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Landwirtschaft: Keine Ernte, trotzdem volle Förderung

04.07.2008 | 18:54 |  OLIVER GRIMM (Die Presse)

Viele Biobauern haben heuer nur Unkraut auf ihren Feldern und ernten kein Getreide. Subventionen erhalten sie aber dennoch – und das sind die höchsten in Österreich.

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DRASSMARKT/PIRINGSDORF. 80 Kilometer südlich von Wien, in der Nähe von Oberpullendorf im Burgenland, liegt eine idyllische Wiese, auf der Kamille, Disteln und zahlreiche Wiesenkräuter blühen. Hummeln brummen, Bienen summen, und ab und zu springt ein Reh durch die mannshohe Wiese. An einem der nächsten Tage wird ein Häcksler den Saum dieser Wiese roden. Dann wird ein Mähdrescher die Kamillen, Disteln und Wiesenkräuter nieder säbeln. Und im Herbst, wenn alles hübsch gepflügt ist, unterscheidet sich die einstige Blumenwiese äußerlich durch gar nichts vom direkt danebenliegenden Acker, auf dem jetzt im Juli goldblonder Weizen steht.

Kein Wunder: Die malerische Wiese ist nämlich selber ein Weizenfeld. Und mit rund 900 Euro an Bio- und sonstigen Agrarförderungen pro Hektar eine der höchsten subventionierten Ackerflächen Österreichs – egal, ob nur ein Kilo Weizen geerntet wird oder nicht.


Wie man Biobauer wird

Wie ein Lokalaugenschein der „Presse“ ergab, ist jedes zweite bis dritte Feld in dieser Region auf die beschriebene Art nach „biologischer Wirtschaftsweise“ mit Weizen, Mais, Erbse oder Raps bebaut. Was „biologisch“ ist, bestimmen eine EU-Verordnung, das österreichische Lebensmittelbuch (der „Codex“) sowie Tierschutz- und Wasserrechtsgesetz.

All diese Maßnahmen sind in einem 99-seitigen Katalog zusammengefasst, wo unter anderem steht, dass ein Biobauer Unkraut wie Kamille oder Disteln ebenso wenig mit Herbiziden bekämpfen kann, wie er seine Feldfrüchte beim Wachsen mit chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern unterstützen darf.

Ein enges Korsett an Vorschriften, das im Interesse der Schonung von Boden, Grundwasser, Flora und Fauna deutlich niedrigere Erträge in Kauf nimmt – und dafür mit höheren Förderungen prämiert. „Das Verhältnis von 600 Euro Förderung pro Hektar bei normalem zu 900 Euro bei biologischem Anbau ist schon realistisch“, heißt es auf Anfrage der „Presse“ seitens der Agrarmarkt Austria, jener öffentlich-rechtlichen Körperschaft unter Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums, die für die Vergabe der Agrarförderungen zuständig ist.

Doch wie gesagt: Biolandbau bringt geringere Erträge. Allgemeine Vergleiche sind schwer, aber Agronomen halten es für eine brauchbare Faustregel, dass konventionelle Landwirtschaft in einer Gegend wie jener rund um Oberpullendorf bei günstigem Wetter zehn Tonnen Mais je Hektar erbringen kann. Biologische Anbauweise schafft da nur 800 bis 1000 Kilogramm – sofern das Unkraut nicht schneller ist als der Mais.


Zorn auf die „SS-Bauern“

Und heuer war das Unkraut schneller. Große Hitze und viel Regen ließen Disteln und Kamille sprießen und treiben damit ein Problem auf die Spitze, das seit Jahren die Bauernschaft spaltet. Während die einen buchstäblich täglich am Feld stehen, um Schädlinge und Unkraut schnellstmöglich zu bekämpfen, haben die anderen – also die Nebenerwerbsbauern – oft nur am Wochenende Zeit für ihr Land. Und kassieren üppige Förderungen. „SS-Bauern“ nennt man sie maliziös: das steht für Samstag und Sonntag.

Gerade für Nebenerwerbsbauern ist Biolandbau ideal, lautet die Kritik der Konventionellen. Denn ob auf dem Acker etwas geerntet wird, aus dem man Brot backen oder Biodiesel raffinieren kann, wird nicht kontrolliert. Weder von der AMA, noch von den staatlich autorisierten Kontrollstellen, für deren Dienste die Biobauern je nach Region zwischen 120 und 638 Euro pro Jahr zahlen. Dazu kommen noch Mitgliedsbeiträge, um zu einem der 14.000 Mitglieder im Dachverband Bio Austria zu zählen. Eine hübsche Möglichkeit, über Umwege staatliche Förderungen in die Kassen der Bioverbände fließen zu lassen, ohne in Zeiten steigender Lebensmittel- und Energiepreise tatsächlich zu produzieren, knurren Kritiker hinter vorgehaltener Hand.


„Nicht mundtot machen lassen“

Bio Austria kennt diese Vorwürfe. „Da fragen wir zurück: Wie halten es die konventionellen Bauern, die ja auch Flächenbewirtschaftungsprämie bekommen?“, sagte Lukas Schrattenthaler, Pressesprecher von Bio Austria. Man wolle sich „nicht mundtot machen lassen“, zumal die Biobauern in den letzten 20 Jahren oft als „Spinner“ und „Verweigerer“ punziert wurden. „Und jetzt werden wir angeschossen, weil Bio boomt. Das ist eine Frage der Marktverdrängung.“

Was also sollte man tun, damit die Biobauern gerade in Zeiten der hohen Preise, der Hungersnöte in den Entwicklungsländern und des Biospritbooms ihre Felder produktiv bewirtschaften? „Eine heikle Frage“, heißt es seitens der AMA. „Da sind die Bioverbände gefordert. Es wäre deren prioritäre Aufgabe, für gesunde Produktion zu sorgen.“

„Kamille und Disteln sind natürlich ein Problem“, gibt man bei Bio Austria zu. „Wir müssen beide vor unserer eigenen Tür kehren.“

AUF EINEN BLICK

Biobauern erhalten mit einer Förderung von 900 Euro pro Hektar Ackerfläche um die Hälfte mehr Förderung als konventionelle Landwirte. Dafür erwirtschaften sie im Schnitt nur etwa ein Zehntel des Ernteertrages.

Auf vielen Feldern wird jedoch gar kein Getreide geerntet, da das Unkraut zu schnell wächst und die meisten Nebenerwerbsbauern sich zu wenig kümmern können. Kontrolliert wird das Ausmaß der Ernte nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2008)

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10 Kommentare

Al Gore MUSS die Verantwortung übernehmen!!!

Vice-President Al Gore
Third Annual Farm Journal Conference, December 1, 1998
http://clinton3.nara.gov/WH/EOP/OVP/speeches/farmj.html

"I was also proud to stand up for the ethanol tax exemption when it was under attack in the Congress -- at one point, supplying a tie-breaking vote in the Senate to save it. The more we can make this home-grown fuel a successful, widely-used product, the better-off our farmers and our environment will be."

ALSO AL GORE GAB DIE ENTSCHEIDENDE STIMME, DASS MIT DIESEM WAHNSINN ÜBERHAUPT ANGEFANGEN WURDE. ANDEREN KRIMINELLEN WIRD DAS GELD WEGGENOMMEN. TUT DASSELBE MIT GORE UND GEBT ES DEN HUNDERTEN VON MILLIONEN HUNGRIGEN, DIE DANK DEM CO2-BLÖD-WAHNSINN JEDEN ABEND HUNGRIG ZU BETT GEHEN.

UND DIE "GANZE" WELT REDET DIESEM CO2-IRRSINN HINTEN NACH :( :( :( - Al Gore is 33° Freimaurer und ein guter Freund vom Prinzen von Wales.

Gast: Ludwig Ammer
05.07.2008 19:40
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Darauf

warte ich schon lange, daß einmal die SS-Pfuscher aufgeblättert werden. SS steht auch noch für die Überlebensverlängerung der unmöglichen Landwirtschaft durch die Nazen, weil vor 70 Jahren der Hitler so viele Kleinhäusler als Volksvermehrer gebraucht hat. Wer unter 60% eines ortsüblichen Ertrages einfährt, sollte keinerlei EU-Förderung mehr bekommen, weil das in ganz Europa der größte Misstand ist mit den "Misernsten". Wer zu dumm ist, die richtige Standortwahl zu treffen, ist eben kein richtiger Bauer. Nicht richtige Bauern müssen als Relikt der Nazizeit politisch entsorgt werden in die vorgezogene Bauernteilrente, die von Schwarzblau ja eh als historische Leistung ermöglicht wurde. Der Bauernstand muß mehr wert sein als ein Ökopfuscher aus der Not heraus. Ich komme aus der Kleinhäuslerei und habe in Weihenstephan Landbau mit Praktika studiert und bei Forstwirten in Freising Hilfswissenschaftler gemacht und bin eifriger Nestbeschmutzer, weil meine Kindheit ein Horror ohne Perspektiven

Plabutsch
05.07.2008 11:36
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Landwirtschaft: Keine Ernte, trotzdem volle Förderung

Gilt das nicht für alle Bauern, dass sie die Förderung unabhängig von der Ernte bekommen ?

Es gibt ja nicht nur bei Biobauern Ernteausfälle ???

parapente
05.07.2008 09:47
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Ich dachte, die Welt hungert,

wir müssen Lebensmittel anbauen - oder wir brauchen sie für Biosprit??

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Da waren vermutlich

bei den Bio-Bauern wieder Guru¿s der Permakultur unterwegs,denn die behaupten ja,

man muß nur das Saatgut ausbringen und ernten,den Rest macht ja eh die liebe Natur.

Solch ein grüner Wander-Guru hat bei einer Bio-Bauern-Bekannten auch sehr viel Schaden durch seine Dummheit angerichtet.

Der bekannte Öko-Rebell der Krone,

Sepp Holzer,

lebt ja auch nicht von den Erträgen seiner "Bio-Öko-Landwirtschaft",
sondern durch das Abkassieren von dummen Großstädtern mit seinen teuren Märchen- Führungen und Perma-Kultur-Seminaren
sowie den massiven Steuergeld-Förderungen für seine verwilderten landwirtschaftlichen Flächen.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Gast:
05.07.2008 21:40
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und wieviel fördergelder


kassiert unser kärntner schweinebauer fischkopf?


Antworten Gast: AEIOU
05.07.2008 17:32
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Die Sepperln.

Was reimt sich darauf? Nicht doch. Die sind wir. Die brav das hinunterwürgen was sie uns kredenzen. In Wort und Schrift. Mag sein, daß die Permakultur den "Mann" ernährt. Vernünftig Landwirtschaft zu betreiben bleibt wohl nur ein Versprechen. Einige Beispiele von "unfähigen" Gefolglern gibt es ja. Auch im Bereich des Wassers gibt es einen, der sein Handwerk versteht. Der Grander. Ich hab¿auch so ein Glumpert zuhause. Es wirkt.Für die Granderkonten. Sogar die Rußwurm hat sich vor den Grander-Karren spannen lassen. Na ja, wenn das Honorar stimmt, findet sich immer ein "Jünger" oder eine "Jüngerinn". Das Förderungsbeispiel, nicht die Regel natürlich, schadet den ohnedies nicht auf der Butterseite angesiedelten ÖKO-Bauern wiedereinmal. Tja, wer seinen Beruf ehrlich ausübt, der ist in unserer Gesellschaft immer der Depperte.

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Dem Autogott,die Felder das Grundwasser,sich selbst opfern ?Es gibt Unterscuhungen die eine deutliche Häufung von Krebsfällen in der Nähe stark gespritzter Felder nachweisen!

Aus mir nicht erklärlichen Gründen,wurden die Irakischen
Bauern knapp nach der Besetzung durch die USA
gezwungen ihre Ernten und das Saatgut zu vernichten.
Es wurden dadurch Jahrtausende alte Arten vernichtet.
Seit langem müssen die Staaten der dritten Welt das
Getreide aus der USA einführen und sollen selbst nur
für den Export produzieren.
Wenn der Bioanbau direkt neben stark gespritzten
Saaten schlecht funktikoniert,so ist das klar.
Es gab früher so etwas wie Kommassierung?
Es gbit Untersuchungen wie viel Kunstdünger und
Spritzmittel ins Trinkwasser kommt!Trinkwassermangel
wird auch ein Problem in der Welt !!
Es besteht die Frage ob in der dritten Welt nicht eine Nahrungsmittelknappheit bewußt erzeugt wird,um einen
legitimen Grund zu haben,durch die Gentechnik
langfristig eine Kontrolle über das Saatgut der
Welt zu erwerben.Normalerweise setzen sich nämlich
die gentechnisch veränderten Pflanzen gegen
die herkömmlichen durch,da sie keine Feinde haben.

dogrun
04.07.2008 20:55
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Schlechte Recherche

Sehr geehrter Herr Grimm,

Woher haben Sie denn Ihre Zahlen?
Biobauern würden nur 10% des Ertrags erhalten, den konventionelle Landwirte erwirtschaften? Wie würde sich die biologische Bewirtschaftung dann rechnen.
Nach Ihren Berechnungen erhält der Biobauer zwar um 300 Euro mehr Förderung, bekommt aber durch den Maissverkauf um zb.: 1800 € weniger Ertrag (9 to x € 200,--).
Leider zieht sich die schlechte Recherche
durch den ganzen Artikel.
Ich bitte Sie, in Zukunft Ihre Artikel vernünftig zu recherchieren, und nicht ungeprüft Argumente von "Agronomen" zu übernehmen, welche von ihrem Wahrheitsgehalt höchstens Stammtischniveau haben.

P.s.: Jemand der den Kasten "Auf einen Blick " gelesen hat, wurde von Ihnen mit
drei Unwahrheiten konfrontiert. Ich glaube nicht das Sie damit im Sinne von "Die Presse" gearbeitet haben.

lg Alfred Grand

Antworten Gast: roundup
04.07.2008 22:14
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Natürlich wird die Einhaltung der Richtlinien gefördert und nicht der Ertrag. Warum sollte der mehr erhalten, der sowieso mehr erlöst?

Ich kann mich Herrn Grand nur anschließen, der Bericht des Bruders Grimm ist sehr fehlerhaft, die Zahlen sind großteils falsch, mich würde interessieren, von welchen Experten diese stammen. In Zukunft wird es noch viel wichtiger sein ökologisch vertretbar zu produzieren, anderes wird auch ökonomisch bald nicht mehr vertretbar sein, weil mehr Ertrag nur durch mehr Aufwand (Dünger, Spritzmittel, etc.) zu erzielen ist. Nur die Erträge zu vergleichen - selbst wenn man realistische Zahlen nennen würde - ist etwas zu wenig. Vielleicht hätte den Verfasser auch jemand darüber aufkären sollen, dass die Menschen genauso verhungert sind, als noch alle von Überschuss gesprochen haben.

ap

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