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AUA: „Konsorten“ zeigen keine Lust

07.08.2008 | 18:32 |   (Die Presse)

Auch Oberbank und RZB winken ab, ÖIAG könnte auf Österreich-Anteil sitzen bleiben. In Aktionärskreisen war in den vergangenen Tagen von einer „Finanzierungslücke“ die Rede.

Wien (ju/dom). Die nichtstaatliche österreichische Sperrminorität für die Fluggesellschaft Austrian Airlines, die die beiden Koalitionspartner SPÖ und ÖVP zu Beginn dieser Woche als politischen Kompromiss für die AUA-Privatisierung ausgehandelt haben, dürfte schwer zu verwirklichen sein: Ein möglicher AUA-Aktionär nach dem anderen winkt ab. Und Infrastrukturminister Werner Faymann rudert selbst schon zurück: Notfalls müsse die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG AUA-Aktionär bleiben, meinte der designierte SP-Chef am Donnerstag.

 

Droht „Finanzierungslücke“?

Die starke Zurückhaltung der potenziellen Aktionäre könnte mit weiteren finanziellen Problemen der Airline zu tun haben: In Aktionärskreisen war in den vergangenen Tagen von einer „Finanzierungslücke“ die Rede, die eventuell durch einen Gesellschafterzuschuss in Höhe von 150 bis 200 Mio. Euro noch vor dem Verkauf geschlossen werden müsste. Infrastrukturminister Faymann hatte einen Bericht der „Kronen Zeitung“ nach dem AUA-Gipfel am Montag, in dem von der Zusage eines „Zuschusses“ über 200 Mio. Euro die Rede war, halbherzig dementiert und gemeint, „Kapitalerhöhung“ werde es keine geben. Das Problem: Ein wie immer gearteter Zuschuss müsste so konstruiert sein, dass er von der EU nicht als verbotene Beihilfe aufgefasst wird.

Eine (in Relation freilich kleinere) Lücke könnte sich beim Verkauf jedenfalls auftun: Die AUA hat 1986 in der Schweiz eine so genannte „ewige Anleihe“ in Höhe von 150 Mio. sfr. begeben, die an eine österreichische Mehrheit gekoppelt ist. Laut Auskunft des Unternehmens sind davon noch rund 60 Mio. sfr. offen (in der Bilanz 2007 wird die Verbindlichkeit daraus mit 36,2 Mo. Euro angegeben). Die wären also jedenfalls fällig, falls es nicht zu der angepeilten Österreich-Lösung kommt.

Bisher war die österreichische Mehrheit durch ein syndiziertes Bankenkonsortium gewährleistet worden: Mehrere österreichische Investoren (darunter Raiffeisen Invest und die Wiener Städtische), die insgesamt 7,25 Prozent auf die Waage bringen, haben sich mit der ÖIAG (42,75 Prozent Anteil) zusammengetan und sich vertraglich zu einheitlichem Abstimmungsverhalten verpflichtet.

Diese Form der „österreichischen Mehrheit“ ist auch bei einem Teilrückzug der ÖIAG jedenfalls Geschichte.

Die heimischen Investoren zeigen überhaupt wenig Lust, der Fluggesellschaft Geld zu geben: Die Vienna Insurance Group (früher Wiener Städtische) hat zwar ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, aufzustocken, zwei wichtige potenzielle Investoren haben am Donnerstag aber abgesagt: Der stellvertretende Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank, Herbert Stepic, sagte, sein Institut wolle seinen Anteil (derzeit 3,43 Prozent) nicht aufstocken.

Und die Oberbank, die bei der Voestalpine und bei der Energie AG OÖ Kernaktionär spielt, nahm sich ebenfalls aus dem Spiel: Strategische Beteiligungen dieser Art entsprächen nicht der Geschäftspolitik, sagte Oberbank-Chef Franz Gasselsberger in Wien. Er könne sich eine Beteiligung also nicht vorstellen. Schon vorher hatte der Industrielle Hannes Androsch, der bei diversen Österreich-Lösungen immer wieder ins Spiel gebracht wird, abgewunken.

Stepic meinte zur von der Regierung ausgehandelten AUA-Lösung, eine private Sperrminorität ließe sich „nicht politisch verordnen“. So etwas sei zwar „theoretisch möglich“, praktisch glaube er aber nicht daran. Das Ganze sei „ein klassischer politischer Kompromiss“. Fest stehe, dass sich die AUA „in einer gewissen finanziellen Notlage“ befinde.

Infrastrukturminister Faymann hat das Kernaktionärskonzept unterdessen selbst relativiert: Eine österreichische Lösung könne „nicht für 200 Jahre gelten“, sagte der Minister in einem „Format“-Interview.

 

Zwei Milliarden Schulden

Ein sofortiger Mehrheitseinstieg wäre für den wahrscheinlichsten Partner, die deutsche Lufthansa, ohnehin unlukrativ: Derzeit ist die AUA sehr hoch verschuldet. Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, könnte eine sofortige mehrheitliche Übernahme der AUA samt Schulden das Bonitätsrating der Deutschen ins Wackeln bringen.

Zuletzt war bei der AUA, die an der Börse derzeit rund 370 Mio. Euro wert ist, von etwas mehr als 900 Mio. Euro Schulden die Rede. Das sind freilich nur die so genannten „Netto-Finanzschulden“ („verzinsliche Verbindlichkeiten“ minus liquide Mittel).

Die tatsächlichen Verbindlichkeiten sind wesentlich höher: In der Halbjahresbilanz (Stichtag 30. Juni 2008) sind langfristige Schulden von 1,106 Mrd. Euro und kurzfristige Schulden von 974,3 Mio. Euro vermerkt. Macht insgesamt 2,08 Mrd. Euro. Gegenüber dem Jahresbeginn entspricht das sogar einer leichten Zunahme.

In diesem Gesamtschuldenstand sind freilich auch Rückstellungen enthalten. Die IFRS-Regeln, nach denen der Konzern bilanziert, schreiben vor, dass Rückstellungen für Ereignisse, die mit einer mehr als 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit schlagend werden, zu den Schulden gezählt werden müssen.

AUF EINEN BLICK

Potenzielle Investoren für das „Österreich-Konsortium“ der AUA winken reihenweise ab. Minister Faymann meint, die ÖIAG solle beteiligt bleiben – und eine Österreich-Lösung müsse nicht ewig dauern.

Das Österreich-Konsortium wird in Finanzkreisen nun als reiner „politischer Kompromiss“ mit kurzer Lebensdauer gesehen. Rätselraten gibt es über einen angeblichen Millionen-Zuschuss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2008)


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13 Kommentare
 
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Von Gast: rené r. am 08.08.2008 um 12:10

Sanieren, offensichtlich noch immer kein Thema?

Ich vermisse in der emotionalen, von politischen Scharmützeln durchdrungenen AUA Diskussion, das Thema -Sanierung-.

Aus dem Unternehmen sind immer noch keine Impulse zu erkennen, dass man an endlich einmal eine strukturelle, kostenseitige Sanierung in Angriff nimmt.

Wie muss man denn noch dastehen, bis das Management einsieht, dass Rationalisierungsmaßnahmen für egal welche Partnerkonstellation Voraussetzung sind.

Damit stellt sich das Management des Unternehmens wirklich in Frage, denn das sich Gefallen in der Opferrolle gegenüber harten Marktbedingungen ist nun wirklich kein Renommé für eine Geschäftsführung.

Antworten Von Gast: Martin S am 08.08.2008 um 13:02

Re: Sanieren, offensichtlich noch immer kein Thema?

Ausgezeichnete Idee. Bitte, WO sparen? Vorschläge bitte!

Antworten Antworten Von Gast: rektor m. am 08.08.2008 um 19:44

Re: Re: Sanieren, offensichtlich noch immer kein Thema?

Vorstand auf ein bis zwei (andere) reduzieren, Hundertschaften von Managern verringern, Produktivität in Flugbetrieb und Technik erhöhen, weitere Strecken streichen, Auslagerungen prüfen, Langstrecke im Vorfeld einer Partnerschaft einstellen, Flugzeuge verkaufen etc..

Antworten Antworten Von Gast: Flieger2000 am 08.08.2008 um 17:05

Man sollte sich mal die überteuerten Leasingverträge ansehen -

und damit sind wir wieder beim Giebelkreuz, dass die AUA jahrelang ungeniert durch zu teure Leasingverträge ausgenommen hat wie eine Weihnachtsgans. Von der mittlerweile verurteilten OMV (überteuertes Kerosin) und dem ebenso abzockenden Flughafen Wien gar nicht zu reden.

Antworten Antworten Antworten Von freeman am 12.08.2008 um 15:26

Verträge

werden üblicherweise zwischen 2 Parteien geschlossen und nicht oktroyiert.

Wenn Die Raiffeisen Verträge zu ungünstigen Konditionen anbietet, wäre es die Aufgabe des AUA-Managements, diese nicht zu unterschreiben.

Wenn sie dies aus politischen Gründen nicht getan haben, ist dies nur ein weiterer Grund für die vollständige Entpolitisierung und Privatisierung der AUA.

Von Gast: Flieger am 08.08.2008 um 12:03

Man sollte die 4 Mrd. Schulden der Lufthansa

nicht vergessen. Und das sind reine Finanzschulden, nach IFRS hat die Hansa selbst um die 7,5 Mrd. Schulden ... und die soll die AUA sanieren können? Die sollen sich zuerst mal selbst sanieren.

Antworten Von panda82 am 08.08.2008 um 12:38

Re: Man sollte die 4 Mrd. Schulden der Lufthansa

Die Lufthansa ist eine grosse Fluggesellschaft!!!

Was ist die AUA?

AUA ist ein Verein der Bosse mit Flugbetrieb!!!

Antworten Antworten Von Gast: Berge am 08.08.2008 um 17:15

Na und?

VW und Daimler sind auch deutlich größer als Porsche und BMW. Nur dass Porsche und BMW seit Jahren die deutlich ertragreicheren Unternehmen sind! Sie sollten die Ohren wegklappen, wenn Ihnen irgendwelche Investmentbankerbubis was von "nur Größe zählt - alle Kleinen können nicht überleben" vorlügt ....

Antworten Antworten Antworten Von panda82 am 08.08.2008 um 19:42

Re: Na und?

Es könnte ja so sein, wie du meinst, wenn die AUA nicht von den Österreichern geführt worden waere!!!

Die grösste östrr. Firma ist die OMV. Sie ist auch in diesen Tagen klaeglich gescheitert...
Österreicher sollten für die Hollander Spetzel servieren und Sisi Geschichten erzaehlen!!!

Von Gast: Vorbild Bundesbahn am 08.08.2008 um 10:16

Das Ei des Columbus

Der Staat sollte zu 100% Eigentümer bleiben, wie bei der Bundesbahn, und den Defizit zu 100% übernehmen, wie bei der Bundesbahn. Obwohl die Bundesbahn noch nie auch nur einen einzigen Cent Gewinn gemacht hat, fährt sie noch immer pünktlich und sicher - warum sollte das nicht auch bei der AUA möglich sein?

Von Paige am 08.08.2008 um 06:31

Wieder mal was ganz Feines zur Sache von Unterberger

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4152&Alias=wzo

Von reinold am 08.08.2008 um 01:01

schnell ist das gegangen

jetzt müssen wir schon ein paar hundert millionen gutes geld dem schlechten geld nachwerfen, damit der mayerhuber die aua überhaupt nimmt.
in klassicher österreichischer manier haben da unsere unfähigen politiker und der unsägliche ötsch in all ihrer präpotenz und wirtschaftlichen inkompetenz zusammengearbeitet.

Von Gast: Ludwig Ammer am 07.08.2008 um 21:38

Postflieger

Weil das nur mit nationaler Solidität geht, einen nationalen Investor zu finden, muß das Geschäft der AUA-Nachfolgefirma diesem Investor national und im nationalen Interesse diesem und allen Österreichern nutzen. Eine solche goldene Wunderkuh dann nur die Post AG sein. Jetzt sage ich das als Ausländer (und diplomatischer Einzelstreiter für Österreich und Kärnten unter den Sanktionen) schon so lange wie die Diskussion läuft, und noch immer werde ich ignoriert. Muß ich schleimen? Ich finde Namen wie den meines vierjährigen Sohnes so schön: Bertold Carl. In Österreich gibt´s einen Investor, der heißt so ähnlich: Carl Gerold. Herr Mende, ich schiebe für Bertold Carl einen postgelben Kinderkarren der Extraklasse mit getöntem Verdeck und wunderbarer Lüftung... machen Sie doch die AUA-Flieger zu gelben Karren, die mit der EA (Ethiopian Airways) und Ihrer tans-o-flex (A) im Cargogeschäft weltweit DHL und die braunen Amerikaner in den Schatten stellen. Awo sprich A(w)uo heißt ja auf Amharisch.

 
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