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Musikindustrie: Bertelsmann verzichtet auf Musikgeschäft

10.06.2008 | 20:02 |   (Die Presse)

Das Verlagshaus steht kurz davor, seine Anteile an Sony BMG zu veräußern.

Frankfurt (ag./mac). Vor vier Jahren ist der deutsche Medienkonzern die Musik-Ehe mit dem japanischen Elektronikkonzern Sony eingegangen. Seitdem sind beide Unternehmen bis 2009 zu je 50 Prozent an Sony BMG beteiligt. Doch offenbar will Bertelsmann den Durchhalteparolen in der Musikindustrie nicht mehr so recht Glauben schenken, und versucht, einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge, seine Anteile an Sony BMG los werden. Voraussichtlicher Abnehmer ist Sony selbst, das über ein Vorkaufsrecht verfügt und die Lage am Musikmarkt optimistischer einschätzt.

Insider rechnen damit, dass die offizielle Entscheidung schon im Herbst diesen Jahres fallen wird. Inoffiziell hat sich das deutsche Medienhaus schon vor zwei Jahren vom Musikgeschäft verabschiedet. Damals verscherbelte Bertelsmann sein Musikverlagsgeschäft just an den Rivalen Universal Music. Und das, obwohl dieser Teil des Geschäfts als besonders krisenfest in der Branche gilt. Hier fallen etwa Einnahmen aus Airplays im Radio hinein, die im Gegensatz zu den CD-Einnahmen weiter steigen. 2007 setzte die Musikindustrie in Österreich um 30 Prozent weniger um. Aufstrebende digitale Vertriebsformen konnten den Verlust im CD-Geschäft nicht auffangen.


Verkauf als Finanzspritze

Doch nicht nur die pessimistischen Marktaussichten dürften den deutschen Medienkonzern zur Entscheidung geführt haben, sich aus der Musikwelt zu verabschieden. Auch finanziell steht das Gütersloher Familienunternehmen derzeit schwer angeschlagen da. Nach einem Aktienrückkauf über 4,5 Mrd. Euro steckt die Bertelsmann AG immer noch tief in den roten Zahlen. Da käme der Verkauf der Sony BMG Anteile gerade recht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2008)


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