Inflation drückt eine Million Österreicher Richtung Armut

Das Arbeitslosengeld ist heute um vier Prozent weniger wert als im Jahr 2000. Da das Volkseinkommen aber weiter steigt, sind immer mehr Österreicher von Armut (nach EU-Definition) gefährdet.

Armut - eine Gefahr für viele Österreicher
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Armut - eine Gefahr für viele Österreicher
EPA (Orestis Panagiotou)

Mehr als eine Million Menschen sind in Österreich armutsgefährdet. Laut der jüngsten vorliegenden EU SILC-Erhebung (European Statistics in Income and Living Conditions) der Statistik Austria aus 2006 waren 12,6 Prozent der Bevölkerung betroffen. Als armutsgefährdet gilt nach EU-Definition, wer monatlich weniger als 60 Prozent des Nettomedianeinkommens zur Verfügung hat. Die Schwelle liegt damit in Österreich derzeit bei 893 Euro (im Einpersonenhaushalt).

Das Medianeinkommen

Das Medianeinkommen entspricht jenem Wert, der in der Mitte der Verteilung liegt (50 Prozent haben mehr, 50 Prozent weniger) - ist also nicht gleichbedeutend mit dem "Durchschnittseinkommen". Eingerechnet werden Erwerbseinkommen, Pensionen, Sozialleistungen und Unterhaltszahlungen - Steuern und Abgaben werden abgezogen

Partnerschaft schützt gegen Armut

Mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer in Österreich verdienen weniger als 2.149 brutto monatlich, wie eine Studie der Arbeiterkammer Niederösterreich ergibt. Verliert jemand mit diesem Einkommen seinen Job und ist Alleinverdiener, so beträgt sein Arbeitslosengeld € 1025,48 Euro. Das liegt unter der Armutsgrenze. Noch härter trifft es Bezieher von Notstandshilfe. Sie liegt bei durchschnittlich 595 Euro.


Welche Haushalte gefährdet sind

Aus der SILC-Statistik lassen sich folgende Werte für verschiedene typische Haushaltsformen in Österreich ablesen:

Arm ist man unter....
ErwachseneKinderArmutsgrenze bei monatlichem Nettoeinkommen
10€ 893
11€ 1.160
21€ 1.607
22€ 1.874
23€ 2.142

Schimmlige, kalte Wohnungen

Aus der Studie der Arbeiterkammer geht weiters hervor, dass sich

  • 2,1 Millionen Österreicher keinen Urlaub leisten können
  • 840.000 in feuchten und schimmlichen Wohnungen leben und
  • 313.000 Menschen nicht genug Geld haben, um ihre Wohnungen im Winter ausreichend zu beheizen.

Menschen die mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Nahrung und Miete/Wohnkosten ausgeben, trifft die Inflation besonders hart.

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(Ag.)

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