seidenen Faden. Al Jaber ist verärgert, weil er von den hohen Verlusten nichts gewusst hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2008)

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11 Kommentare
Gast: DIE FASSUNGSLOSE
30.04.2008 20:47
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In Österreich ist alles möglich

Irgendwie ist es unglaublich, wie lange
so riesige Verluste angeblich geheim gehalten werden können. Aber in Österreich ist das halt leider nicht das Einzige, was unglaublich und möglich ist.

Antworten hedu
01.05.2008 15:54
0 0

Re: In Österreich ist alles möglich

Nicht nur in Österreich gute Frau......überall wird betrogen was das Zeug hält.

Antworten Antworten Gast: Laderndluhr
12.02.2009 17:37
0 0

Re: Re: In Österreich ist alles möglich

stimmt.Scheichs kaufen mein Haus schon zum xten mal am Telefon.Kaufzusage,dann nie wieder erreichbar.Wem darf man heute noch glauben-am Besten NIEMANDEN

Ares DC
30.04.2008 17:21
0 0

Der AUA Vorstand ist saniert.

Nicht die AUA ist saniert, sehr wohl aber deren Vorstand.
Ötsch wird wohl auch bald den golden handshake angeboten bekommen. 60 Mio im ersten Quartal, mit Ende 2008 werden es dann -bei vorsichtiger Schätzung EUR 200 Mio werden. Da wird Al Jaber doch nicht bköd sein und zum Kurs von 7,20 pro Aktie kaufen (müssen) um 20% zu bekommen, wenn er um seine EUR 150 Mio zum derzeitigen Kurs von 3,70 fast die Hälfte unseres Natinal Careers erweren kann... Für den Nicht-Airliner Ötsch ist eines wichtig - Der AUA Vorstand ist saniert.

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ja, ja, schon die MIGROS

hat sich beim konsum über die österreichischen sitten gewundert und und einen haufen geld in den kamin geschrieben. man soll sich halt mit gaunern gar net auf verhandlungen einlassen. und die börse wien: siehe unten.

Gast: Tralala
30.04.2008 07:31
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na ja der scheich ist jetzt der reichste oesterreicher!

vorher, mit dem kauf der hotels am ring ging's nicht weil das nicht als "leistung fuer die republik" zu verstehen und bewerten war ("man kann ja das hotel auch wieder verkaufen..." hoerten sie damals seitens der behoerde wenn ich mich richtig erinnere!) doch jetzt nachdem sie sich fuer die AUA "interessiert" haben, haben sie auch den pass innerhalb von 48 stunden bekommen, so schnell kann es auch im korrupten oesterreich gehen, also jetzt nicht gleich wie ein echter oesterreicher den schwanz einziehen und wegschauen! die korrupten politiker dieses landes denken so: sie haben doch jetzt die staatsbuergerschaft bekommen, also jetzt muessen sie die AUA retten! ein tipp von mir: weg mit dem vorstand!

Antworten Gast: nochsoeiner
05.05.2008 00:41
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Re: na ja der scheich ist jetzt der reichste oesterreicher!

Tja, vielleicht hat der Herr Scheich aber auch nur die österreichische Staatsbürgerschaft haben wollen, damit er noch mehr Immobilien erwerben kann, welche sonst vielleicht nur Österreichern zugänglich wären...
Der "AUA Einstieg" ist vielleicht als Ganzes ohnehin nur eie Farce für dumme Volk gewesen.
Wer weiß?

Steininger
30.04.2008 04:12
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Ja! Offensichtlich wollte man den Scheich über den Tisch ziehen,

aber auch immerhin die Öffentlichkeit. Denn was soll man davon halten, daß wenn 6 Wochen vor vorliegen der harten Zahlen das Management verkündet daß eh alles in Butter ist.
Der Börseplatz Wien ist so daß ein vernünftiger Mensch sich eher davor fernhält!

Gast: Meister Eder
29.04.2008 19:53
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Der Ötsch-Sager "Die AUA ist saniert"

wird wohl in die Geschichte eingehen. Bleibt noch abzuwarten, ob nicht auch eine gewisse Siemensvergangenheit einholt.

Antworten Gast: Leo
29.04.2008 20:42
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Re: Der Ötsch-Sager

Und dieser Herr streut dem abgetretenen ÖBB-General Rosen.

Wenn ich Huber wäre, würde ich Ötsch dafür wegen Rufschädigung belangen.

Gast: Sepp
29.04.2008 19:38
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Verständlich ...

ist die schwere Verärgerung irgendwie schon. Aber ebenso bedenklich wäre es, wenn ein (potentieller) Investor (Insider) Info erhalten hätte und die bestehenden Investoren nicht.

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