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„Der Druck war unmenschlich“

05.06.2008 | 18:25 | HANNA KORDIK (Die Presse)

MILCH. Der österreichische Milchstreik ist schon wieder abgeblasen. Ohne Zusagen. Die Milchbauern konnten einfach nicht mehr.

Wien.Das Schauspiel dauert jetzt schon gute eine Woche: Seit Mittwoch vergangener Woche wird in Österreich „gestreikt“: Um ihrer Forderung nach höheren Milchpreisen Nachdruck zu verschaffen, beliefern etliche österreichische Milchbauern die Molkereien nicht mehr, die Milch wird weg geschüttet. Und seitdem wird gerätselt: Wie viele Bauern haben sich dem Boykott tatsächlich angeschlossen? Wie hart trifft das die Molkereien wirklich? Wann werden die Konsumenten den Streik zu spüren bekommen? Werden sie das überhaupt?

Mittlerweile ist das aber einerlei: Der Milch-Boykott ist mit dem heutigen Freitag Geschichte. Die Initiatorin des Streiks, die IG Milch, ruft ihre Mitglieder dazu auf, die Molkereien wieder zu beliefern.


Zerreißprobe für Familien

„Der Druck war einfach unmenschlich“, sagte IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil gestern vor Journalisten. Natürlich auch für ihn persönlich: „Mir tun die Ohren weh vor lauter telefonieren.“ Aber in der Angelegenheit gehe es natürlich um die Bauern, und für die sei der Streik zu einer unglaublichen Belastung ausgeartet. Der Boykott sei für viele bäuerliche Familien „eine Zerreißprobe quer durch die Generationen“ gewesen. Und: „Wir wollen konstruktiv sein.“

Das war er also, der Milchstreik 2008: Ein Streit, der in den vergangenen Tagen rasend schnell eskalierte. Auf der einen Seite die Molkereien und politischen Agrar-Interessenvertretungen, die den Boykott unverhohlen belächelten – von spürbaren Lieferausfällen weit und breit keine Spur, hieß es unisono. Auf der anderen Seite die IG Milch, die zuletzt von „substanziellen Ausfällen“ im Ausmaß von 60 Prozent sprach. Und deren Obmann noch am Mittwoch behauptete, „ab dem Wochenende werden die Regale in den Supermärkten leer sein“.

Genau dieser Obmann hat nun plötzlich die Reißleine gezogen.

Über die näheren Gründe für diese überraschende Wende schweigt er beharrlich. „Wir sind gebeten worden, Druck raus zu nehmen“, sagt er. Von wem? „Von allen Seiten.“

Was einem hartnäckigen Gerücht neue Nahrung gibt: Der Wunsch aufzuhören kam wohl von den Milchbauern selbst. Sie haben dem Druck, der zum Teil aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, oft aber auch aus der eigenen Familie kam, nicht standgehalten. Von eingeschlagenen Fenstern bei etlichen streikenden Höfen wurde immer wieder gemunkelt, von zerrütteten Ehen ebenso. Als am Donnerstagnachmittag dann auch noch die Nachricht kam, dass die deutschen Milchbauern ihren Streik beenden, war für die österreichische IG Milch wohl klar: Alleine stehen wir das nicht durch. Zumal der Streik in Österreich ja aus „Solidarität“ mit den deutschen Bauern begann.

Tatsache ist, dass die IG Milch den Boykott abgeblasen hat, ohne auch nur eine Zusage ihrer Vis-à-vis zu haben: nicht für Verhandlungstermine, geschweige denn für Preiserhöhungen.

Die IG Milch versuchte gestern dennoch den Doch-nicht-mehr-Streik als Erfolg zu verkaufen: „Die Aktion hat stattfinden müssen, um etwas zu bewegen“, sagt Obmann-Stellvertreter Ernst Halbmayr, „und wir haben Unglaubliches bewegt. Unsere Botschaft ist deutlich angekommen.“ Auch habe es jede Menge „Solidarität aus der Bevölkerung“ gegeben.


„Kein totaler Krieg“

IG-Obmann Grünzweil sagt, dass überhaupt von Anfang an klar gewesen sei, „dass am Ende nicht der totale Krieg stehen kann“. Noch vor kurzem gemachte Drohungen seinerseits, Blockaden bei Molkereien zu veranstalten, nimmt er zurück: „Wir wollen die Molkereien nicht in ihrem Geschäft stören“, sagt Grünzweil, „das wollen wir den Leuten nicht antun.“


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