"Der beste Platz für ein Auto ist der Parkplatz am Bahnhof" - auf die ÖBB trifft diese Aussage eines deutschen Bahnvorstands derzeit besonders zu.
Die hohen Treibstoffpreise, ein verbessertes Angebot sowie ein größeres Umweltbewusstsein bescheren den ÖBB einen kräftigen Zuwachs bei den Fahrgastzahlen. Für das erste Quartal 2008 meldet die staatliche Gesellschaft einen Fahrgastzuwachs von sieben Prozent. Der Nahgastverkehr liegt nach Unternehmensangaben mit rund elf Prozent sogar darüber.
Ein besonders hohes Plus im Fernverkehr gab es auf der Westbahnstrecke zwischen Wien und Linz. Hier sind 16 Prozent mehr Fahrgäste eingestiegen als zuvor. Diese Zahl wird im Nahverkehr von der neuen S-Bahn zwischen Freilassing und Salzburg noch übertroffen: Die neue Verbindung verzeichnet einen Anstieg der Fahrgäste von 31 Prozent.
Während die Gesellschaft den Zuwachs auch auf ein verbessertes Angebot der ÖBB-Verbindungen zurückführt, dürfte beim Wechsel von Auto auf Zug und S-Bahn vor allem der ständig weiter steigende Ölpreis eine maßgebliche Rolle spielen.
Massive Verteuerung für Autofahrer
Auf den Weltmärkten ist ein Ende des Ölpreis-Höhenflugs nicht abzusehen, und an österreichischen Tankstellen lassen sich jede Woche neue Preissprünge beobachten. Der Verkehrsclub ÖAMTC spricht bereits von einer "existenzbedrohenden" Situation für Pendler und fordert ein Eingreifen der Politik.
Gleichzeitig rechnet der Club vor, wie stark sich das Pendeln in nur einem Jahr verteuert hat: Auf der Strecke Krems - Wien sind es 1.082 Euro, die allein der Preisunterschied im Lauf des vergangenen Jahres an Kosten verursacht. Die Strecke Fürstenfeld-Graz schlägt mit 788 Euro und die Strecke Freistadt-Linz mit 588 Euro zu Buche.
ÖBB: Züge sind bis zu 83 Prozent billiger
Einige Rechenbeispiele haben auch die ÖBB veröffentlicht. Nach ihren Angaben ist auf der Strecke von Wien nach Salzburg eine Bahnfahrt um bis zu 83 Prozent billiger als eine Autofahrt. Für eine entsprechende Fahrkarte der 2. Klasse zahlen Kunden mit Vorteilscard am Fahrkartenautomaten 22,10 Euro. Ohne Vorteilscard kostet die Fahrt 44,20 Euro - bei 317 Kilometern sind das umgerechnet 13,9 Cent pro Kilometer.
Dagegen sind bei einer Autofahrt von Wien nach Salzburg Spritkosten von rund 33,3 Euro fällig - mit einem durchschnittlichen Treibstoffverbrauch von sieben Litern auf 100 km und einem Dieselpreis von 1,50 Euro pro Liter. Wenn man als Grundlage das amtliche Kilometergeld von 42 Cent heranzieht, kostet die Fahrt von Wien nach Salzburg 133,10 Euro, rechnen die ÖBB vor.
Grüne plädieren für weiteren Ausbau
Die neuen Tendenzen kommen den Grünen sicher sehr gelegen - sie plädieren seit geraumer Zeit für einen weiteren Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel speziell für Pendler. Die Verkehrsverbindungen für Pendler müssten ausgebaut werden, fordert die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser. Gegenüber dem Autofahren könnten sich Pendler, die öffentlich unterwegs sind, bis zu 600 Euro pro Monat sparen.
Derzeit hätten rund 66 Prozent der Pendler ein ÖV-Angebot, aber rund 75 Prozent der Pendler seien trotzdem mit dem PKW unterwegs. Es muss zu einem echten Absetzbetrag von der Lohnsteuer kommen. Vor allem sollen Pendler, die mit Bus und Bahn pendeln gegenüber Autopendlern begünstigt werden. Das gilt auch für das Kilometergeld, das in der derzeitigen Form ein Anreiz ist, Dienstfahrten mit dem Auto statt mit der Bahn zurückzulegen.
Ein spürbares Plus auch in Deutschland
Eine ähnliche Entwicklung gibt es derzeit bei der Deutschen Bahn. Aufgrund drastisch gestiegener Benzinpreise wechselten auch in Deutschland viele Autofahrer zur Bahn, berichtet die "Bild"-Zeitung. Zwischen Jänner und April habe das Unternehmen im Nah- und Fernverkehr 20 Mio. Reisende dazugewonnen, bestätigte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Berlin.
Zugelegt habe die Bahn vor allem bei ICE-Verbindungen, aber auch bei all ihren anderen Zügen, sagte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch der Zeitung.
Deutsche Bahn: Ersparnis bis 60 Prozent
Ohne einen Seitenhieb auf den größten Konkurrenten im Verkehrssektor kommt auch die Deutsche Bahn nicht aus: Bei manchen Verbindungen ließen sich - im Vergleich mit den Gesamtkosten einer Autoreise - bis zu 60 Prozent sparen.
"Jetzt tun wir alles, um die Neukunden mit einer guten Leistung dauerhaft bei der Bahn zu halten", erklärt Rausch. "Schließlich ist der beste Platz für ein Auto nicht die Tankstelle, sondern der Parkplatz am Bahnhof."
(Ag./Red.)

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