Wien.AUA-Präsident Peter Michaelis ist zu großen Zugeständnissen bereit, um das Vertrauen von Scheich Mohamed Bin Issa al Jaber wiederherzustellen und die von ihm in Aussicht gestellte Finanzspritze von 150 Mio. Euro der AUA zu sichern. Nachdem ein Gespräch, in dem Finanzminister Wilhelm Molterer zu vermitteln versuchte, Dienstagnacht erfolglos blieb, wurde Mittwoch während der turbulenten Hauptversammlung und auch am Donnerstag weiterverhandelt, wobei Al Jaber seinem Forderungspaket eine neue Bedingung hinzugefügt hat.
Entgegen der ursprünglichen Beteuerung, es gehe Al Jaber nicht um den Kaufpreis verlangt der österreichisch-saudische Geschäftsmann für die gebotenen 150 Mio. Euro jetzt mehr Anteile an der AUA. Und zwar statt 20 Prozent die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie, wie die „Presse“ aus dem Umfeld des Investors erfahren hat. Das heißt, er würde statt 7,10 Euro nur rund 5,70 je Aktie zahlen. Gestern wurden AUA-Aktien um rund vier Euro gehandelt.
Während AUA-Präsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis auf diesen Wunsch eher reserviert reagiert haben soll, dürfte er sich in einem anderen Punkt leichter tun: Die Ablöse von AUA-Boss Alfred Ötsch. Offiziell lautet Al Jabers Forderung „ein Vorstand seines Vertrauens“. Selbst AUA-intern glaubt jedoch niemand, dass damit ein vierter Manager (neben Ötsch, Peter Malanik und Andreas Bierwirth) gemeint sei. Prinzipiell wäre eine Aufstockung des Vorstands kein Problem: Die AUA hatte schon zwei-, drei- und vierköpfige Führungsteams.
Das Quartett gab es jedoch nur auf dem Papier: Noch bevor Malanik und Bierwirth ihre Vorstandsjobs im Jänner bzw. April 2008 antraten, legte Thomas Kleibl seinen Job als Finanzvorstand zurück. Dessen Rücktritt, der mit einem schweren Zerwürfnis mit dem Bordbetriebsrat begründet worden war, erscheint inzwischen übrigens in einem neuen Licht. Kleibl und Ötsch seien über einen Einstieg Al Jabers, der seit Winter 2007 ein Thema war, uneins gewesen, heißt es. Ötsch sei dafür, Kleibl dagegen gewesen, weil er die strategischen Vorteile für die AUA vermisste.
Politik auf Distanz
Michaelis ging mit dem abrupten Ausscheiden von Marketing-Vorstand Josef Burger im August des Vorjahres auf Distanz zu Ötsch. Die Spannungen sind nun wieder voll ausgebrochen. Michaelis müsse in einem Konflikt vermitteln, den seiner Meinung nach Ötsch selbst ausgelöst habe, in dem er die Fluglinie als saniert bezeichnet hat. Nachdem die AUA einen Quartalsverlust von 60,4 Mio. Euro bekannt gab, fühlte sich Al Jaber in die Irre geführt. Mit seiner Forderung nach einem Sanierungskonzept spielt Al Jaber jedenfalls Michaelis in die Hände. Ötsch wird auch der Imageschaden angelastet, der der AUA durch den Poker um die Scheich-Millionen entstanden sei.
Strategischer Partner
Dem Vernehmen nach soll deshalb auch Vizekanzler Molterer seine schützende Hand über Ötsch, der als VP-nahe gilt, zurückgezogen haben. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), der so wie Molterer für Al Jaber war, weil mit ihm die Eigenständigkeit der AUA möglich sein sollte, soll „Enttäuschung“ signalisiert haben. Der Glaube an den Alleingang der rot-weiß-roten Fluglinie dürfte angesichts der heuer drohenden Verluste inzwischen auch in der Politik schwinden. Während Michaelis im Vorvertrag mit Al Jaber für den Fall, dass die AUA an einen strategischen Partner verkauft wird, den Rückzug Al Jabers festgeschrieben hat, pocht Ötsch nach wie vor auf die Eigenständigkeit. Allerdings räumte er bei der Hauptversammlung erstmals ein, dass die AUA einen Partner brauchen werde, falls sie nachhaltig keine Gewinne erwirtschaften könne.
Zwei Vertraute im Aufsichtsrat
Michaelis hat jedenfalls bei der Hauptversammlung am Mittwoch den AUA-Kontrolloren signalisiert, er werde kurzfristig eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen und dort das Thema „Führung“ in den Mittelpunkt stellen. Insider werten dies als Indiz, dass es nur um die Ablöse von Ötsch gehen könne – unabhängig davon, ob Al Jaber bei der AUA an Bord gehe oder nicht. Womit Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Denn der Chefposten muss – so wie auch ein Vorstandsposten – neu ausgeschrieben werden. Bis ein neuer „Chefpilot“ an Bord käme, würde es zumindest drei Monate dauern. Ein solches Führungsvakuum wäre ein Problem für die ohnehin trudelnde AUA, geben Beobachter zu bedenken. Allerdings könnten Malanik und Bierwirth, beide ausgewiesene Airliner, die Fluglinie zumindest vorübergehend als Duo führen.
Eine andere Bedingung von Al Jaber wurde bereits erfüllt: Seine rechte Hand Klaus Edelhauser wurde in den AUA-Aufsichtsrat gewählt. Einen zweiten Aufsichtsrat soll der Scheich 2011 bekommen.
Die Verhandlungen zwischen der AUA und Scheich Al Jaber um eine Kapitalspritze entwickeln sich zu einem Machtkampf um die Führung der Fluglinie. Der Investor macht seinen Einstieg vom Abgang von AUA-Chef Alfred Ötsch abhängig. Außerdem will er mehr Anteile an der Fluglinie.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2008)
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