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Niederlande: Andalusien an der Nordsee

20.07.2008 | 18:28 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Holland muss sich auf Hitze und steigenden Meeresspiegel einstellen. Vor der heutigen Küste soll neues Land geschaffen und über eine Länge von 250 Kilometern eine zweite Küsten- und Dünenreihe errichtet werden.

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Den HAAG.Sonnenanbeter mögen sich über die Botschaft freuen. Umweltschützer dürfte sie zutiefst beunruhigen: Die Durchschnittstemperatur in den Niederlanden wird bis Ende dieses Jahrhunderts um 2,5 Grad Celsius höher liegen als im vergangenen Jahrhundert. Im Sommer sind Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius möglich. Oder anders formuliert: Andalusien liegt dann an der Nordsee. Das ist das Ergebnis einer Studie des Königlich Niederländischen Meteorologischen Instituts (KNMI). Darin heißt es auch, dass vor allem der hohe CO2-Ausstoß für die Erderwärmung verantwortlich sei, was nichts Neues ist.

Neu aber ist, dass der Ministerpräsident Jan Peter Balkenende angesichts der KNMI-Studie dazu aufrief, über einen verbesserten Küstenschutz nachzudenken. Denn der Klimawandel hat zur Folge, dass der Meeresspiegel steigen wird. Das ist eine Bedrohung für ein Land, dessen Territorium zur Hälfte unter dem Meeresspiegel liegt und das nur weiterbestehen kann, wenn es effektiven Küstenschutz gegen die Wogen der Nordsee hat. Nur so können die 16 Millionen Niederländer auch in Zukunft trockene Füße behalten.


Neues Land soll entstehen

Der Ministerpräsident fand Gehör. Das Bauunternehmen Van Oord und das Ingenieurbüro Royal Haskoning legten einen ehrgeizigen Plan zum Küstenschutz in den Niederlanden vor. Er sieht vor, dass vor der heutigen Küste neues Land geschaffen und über eine Länge von 250 Kilometern eine zweite Küsten- und Dünenreihe errichtet wird. Dafür, so haben die Experten berechnet, müssten rund vier Mrd. Kubikmeter Sand aus der Nordsee geholt und aufgeschüttet werden. Die neue Küstenlinie müsse dann nach dem holländischen Polder-Prinzip eingedeicht und trockengepumpt werden. Kosten des ehrgeizigen Projekts: 20 Mrd. Euro. Dauer, um es zu realisieren: 25 Jahre. „Das ist machbar“, sagt John van Herwijnen, Chef von Van Oord. „Wir haben das Know How und wir haben vor der Küste von Dubai bereits bewiesen, dass wir das können.“

Vor Dubais Küsten hatten Van Oord und andere niederländische Baggerunternehmen in den vergangenen Jahren die künstlichen Inseln „The Palm“ und „The World“ geschaffen. Warum sollte das, was dort kreiert wurde, nicht auch in der Nordsee möglich sein? Schließlich sind es die holländischen Bau- und Baggerunternehmen, die wohl am besten wissen, wie man Wasser in Land verwandelt. Das ist eine niederländische Spezialität. Dass die Niederlande eine Antwort auf den sich vollziehenden Klimawandel finden müssen, das ist evident. Schließlich gibt es Berechnungen, wonach der Meeresspiegel auch der Nordsee wegen des Klimawandels in 100 Jahren um bis zu 60 Zentimeter steigen könnte. Die bestehenden Deiche und Dämme könnten dem wohl kaum standhalten.


Warnbeispiel Bangladesch

Wie ernst die Lage ist, beschreibt Jürgen Hüholdt in seinem Buch „Klimakrieg“: „Die Sache ist an sich viel ernster. In Bangladesch, wo 80 Prozent des Landes unter dem Meeresspiegel liegen, werden sich die Flüchtlingsströme vergrößern.“ Die Migrationswelle auf der Erde wird wachsen, wenn Dürreperioden anhalten und Überflutungen zunehmen. Durch den Rückstrom von Meerwasser ins Land und in die Flussdeltas nimmt die Versalzung zu. Auf unfruchtbaren Böden wachsen keine Nahrungsmittel mehr. Bangladesch ist das Extrem-Beispiel dafür, was den Niederlanden blühen könnte, wenn das Land den Küstenschutz nicht an die Folgen des Klimawandels anpasst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2008)

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5 Kommentare
citoyen
20.07.2008 21:23
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Wir würden absaufen.....

Man stelle sich nur einmal vor, dieses Problem würde Österreich betreffen und müßte von unserer Bundesregierung gelöst werden:

Die Grünen würden, heftig unterstützt von der ZIB Redaktion, Amok laufen - unzulässiger Eingriff in die Natur. Die Krone würde eine Antikampagne machen, wie etwa bei Hainburg. Wenn es die Idee der ÖVP wäre: die SPÖ wäre dagegen (und vice versa).

Fazit: es würde in zahllosen Arbeitskreisen endlos diskutiert werden - ohne Ergebnis natürlich. Bis es dann zu spät wäre...

Antworten Gast: unverbluemt
21.07.2008 08:11
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Re: Wir würden absaufen.....

citoyen Sie sagen es. Es ist tatsächlich so das in Ö anstatt Probleme zu lösen, ständig neue geschaffen werden.
Beispielsweise lässt man gewalttätige bzw. kriminelle Asylwerber ins Land und füttert sie durch. Oder man lässt Zuwanderer aus bildungsfernsten Schichten einwandern, die sich in keinster Weise integrieren usw. Beispiele gibt es zuhauf.

Antworten Antworten Gast: *grübel*
21.07.2008 13:38
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Re: Re: Wir würden absaufen.....

Oder einen Landeshauptmann, der sich nicht an Gesetze hält. Oder einen Innenminister, bei dem das Wort Humanität nicht einmal im passivem Wortschatz vorkommt. Oder denkfaule Mitbürger, die jeder Anti-EU-Propaganda auf dem Leim gehen...

Sie haben Recht, Beispiele zuhauf.

hw
21.07.2008 12:12
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Re: Re: Wir würden absaufen.....

wieso es gibt scheinbar eh nur das problem "Asylwerber".
jedenfalls sind beim 2ten satz schon dort.
mit vom thema ablenken und wahlwerbung, werden auch keine problem gelöst.

citoyen
21.07.2008 09:03
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Re: Re: Wir würden absaufen.....

Sie sagen es....

Schlagzeilen Wirtschaft